Leserbriefe an die Lokalredaktion Widersprüchliche Ansichten

Die Bauarbeiten auf der Südtangente sorgen für lange Staus. Ein Leser macht dafür Versäumnisse der Politik verantwortlich, die m
Die Bauarbeiten auf der Südtangente sorgen für lange Staus. Ein Leser macht dafür Versäumnisse der Politik verantwortlich, die mehr Bahnstrecken und weniger Straßen bauen lassen sollte.

So unterschiedlich können Leserwünsche sein: Der Eine fordert mehr das Schienennetz auszubauen, und der Andere argumentiert mit einem Eingriff ins Ökosystem gegen die Reaktivierung einer Bahnstrecke.

Südtangente: „Mehr Schiene, weniger Stau“

Leserbrief zum Artikel „Südtangente: Ab Freitag droht Dauerstau“, RHEINPFALZ am 8. Juli.

Alle Jahre wieder, Baustellen im Sommer auf der Karlsruher Südtangente. Wenn man die letzten 40 Jahre auf badischer und pfälzer Seite die richtigen Schlüsse im Schienen- und Autoverkehr gezogen hätte, würde man nicht so oft im Stau stehen beziehungsweise die Schienenstrecken in der kompletten Südpfalz wären elektrifiziert. Zum Beispiel: S-Bahn-Rhein-Neckar von Kaiserslautern nach Karlsruhe über Neustadt, Landau, Winden und Wörth mit stündlicher oder zweistündlicher Regional-Express-Verbindung Kaiserslautern-Karlsruhe mit Komplettausbau auf zwei Spuren. Komplettausbau auf zwei Spuren zwischen Rohrbach/Saar und Landau mit anschließender Elektrifizierung. Danach wäre auch eine Reaktivierung der Strecke Landau-Germersheim wirtschaftlich. Bau der Nordtangente Karlsruhe bis zur A 5. Das war der größte Fehler, dass die Planungen verworfen wurden. Hier hat auch die Landesregierung von Rheinland-Pfalz versagt. Sie hat keinen Druck auf den Bund gemacht, um die Nordtangente in Karlsruhe durchzudrücken. Fazit: Wir büßen für eine Politik, die nach dem Motto vorgeht, Nutzen für wenige, Schaden für viele.

Dieter Weiler, Zeiskam

Stadtverwaltung: „Absurde Wartezeiten“

Ein Leser beklagt zu lange Wartezeiten bei der Stadtverwaltung Wörth.

Aufgrund der Corona-Pandemie vergibt die Stadtverwaltung Wörth Publikumstermine ausschließlich online. Zur Beantragung eines Personalausweises ist persönliches Erscheinen beim Meldeamt rechtlich erforderlich. Das führt allerdings zu inzwischen absurden Wartezeiten. Mein am 22. Juni reservierter frühestmöglicher Termin ist am 21. Juli! Eine Mailnachfrage bei Bürgermeister Nitsche ergab – die Stadtverwaltung arbeite einen Terminrückstau ab. Es würden selbstverständlich weitere Mitarbeiter eingesetzt. Wohl leere Worte. Mein heutiger (11. Juli) Versuch einer Terminreservierung ergab nun den 1. September als frühesten, freien Termin beim Meldeamt. Digitalisierung sollte eigentlich anders funktionieren. Hier ruht sich eine Behörde darauf eher aus ...

Gerhard Heck, Wörth

Kreis-Schwimminitiative: „Warum nicht ’Moby Dick’ erhalten?“

Leserbrief zum Artikel „Schüler sollen Schwimmen lernen“, RHEINPFALZ am 8. Juli.

Super, dass unsere Herren Brechtel und Brandl (beide aus Rülzheim) ein „Leuchtturm-Projekt“ in Angriff nehmen wollen. Aus einem „Bauchgefühl“ heraus sei angenommen worden, dass zu wenige Kinder schwimmen könnten. Eine bemerkenswerte Erkenntnis, nachdem vor Jahren das Rülzheimer Allwetterbad Moby Dick (unter anderem mit einem 50-Meter-Schwimmbecken) trotz Protesten seitens der Bevölkerung aufgegeben wurde. Warum wurden seinerzeit keine passenden Maßnahmen ergriffen, um das Bad zu erhalten und Kindern das Schwimmen beizubringen? Wie ist es möglich, dass der Kreis und das Land jetzt Fördergelder in Aussicht stellen, zum Beispiel für ein Lehrschwimmbecken und für den Schwimmunterricht? Wieso kommt man auf diese Ideen erst jetzt? Hätte man mit solchen Maßnahmen nicht das Moby Dick erhalten können?

Heidi Baltschun, Rülzheim

Vollzugsbeamter: „Kriminalisierte Rentner“

Leserbrief zum Artikel „Wochen-Spitzen: Neuer Sheriff in der Verbandsgemeinde“, RHEINPFALZ am 10. Juli.

