Kreis Germersheim Wort Gottes jetzt im Plastikeinband
Germersheim/Kandel: In den Asklepios-Kliniken werden nun in jedem Zimmer Bibeln verteilt. Die Heilige Schrift ist inzwischen in Folie eingeschweißt – aus Hygienegründen und zur Entlastung des Reinigungspersonals. Die Gideon-Bruderschaft finanziert das Projekt.
Bibeln gab es in den Zimmern der Asklepios-Kliniken Kandel und Germersheim schon einige Jahren nicht mehr. „Als ich vor zwei Jahre kam, gab es nur noch Restbestände in der Sakristei der Klinikkapelle“, erinnert sich der evangelische Klinikseelsorger Ulrich Hauck. Diese seien zerfleddert und nicht in gutem Zustand gewesen. Gleichzeitig hat das Thema „Hygiene“ in den Kliniken verstärkte Aufmerksamkeit: Arztkittel sind inzwischen kurzärmelig (wir berichteten), es gibt die Aktion „Saubere Hände“. Da passen Heilige Schriften, die nacheinander von Kranken in die Hand genommen oder im Nachtkästchen mit persönlichen Gegenständen aufbewahrt werden, nicht mehr in die Zeit. Das Reinigungspersonal musste bei jedem Zimmerwechsel die Buchrücken reinigen. Dabei würden über ein Buch nicht mehr Erreger übertragen, als über andere alltägliche Gegenstände, betont Katharina Thoma, Pressesprecherin der Kliniken in Germersheim und Kandel. „Aber was wir vermeiden können, ist gut.“ Andernorts in Deutschland sind Bibeln aus Hygienegründen schon nicht mehr in Kliniken zugelassen, sagt Uwe Janke, Oberotterbach, vom Gideonbund. Daher hatte der Gideonbund die Idee, die Heilige Schrift einschweißen zu lassen. Der Patient, der sie lesen möchte, packt die Bibel einfach aus und darf sie nach dem Klinikaufenthalt mit nach Hause nehmen. Der nächste Patient bekommt dann ein neues eingeschweißtes Buch ins Zimmer gestellt. „Das Reinigungspersonal hat neue Exemplare auf Lager“, sagt Hauck. Und ist entlastet, weil das Abwischen der Bibeln entfällt. Gut 300 Exemplare werden ab der kommenden Woche in den Zimmern der beiden Kliniken verteilt. Die Kosten von zirka 2,50 Euro pro Exemplar übernimmt der Gideonbund. Doch wie zeitgemäß ist heute noch eine Bibel im Krankenzimmer? Aus der täglichen Praxis könne er bestätigen: „Das wird gerne genutzt, egal ob Katholik oder Protestant“, sagt Dieter Hirschmann, Neustadt, vom Gideonbund. „Die Menschen sind in einer Ausnahmesituation, haben manchmal lebensbedrohliche Diagnosen erhalten“, sagt Hauck. In die Kapelle „verlaufe“ sich niemand, dort gingen gezielt Patienten oder Besucher hin, die ihren Glauben sowieso schon leben. Eine Bibel biete jedoch Gesprächsanlässe, zumal das Exemplar in den Krankenhäusern auch ein Stichwortverzeichnis bietet und auf geeignete Bibelstellen zu Themen wie Angst, Mobbing oder Depression hinweist. Die moderne Übersetzung der Lutherbibel komme gut an. Durchaus überraschend ist die Erfahrung mit Patienten anderen Glaubens: Selbst bei Muslimen sei die Hemmschwelle, in der Bibel zu blättern gering, sagt Janke. Schließlich handele es sich um ein heiliges Buch. Gerade Muslimas wären daran interessiert, zum Beispiel an der Weihnachtsgeschichte, berichtet auch Hirschmann. Nun wartet Klinikseelsorger Hauck durchaus mit Spannung auf die Reaktionen der Patienten. Dann bald werde man wissen, wie die Bibeln wirklich ankommen und wie viele mit nach Hause genommen werden, sagt er. Ausgepackte Exemplare, die nicht mitgenommen werden, landen natürlich nicht im Papiermüll: Sie wandern, gereinigt, in den Fundus der Klinikkapelle.|tnc