Kreis Germersheim Wirtschaftsboom braucht Gewerbeflächen
Wirtschaftlich boomt der Landkreis Germersheim, die Statistiken der Agentur für Arbeit weisen nahezu Vollbeschäftigung aus. Aber wie sieht das im Jahr 2030 aus? Der Kreis hat deshalb als Pilotprojekt innerhalb der Metropolregion Rhein-Neckar (MRN) eine Gewerbeflächenbedarfsprognose in Auftrag gegeben. Ihr Ergebnis soll in die Regionalplanung 2030 der Metropolregion eingehen.
„Der Boom im Landkreis wird weitergehen“, ist Landrat Fritz Brechtel (CDU) überzeugt. Zumal auf der badischen Rheinseite nur noch wenige Flächen zur Verfügung stehen. Dazu komme das rasante Wachstum der Technologiefirmen wie beispielsweise ITK, Eizo oder DBK. „Es ist eine herausfordernde Aufgabe, diesen Flächenbedarf mit Natur- und Landschaftsschutz zusammenzubringen“, nennt Brechtel den Kern der Untersuchung. Schließlich gebe es im Kreis keine Fläche mehr, die nicht irgendwelchen Restriktionen unterliege. Sei es Naturschutz, Wasserschutzgebiet, Vorranggebiet für Kiesabbau, Landwirtschaft oder Ähnliches. Die Nachfrage nach Gewerbeflächen im Kreis ist Brechtel zufolge groß. Aber neue Gewerbeflächen auszuweisen werde immer schwieriger. Es dauere bis zu 24 Monate, bis ein sogenanntes Zielabweichungsverfahren beendet ist. Klartext: Will eine Gemeinde mehr Gewerbegebiet ausweisen, als ihr nach der Regionalplanung zugeordnet ist, muss sie in sehr aufwendigen und langwierigen Planungsverfahren nachweisen, dass diese „Zielabweichung“ gerechtfertigt ist. Das sei ein enormer Kraftakt für die einzelnen Gemeinden, sagt Brechtel. Deshalb habe sich die Kreisverwaltung entschlossen, diese Gewerbeflächenbedarfsprogose in Auftrag zu geben. Die Studie, die vom Büro für Immobilienwirtschaft und Regionalökonomie Georg Consulting in Hamburg erstellt wird, kostet rund 45.000 Euro. Sie soll bis Jahresende fertig sein und dann mit den Gemeindevertretern beraten werden. Der aktuelle Zwischenstand dokumentiert die Ist-Situation. Demnach gibt es im Kreis Germersheim 41 Industrie- und Gewerbegebiete, die größer sind als 5 Hektar. Dazu kommen 46 kleinere Standorte, so dass sich die Gesamtfläche für gewerbliche Nutzung auf knapp 1180 Hektar summiert. Die größten Flächen gibt es in Wörth (421 Hektar) und Germersheim (339 Hektar) – wobei in Germersheim nur noch wenige Hundert Quadratmeter frei sind. In die Aufstellung ging auch die Gewerbeflächen-Nachfrage der letzten Jahre ein, dokumentiert mit Kaufverträgen vom Vermessungs- und Katasteramt Rheinpfalz. Ebenfalls berücksichtigt werden in der Prognose die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten am Arbeitsort (2001: 35.306; 2017: 44324) und die Arbeitslosenquote (2000: 6,8 Prozent; 2017: 4,1 Prozent). Brechtel warnt die Gemeinden jedoch davor, die Prognose als „Wunschkonzert“ für die kommende Regionalplanung zu sehen. Er geht davon aus, dass es in Zukunft zu interkommunalen Lösungen kommen muss, also Gemeinden gemeinsam ein Gewerbegebiet erschließen und die Aufteilung der Gewerbesteuer regeln. In Wörth und Hagenbach gibt es laut Brechtel bereits Pläne für so ein Gewerbegebiet.