Bellheim
Wunschkonzert für die Südumgehung
Die Bellheimer Südumgehung ist im Bau. Doch Knittelsheim und Ottersheim hätten gerne, dass die neue L 509 bis kurz vor Offenbach verlängert wird, so dass der Verkehr parallel zu den Ortsdurchfahrten auch an diesen beiden Dörfern vorbeifließt. Um diesem Wunsch Rechnung zu tragen, hat die Genehmigungsbehörde SGD in Neustadt im April eine sogenannte vereinfachte raumordnerische Prüfung eingeleitet, sprich, es wurde unter anderem mit Grundstückeigentümern, Landwirten darüber gesprochen, ob sie mit der geplanten Trassenführung einverstanden sind oder ob es Änderungswünsche gibt.
Bellheim gegen Bauch und für Kreisel
Laut Sitzungsvorlage für den Gemeinderat Bellheim, der sich in seiner jüngsten Sitzung mit dem Thema befasste, ist ein Landwirt mit seinen Betriebsflächen massiv betroffen und „möglicherweise eine Bedrohung der Existenz gegeben“. So hat sich der Rat laut Ortsbürgermeister Paul Gärtner (FWG) einstimmig für eine geänderte Trassenführung auf Bellheimer Gemarkung ausgesprochen, weil sonst mehrere Äcker so schräg von der Trasse durchschnitten würden, dass kaum noch landwirtschaftlich nutzbare Reststücke übrig blieben. Deshalb soll die geplante Straße um 150 Meter nach Süden auf den Grasweg verlegt, also ein in Richtung Ortsrand gewölbter „Bauch“ begradigt werden. Zudem soll dort ein Kreisel gebaut werden, der mit dem bestehenden Kreisel am Ortsausgang in Richtung Knittelsheim verbunden werden soll.
Ob der Wunsch Gehör findet? In der in der Sitzungsvorlage für den Rat wird die Position des Landesbetriebs Mobilität (LBM) so formuliert: „Bei allen Varianten wird die Fortführung der Südumgehung Bellheim als durchgängige Strecke hergestellt, mit Einmündung und Linksabbiegestreifen zum vorhandenen Kreisverkehr zwischen Knittelsheim und Bellheim. Die Herstellung eines zusätzlichen Kreisverkehrs an dieser Stelle würde die Leitwirkung der Umgehung unterbrechen und ist daher aus verkehrlichen Gründen nicht sinnvoll.“
Bis zu drei Viertel weniger Verkehr
Einer vorläufigen Verkehrsuntersuchung von diesem Jahr zufolge, die auf Fahrzeugzählungen in den Jahren 2015 bis 2019 basiert, ließe sich mit der Umgehungsstraße der Verkehr in Knittelsheim um etwa 65 Prozent reduzieren, in Ottersheim um bis zu 74 Prozent und insbesondere in Bellheims Westen um etwa 40 Prozent. Der Planer empfiehlt jedoch zwingend, im weiteren Verlauf der Planungen eine aktualisierte und detaillierte Verkehrsuntersuchung zu erstellen. Aus der Sitzungsvorlage für den Rat Bellheim geht hervor, dass der LBM im März mitgeteilt hat, dass „die Umgehungsstraße landesweit als Maßnahme mit höchster Priorisierung eingestuft“ worden ist. Demnach könne nach der raumordnerischen Prüfung das Planfeststellungsverfahren beginnen. Dies stehe jedoch unter dem Vorbehalt der erforderlichen Verkehrszählung, die erst ab 2023 möglich sei – also dann, wenn die Bellheimer Südumgehung voraussichtlich fertig ist.
Im Mobilitätskonsens 2021 des Landes werden dem Projekt „sehr große Vorteile“ für die Raumordnung, „große Vorteile“ in puncto Städtebau und geringe Auswirkungen auf die Ökologie zugeschrieben.
Mindestens 275 Meter Abstand
Die im Regionalplan Rhein-Neckar noch als „Trasse mit unbestimmtem Verlauf“ eingestufte zweispurige Umgehung soll eine Länge von rund fünf Kilometer haben und etwa sieben Millionen Euro kosten. Die Anbindung bei Offenbach und Bellheim müsse noch geklärt werden. Aus Lärmschutzgründen sollen mindestens 100 Meter Abstand zu den Häusern eingehalten werden. Die Gerade zwischen Offenbach und Bellheim befinde sich bei vier der fünf Varianten mindestens 275 Meter von der Bebauung entfernt; bei Variante drei seien es im ungünstigsten Fall 200 Meter zu Ottersheim. Wohl nicht zuletzt aus diesem Grund hat sich die Gemeinde Ottersheim für die auch von der Verbandsgemeindeverwaltung favorisierte Variante zwei entschieden, die auch günstiger sein soll. Allerdings will man prüfen lassen, ob die Anbindung von Ottersheim aus Sicherheitsgründen nicht doch mittels eines Kreisels möglich ist, anstelle der geplanten Abbiegespur. Zudem ist laut Sitzungsvorlage der Eingriff in schützenswerte Gebiete beim Schleidgraben, über den eine Brücke gebaut werden soll, am geringsten. Die Einmündung in das Gewerbegebiet Interpark Süd zwischen Ottersheim und Offenbach soll an die neue Straßenführung angepasst werden.
Weil wegen der Corona-Pandemie die geplante Ratssitzung ausgefallen ist, hat sich die Gemeinde Knittelsheim am 28. April in einem nicht förmlichen Beschluss wie auch Ottersheim für die Variante zwei ausgesprochen und ebenfalls eine aktuelle Verkehrszählung gefordert. Das teilte Ortsbürgermeister Ulrich Christmann (CDU) auf Anfrage mit.
Kommentar: Erst der Wurm, dann das Virus
Ob die Bellheimer Südumgehung wie gewünscht und geplant verlängert wird, bleibt abzuwarten. Corona lässt grüßen.
In der Südumgehung steckt von Beginn an der Wurm drin. Debatten über Sinn und Unsinn, Effektivität und Ineffektivität einer Umgehung im Allgemeinen und der im Süden von Bellheim insbesondere erstreckten sich über Jahrzehnte. Doch als man hätte bauen können, wechselten in Mainz die Regierung und die Schwerpunktsetzung: Straßensanierung vor -neubau hieß es nun. Dann ein erneuter Regierungswechsel und der Straßenbau begann relativ schnell. Zwei Südpfälzer hatten da im Verkehrsministerium das Sagen, darunter ein Bellheimer. Kurz nach dem ersten Spatenstich für die neue Straße ein Wasserrohrbruch, der die Baustelle in einen Kanal verwandelte, aber angeblich nur für geringe Bauverzögerungen sorgte.
Die Pläne für die Verlängerung der Trasse entlang Knittelsheim und Ottersheim wurden derweil forciert. „Kätzle“ und „Bären“ konnten auf mehr Ruhe in ihren Dörfern hoffen. Doch nun könnte diese Hoffnung getrübt werden. Wieder droht Ungemach: Jetzt ist das Virus drin. Die weltweite Corona-Pandemie sorgt für Verdruss und beschert auch den öffentlichen Kassen in Deutschland noch nicht absehbare gigantische Ausgaben. Bleibt da noch genug Geld für die Verlängerung der Südumgehung? Oder dauert es wie in Bellheim nur länger?