In den Wochen-Spitzen der RHEINPFALZ war es zu lesen: Rülzheim hat seit dem 1. Juli einen „vollständig ausgebildeten und bestens ausgerüsteten“ neuen Vollzugsbeamten, der nun für Recht und Ordnung sorgt. Sein bisher größter Einsatz, an dem er schon vorher nachhaltig mitgewirkt hat, und an den er sich stolz erinnert, war am Rentnerhäuschen in Rülzheim. Dort hatte sich eine bis dahin unbescholtene Gruppe Rentner verbotenerweise in ihrer Hütte zu einem Glühwein getroffen. Das geht natürlich nicht ... Es wurden keine Bußgelder kassiert, es wurde gleich ein Strafverfahren eingeleitet, das jeden Betroffenen über 100 Euro kostete.„Corona-kriminalisierte Rentner“, die sich in vielen Vereinen im Dorf einbringen, und somit für den Fortbestand sorgen, müssen sich nun genau wie die Bösewichte sehr gesetzeskonform verhalten. „Willkommen in Rülzheim“ ...

Karin Lohmann, Germersheim

Anleinpflicht: „Wer hat das Bedürfnis?“

Leserbrief zum Artikel „Hunde müssen überall an die Leine“, RHEINPFALZ vom 8. Juli.

Die Hunde anleinen! Wahrscheinlich stimmten die meisten Menschen der Ansicht zu, dass jenes Gesetz das beste sei, das nicht gemacht werden müsse – weil die Dinge sich von alleine regeln. Die Stadt hat jetzt aber ein „Gesetz“ sogar erweitert. Die neuen Regelungen stehen in der städtischen „Gefahrenabwehrverordnung“. Leinenzwang überall. Begründet hat das der städtische Ausschuss unter Vorsitz von Dr. Hofmann damit, dass die bisherigen Restriktionen noch stärker „an die Bedürfnisse der Stadt angepasst“ werden müssten. Das ist interessant. Da drängen sich Fragen auf. Um welche Bedürfnisse handelt es sich da? Wer genau hat das Bedürfnis? Kann man dem „Bedürfnis“ nicht auf andere Weise abhelfen? Wie viele Hundeangriffe gab es in Germersheim in welchem Zeitraum? Gerade in der Politik gilt: Wahrheit ist konkret.

Im Übrigen – potztausend – hatte man in der Vergangenheit nie den Eindruck, als ob „Gefahrenabwehr“ ein so zentrales Anliegen der lokalen Politik gewesen ist … Wenn man da so an das Atomkraftwerk, die Giftstoffdeponien im Hafen und im Depot, das Zwischenlager in Philippsburg denkt ... Sollte am Ende deswegen unter „Gefahrenabwehr“ etwas ganz anderes gemeint sein? Gefahrenabwehr, das meint doch nicht etwa Hundekacke? Na denn …

Rainer Bräuer, Germersheim

Streckenreaktivierung: „Eingriff ins Ökosystem“

Leserbrief zur Berichterstattung über „Reaktivierung der Bahnstrecke Germersheim - Landau“, hier: Anmerkung zum Leserbrief von Heinz Gerhard Theis, Westheim, „Einseitige beleuchtet“, in der RHEINPFALZ vom 8. Juli.Herr Theis greift einen wichtigen Punkt auf, der in der bisherigen Berichterstattung noch nicht einmal ansatzweise aufgegriffen wurde. Seit ihrer Stilllegung hat sich entlang der Bahntrasse ein wertvoller Lebensraum für Tiere und Pflanzen entwickelt. Besonders bedeutsam ist das Gelände für Echsen, besonders für Zauneidechsen und die Vogelfauna. Das ganze Spektrum an heckenbrütenden Vogelarten wie Nachtigall, fast alle Grasmückenarten, Goldammern, Finkenvögel bis hin zum Rotkehlchen kann man entlang der Trasse antreffen. Besonders bedeutsam ist das Gelände für Arten der Roten Liste wie Neuntöter, Schwarzkehlchen und den Steinkauz, der unmittelbar neben der Bahnlinie regelmäßig brütet. In einer Feldflur, die durch den zunehmenden intensiven Gemüseanbau mit all seinen negativen Auswirkungen auf das Ökosystem geprägt ist, stellt die Trasse einen wichtigen Baustein im Biotopverbundsystem dar. Man muss davon ausgehen, dass eine mögliche Reaktivierung der Strecke nur mit einer gleichzeitigen Elektrifizierung sinnvoll sein kann. Dies bedeutet, dass im Einzugsbereich des Gleiskörpers kein Baum und Strauch mehr stehen bleibt. Dass die Bahn bei Rodungsarbeiten nicht gerade zimperlich mit der Natur umgeht, ist weitläufig bekannt.

Die Auswirkungen einer möglichen Reaktivierung auf die Natur wären gravierend. Mit der damit verbundenen Ausräumung der Landschaft würde ein bedeutendes Element im Biotopverbund verloren gehen. Angrenzende Ökoflächen würden ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen. Auch der Naherholungswert für die ortsansässigen Bürger wäre deutlich gemindert. Wenn schon die Bewertungskriterien für die Reaktivierung angepasst werden sollen, weil die bisherige Betrachtungsweise keine Wirtschaftlichkeit ergab, müssen auch die naturschutzrelevanten Auswirkungen in die Waagschale geworfen werden. Von Landrat Fritz Brechtel, selbst promovierter Biologe, vermisse ich, dass dieses Thema bisher in keiner Weise aufgegriffen wurde.

Herbert Magin, Westheim

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