Kreis Germersheim RHEINPFALZ Plus Artikel Zu viel Plastik im Biomüll

Jürgen Stumpf von der Abfallwirtschaft und Suez Mitarbeiter Eckard Knoch bei einer Kontrolle der Biotonne.
Jürgen Stumpf von der Abfallwirtschaft und Suez Mitarbeiter Eckard Knoch bei einer Kontrolle der Biotonne. Foto: van

Wenn am Donnerstag nach vielen Jahren der Planung und Ideen die Vergärungsanlage für Biomüll in Westheim eingeweiht wird, haben viele Menschen ihre Hausaufgaben gemacht und ein Entsorgungsproblem mit Energiegewinnung elegant gelöst. Fast jedenfalls.

Das Problem: Der bisher angelieferte Biomüll aus der braunen Tonne ist zu oft verschmutzt. Plastiktüten im Biomüll sind das Hauptärgernis, hat die Abfallwirtschaft bei der Kreisverwaltung schon kurze Zeit nach Einführung der Biotonne im Landkreis im Jahr 1993 festgestellt. Seit 2015 gibt es eine bundesweite Biotonnen-Pflicht, Biomüll wird als wertvoller Rohstoff zur Energiegewinnung eingestuft.

„Rote Karte“ für Biomüll-Sünder

Eine Offensive gegen falsch befüllte Biotonnen im Kreis Germersheim gab es mit der „Roten Karte“ im Sommer 2018. Besonders in großen Wohneinheiten wie Hochhäusern oder Wohnblocks waren damals die Biotonnen oft sehr stark mit Abfällen wie Kunststoffen, vor allem Plastiktüten, und allen Arten von Restmüll durchsetzt. Die Hauptursache dieser Fehlbefüllungen dürfte nach Angaben der Kreisverwaltung sein, dass viele Bewohner ihren Biomüll in Plastiktüten sammeln und diesen dann zusammen mit der Plastiktüte in die Biotonne werfen. Der hohe Anteil an Störstoffen führe dazu, dass der Biomüll nicht, oder nur mit einem hohen und kostenintensiven Sortieraufwand verwertet werden kann. Die dadurch entstehenden Kosten müssten auf die Müllgebühren umgelegt werden.

Qualitätsoffensive Biomüll starten

Dass sich daran seit vergangenem Jahr nicht viel geändert hat, kann man der Tagesordnung der Sitzung des Abfallwirtschaftsausschusses entnehmen. Der trifft sich direkt nach der Einweihung der Vergärungsanlage zur „Qualitätsoffensive Biomüll: Stoppt den „Plastikmüll“. Außergewöhnlich dabei: Die Debatte findet nichtöffentlich statt, weil die Kreisverwaltung Datenschutzverstöße befürchtet, wenn sie öffentlich über „Biomüll-Brennpunkte“ im Landkreis spricht. Ob die Aktion „Rote Karte“ fortgesetzt und intensiviert wird, oder ob andere Möglichkeiten der „Biomüll-Säuberung“ genutzt werden sollen, entscheidet die Kommunalpolitik. Nach dem Abfallwirtschaftsausschuss am Donnerstag befasst sich der Kreisausschuss am Montag mit dem Thema, dann allerdings öffentlich.

Biomüll und Grünschnitt werden zu Erdgas

Auf dem Gelände des Suez-Kompostwerkes im Wald zwischen Westheim und Bellheim soll Biomüll der Landkreise Germersheim und Ludwigsburg sowie der Stadt Karlsruhe zu Biogas vergoren werden. Die Anlage ist auf 48.000 Tonnen Biomüll und 10.000 Tonnen Grünabfall pro Jahr ausgerichtet. Daraus entstehen rund 30.500 Megawattstunden Erdgas, die in das regionale Netz eingespeist werden. Übrig bleiben 1700 Tonnen Kompost und 18.000 Tonnen Flüssigdünger, der in der Landwirtschaft Verwendung finden soll. Rund 5000 Tonnen Reststoffe pro Jahr werden in der Müllverbrennung landen.

Nur Papier darf zusätzlich in die Tonne

In die Biotonne dürfen nur Garten-/Grünabfällen sowie Speiseresten und Küchenabfällen aus dem Haushalt. Speise- und Küchenabfälle können eingewickelt in Zeitungspapier oder in Papiertüten in die Biotonne geworfen werden, da das Papier im Gegensatz zu Plastiktüten verrottet. Biologisch abbaubare „Plastiktüten“ hingegen sind Störstoffe. Sie verrotten zu langsam und dürfen nicht in die Biotonnen gegeben werden.

Stichwort: Biomüll

Zum Biomüll gehören Balkonpflanzen, Bartschnitt, Brotreste, Eierschalen, Essensreste, Federn (Bettfedern), Fischgräten, Fischreste, Fleischreste, Gartenabfälle, Gehölzschnitt, Gemüsereste, Grasabfälle, Grasschnitt, Grünabfälle (nicht sperrig), Heckenschnitt, Heureste, Holzspäne (unbehandelt), Holzwolle (unbehandelt), Kaffeefilter, Kaffeesatz, Küchenpapier, Laub, Lebensmittel (verdorben), Lebensmittelreste, Nahrungsmittelreste, Nussschalen, Obstreste, Orangenschalen, Pflanzenabfälle, Rasenschnitt, Restinhalte von Konserven, Sägemehl (unbehandelt), Sägespäne (unbehandelt), Salatreste, Schnittblumen, Speisereste, Strauchschnitt, Stroh, Südfrüchte, Tee, Teeaufguss, Teebeutel, Teereste, Topfpflanzen (ohne Topf), Unkraut, Zitrusfrüchte. Auch sollte darauf geachtet werden, dass die Biotonne nur so gefüllt wird, dass der Deckel noch geschlossen werden kann.

Nicht in den Biomüll gehören Windeln (sie kommen in den Restmüll). Schlachtabfälle oder Tierkadaver müssen speziell entsorgt werden. Informationen dazu bei der Kreisverwaltung Germersheim, Abteilung Abfallwirtschaft. Internet: abfallwirtschaft-germersheim.crewnet.de.

Ausschuss-Debatte

Der Ausschuss für Bauen und Klimaschutz tagt am Montag öffentlich gemeinsam mit dem Kreisausschuss, 15.30 Uhr, Straßenmuseum Germersheim, Tagesordnung u. a.: Klimaschutzkonzept, Qualitätsoffensive Biomüll.

Die neue Vergärungsanlage, Stand August 2019, und im Hintergrund die Photovoltaikanlage Westheim.
Die neue Vergärungsanlage, Stand August 2019, und im Hintergrund die Photovoltaikanlage Westheim. Foto: van
x