Kandel Wohnbaurichtlinie: Einfamilienhäuser verbrauchen zu viel Fläche
Die Erarbeitung einer solchen Richtlinie durch eine Arbeitsgruppe und das Büro „Modus Consult“ aus Karlsruhe war vom Stadtrat vor zwei Jahren bereits in Auftrag gegeben worden. Es fehlen halt preiswerte Wohnungen für kinderreiche Familien, Senioren und Menschen mit kleinem Geldbeutel. Gebaut werden zu viele und große Einfamilienhäuser, die viel Bauland in Anspruch nehmen. Weil sich viele Menschen die teuren Wohnungen nicht mehr leisten können, sah man sich gezwungen, hier gegenzusteuern. Der Entwurf war zuvor bereits im Ausschuss für Stadtentwicklung, Klima- und Umweltschutz beraten worden, wie dessen Vorsitzende, die Beigeordnete Jutta Wegmann (Grüne) berichtete. Sie findet beim Verkauf städtischer Liegenschaften und bei der Aufstellung von Bebauungsplänen Anwendung, wenn darin Wohnungen mit mehr als 800 Quadratmeter Geschossfläche oder mehr als acht Wohneinheiten vorgesehen sind.
Wohngebäude sind, so heißt es, in der Regel mit mehr als drei Vollgeschossen zu planen. Mindestens die Hälfte davon müssen barrierefrei sein und 15 Prozent sind für sozialgebundene Mietwohnungen vorzusehen. Wichtig ist vor allem die Einhaltung der Klimastandards, 90 Prozent des Stromverbrauchs etwa sind durch erneuerbare Energien auf dem eigenen Grundstück zu gewinnen. Vorgeschrieben wird auch, dass 70 Prozent der Grundstücksfläche als Grünfläche zu realisieren sind.
Über die Einhaltung dieser Vorgaben, die im Detail bei der Verbandsgemeindeverwaltung eingesehen werden können, soll alle zwei Jahre im Stadtrat berichtet werden. Hier zeigte sich aber schon, dass die „Wohnbaurichtlinie“ nicht von allen begrüßt wird. Gleich zu Beginn der Sitzung hatte ein Vertreter der Bürgerinitiative „Grüne Lunge“ kritisiert, dass man ihre Vorschläge nicht berücksichtigt habe. In der Diskussion kritisierten dann die Ratsmitglieder Markus Schowalter (FDP) oder Ludwig Pfanger (Freie Wähler) die Bestimmungen ebenso wie Thorsten Beck (CDU). Beck, der selbst ein Bauunternehmen führt, meinte, dass man eine solche Richtlinie in Kandel überhaupt nicht brauche, und Schowalter sprach von einem „Wunschkonzept“, das für die Bauherren alles nur noch teurer mache. FWG-Sprecher Pfanger argumentierte, dass man damit nur Investoren verschrecke. Dem widersprach die Beigeordnete Jutta Wegmann (Grüne) heftig. Nicht alle Investoren seien dagegen, wie man andernorts bemerkt habe. Und ihre Fraktionskollegin Ursula Schmitt-Wagner begrüßte die Richtlinie als „klare Vorgabe“ für alle, die solche Projekte in Angriff nehmen. CDU-Sprecherin Judith Vollmer merkte an, dass es sich eigentlich nur um eine Richtlinie, nicht um eine Satzung handle. Schließlich stimmten 13 Ratsmitglieder für die Annahme.