WESTHEIM
Zum Schutz vor Einbrechern aufpassen und beim Ausgehen abschließen
Bezirksbeamter Christian Scherer hatte zuvor Anwesen in Westheim inspiziert: „Ich war überrascht, wie viele Häuser sich für Einbrecher anboten, eine große Einladung waren.“ Gründe: Vielen Häusern waren stockdunkel, Briefkästen nicht geleert, Fenster nicht geschlossen. In den Briefkästen von mehr als 30 „extrem auffälligen“ Gebäuden hat Scherer gelbe Karten mit Hinweisen und Einladungen zum Bürgerforum hinterlassen. Auf Wunsch besucht der Bezirksbeamte Bürger und berät sie. Ziel: „Das Haus mit günstigen Hilfsmitteln sicher, unattraktiv für Einbrecher zu machen.“ Scherer betonte: „Es geht nicht darum, Leuten das große Geld aus der Tasche zu ziehen.“ Bürger dürften selbst entscheiden, ob und was sie änderten.
Täter erkennen Schwachstellen am Haus
Wie man Gebäude mechanisch sichern kann, zeigte Horst Gesell, Leiter Zentrale Prävention im Polizeipräsidium Ludwigshafen, auf: Schwachstellen seien Garagen, Fenster sowie Balkon- und Terrassentüren – auch im Obergeschoss. Oft ständen auf den Grundstücken Aufstiegshilfen wie Mülltonnen oder Leitern schon parat. Mauern, Zäune und Hecken seien ein super Sichtschutz – ein solcher aber auch für Täter. „Ein bisschen Einbruchsschutz bringt nichts. Der Täter wird die Schwachstellen erkennen.“
In über 70 Prozent der Fälle würden Fenster aufgehebelt. Tipp: Nicht Produkte mit Roll-, sondern mit Pilzkopf-Zapfen kaufen (DIN EN 1627/RC 2) oder mit aufschraubbaren Sicherungen nachzurüsten. Nachrüstmöglichkeit bei Türen: Kastenriegelschlösser mit Türspalt-Sperren und Stangenverriegelungen. Wichtig: Haustür-Schlüssel nicht vor dem Haus unter dem Blumentopf verstecken: „Dann können sie das Haus gleich offen lassen!“ Besser: beim Nachbarn deponieren. Rollläden seien eher Sicht- und Sonnenschutz als Einbruchsschutz. Es gebe zwar einbruchhemmende Rollläden, „die sind aber richtig teuer“. Eine „Ergänzung zum mechanischen Einbruchschutz“ seien Alarmanlagen.
Keine Hinweise auf Abwesenheit geben
Gsells weitere Tipps: Beim Verlassen der Wohnung Fenster und Türen abschließen! Keine Hinweise auf Abwesenheit geben! Aufpassen! Auf Fremde achten! Verdächtiges melden! Sich nicht scheuen, die 110 zu wählen! Täter nicht selbst verfolgen!
Einbruchszahlen rückläufig
Laut André Erdle, Leiter des Sachgebiets Wohnung bei der Kriminalinspektion Landau, gibt es zwei Tätergruppen: regionale, oft dilettantisch vorgehende, meist Einzelpersonen – sowie überregionale, hoch professionell arbeitende, die vor allem in der dunklen Jahreszeit zuschlagen „und uns viel mehr Sorge bereiten“. Einbrecher bevorzugten ältere Häuser an Ortsrand mit guter Verkehrsanbindung. Beruhigend: „In der Hochphase 2015“ gab es seinen Angaben zufolge in der Südpfalz 500 Einbrüche, 2018 nur noch 260. „Für Geschädigte ist das aber kein Trost. Denn ein Einbruch ist ein absolut traumatisches Erlebnis für die Leute.“ In der Verbandsgemeinde Lingenfeld habe es 2018 elf Einbrüche (darunter sechs Versuche) und 2019 13 (vier Versuche) gegeben.
Beim Westheimer Gerhard Paul wurde am vierten Advent 2019 eingebrochen, nach zwei gescheiterten Versuchen in den Vorjahren, weil Personen im Haus waren. Er hat nachgerüstet und neue Fenster bestellt.
Bei Verdachtsmomenten Polizei informieren
„Wir leben grundsätzlich in unseren Dörfern sicher, müssen aber zusammenhalten, wenn Dinge passieren und reden“, sagte Wolfgang Zöller, Chef der Polizeiinspektion (PI) Germersheim, die 2018 4112 Straftaten verzeichnete, davon 63,5 Prozent aufklärte. Sein Appell: „Rechtzeitig Bescheid geben! Mund aufmachen!“
Die Kommunikation mit Bürgern sei enorm wichtig, sagte Moderator Uwe Becker von der PI Germersheim: „Sie sind für uns die Fachleute vor Ort. Sie kennen ihre Gegend, die Leute und nehmen Verdächtiges wahr.“
Fürs Forum kooperierten Senioren- und Behindertenbeauftragter, der Bürgerverein der Verbandsgemeinde und die Gemeinde Westheim.