WESTHEIM RHEINPFALZ Plus Artikel Zum Essen darf die Maske runter

 Bianca Schaller (links) empfängt Anna Gundermann und Sophia Joder.
Bianca Schaller (links) empfängt Anna Gundermann und Sophia Joder.

Endlich sein neues „Esszimmer“ eröffnen zu dürfen – darauf hatte Fabian Müller schon sehnlichst gewartet. Endlich wieder ein Lokal betreten zu dürfen – darauf hatten sich viele Bürger bereits lange gefreut: Am Freitag erfüllten sich beide Wünsche in Westheim. Der Landgasthof wurde wieder eröffnet. Allerdings mit einigen Corona-Einschränkungen. Die Gäste waren trotzdem zufrieden.

„Schää, dass na do sinn! Mask’ uff! Bidde warde! Mir kummen!“ Die Tafel am Eingang macht klar, dass im Restaurant auch Vorschriften zu schlucken sind. Dennoch: Das breite Pfälzisch klingt vertraut, einladend, persönlich, ja positiv. Klar: Auch in ungewohnten Zeiten sollen sich Gäste wie gewohnt wohlfühlen. Drei Männer tun das schon, schlürfen in der Freiluft-Weinlounge Kaffee und Schorle. Total unaufgeregt.

Ohne Reservierung geht nichts

Normalerweise dürfen sie sich dort selbst bedienen. In Corona-Zeiten aber nicht. Und: Maximal sechs Personen dürfen nach Voranmeldung Platz nehmen. Die Sonne strahlt, als die Gemeindeführung den neuen Pächter beglückwünscht. Es gibt Sekt. Irgendwie total normal – wenn da nicht der größere Abstand wäre. Abstände müssen auch zwischen Tischen und beim Betreten des Lokals eingehalten werden. Linien sind markiert. Weitere unverrückbare Linien: Der Weg zur Toilette ist vorgegeben: Einbahnstraßenverkehr! Ein Pissoir ist gesperrt: zu dicht am benachbarten! Und: Ohne Tischreservierung geht nichts! Ute und Achim Mohnhaupt sind die ersten Essensgäste. Gut gelaunt warten sie vor dem Lokal. Mit Mundschutz.

Anja Blaschke holt die beiden ab, begrüßt sie. Im Vorraum steht Desinfektionsmittel für die Hände. Blaschke führt die Gäste dann zum reservierten Tisch, erklärt ihnen weitere Vorgaben. Sie setzen sich. Jetzt dürfen sie den Mundschutz ab- und die Karte in Empfang nehmen. Nein, nicht die Speisenkarte! Erst ein Formular, auf dem sie Daten eintragen und das sie unterschreiben müssen. Bei einem Corona-Ausbruch ist so ersichtlich, wer wann im Lokal war: Infektionsketten sind so also nachzuvollziehen. Nach einem Monat müssen die Daten vernichtet werden.

Für die Mohnhaupts kein Problem. Lange haben sie darauf hingefiebert, wieder in ein Lokal gehen zu dürfen. Die Speisenkarte kommt. Aber: nur eine „Corona-Karte“, die zu gegebener Zeit vergrößert werden soll. Künftig soll es eine Basiskarte geben, zudem wechselnde saisonale Speisen. Derzeit gibt es Spargelsuppe mit Schnittlauch und Radieschen, grünen und weißen Spargel mit Speck, Kartoffeln, Radieschen und Bärlauch, Rumpsteak mit Röstzwiebeln und Kartoffel-Ecken sowie Salat mit Hausdressing und Kernen – auch mit Rumpsteak-Streifen. Und als Dessert Sorbets.

Als Koch auf der MS-Europa

Die Mohnhaupts ordern zwei Suppen und zwei Steaks. Jetzt ist Müller in der Küche gefordert. Kumpel Baris Günes unterstützt ihn. Besondere Corona-Auflagen gibt es dort nicht: Die Hygienevorschriften seien in der Küche generell hoch, erklärt der 27-Jährige, der seinen Wunsch, ein eigenes Lokal zu betreiben, verwirklicht hat. Müller, der aus Weingarten stammt und 2012 seine Kochausbildung im Waldhaus Wilhelm in Maikammer abschloss, bringt beste Voraussetzungen mit: Eigenen Angaben zufolge bereiste er auf der MS Europa die Welt. Auf dem Schiff war er zunächst in der Showküche, später im Restaurant von Drei-Sterne-Koch Dieter Müller tätig. Er kochte bei Heiko Nieder im Züricher Hotel „The Dolder Grand“. Und erkochte sich im Lammershof in Birkenau 2016 einen eigenen Stern. Danach war er Küchenchef im „Esszimmer“ in Weinheim, managte das Seehaus in Langenfeld und die Restaurants „Papi“ Mannheim und Heidelberg. „Mir liegt es am Herzen, dass alles frisch gemacht ist“, sagt Müller, der auf Qualität und Regionalität setzt.

Die Auflagen sind ein Hemmnis

Überraschung für Mohnhaupts: Ein Gruß aus der Küche (Frischkäse, Olivencreme und Sesambrötchen) wird serviert. Dann die bestellten Speisen. Mit Mundschutz. 19 Uhr: Fast alle Gäste kommen auf einmal. „Die Auflagen sind ein Hemmnis. Es geht aber auch darum, uns und die Mitbürger zu schützen“, zeigt Anna-Lena Wagner Verständnis. „Wir gehen gerne essen, probieren gerne Neues aus“, fügt sie an, um dann von den Kochkünsten ihres Lebensgefährten Markus Schenk zu schwärmen. „Für mich ist es Erholung“, fügt der lächelnd an. Nach und nach dürfen die Gäste eintreten.

Bianca Schaller, Müllers Freundin, Teilzeitkraft Sandra Gaschott und Aushilfe Anja Blaschke sind im Dauereinsatz. Auch in der Küche geht’s heiß her. Nach 90 Minuten endet der Genuss für die Mohnhaupts. Vorschrift! Masken auf und verabschieden! „Isch hoff, Eich hott’s gschmeckd! Bis zum nägschde Mol!“, steht auf der Tafel am Ausgang. „Superlecker!“, sind sich beide einig. Bald wollen sie wiederkommen, um die Sonne im Biergarten zu genießen, sich wieder verwöhnen zu lassen. Auch Müller ist glücklich: „Die Gäste waren alle zufrieden, so kann es weitergehen!“ Endlich!

 Fabian Mueller (Mitte) bedient mit Mundschutz.
Fabian Mueller (Mitte) bedient mit Mundschutz.
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