Germersheim RHEINPFALZ Plus Artikel Weltbürger vergisst südpfälzische Heimat nicht

In seinem neuen Buch versucht er sich an einer Antwort auf „Die Grenzen des Wachstums“ des Club of Rome. Stephan Mögle-Stadel.
In seinem neuen Buch versucht er sich an einer Antwort auf »Die Grenzen des Wachstums« des Club of Rome. Stephan Mögle-Stadel.

Der Kosmopolit Stephan Mögle-Stadel würde gerne an seinem „alten“ Gymnasium einen Vortrag halten.

Eigentlich ist er ein waschechter Südpfälzer: geboren in Landau, aufgewachsen in Rülzheim, Herxheim und Germersheim. Hier, in der Südpfalz, hat er auch verschiedene Schulen besucht, unter anderem das Goethe-Gymnasium in Germersheim. Dann schickte seine Lieblingsgrundschullehrerin, die verstorbene Irmgard Fischer, ihrem einstigen Schüler, Stephan Mögle-Stadel, zum 18. Geburtstag eine Postkarte mit einem Zitat des längst verstorbenen ehemaligen UN-Generalsekretärs Dag Hammarskjöld, über den er später ein Buch schreiben sollte: „Sorge nicht, wohin dich der einzelne Schritt führt: Nur wer weit blickt, findet sich zurecht.“ Es sollte dann nicht mehr lange dauern, bis der heute 56-jährige Buchautor und Journalist in die Welt aufbrach.

So unternahm er mit Anfang 20 eine Rucksacktour durch Ägypten und Indien. Das große Elend, das er dort erlebte, ließ ihn kurz überlegen, in einem buddhistischen Kloster zu leben. „Aber angesichts der Armut und in dem Wissen darum, wie viele 1000 Milliarden in die Rüstungsindustrie fließen, Menschen aufgehetzt werden, sich gegenseitig umzubringen und auch daran verdienen, habe ich mich entschlossen, etwas zu tun.“ Auf dieser Reise habe er auch den Dalai Lama kennengelernt, das geistige Oberhaupt der tibetischen Buddhisten. Ein Buddhist ist er nicht, sagt Mögle-Stadel, „wobei die Gebetstechniken gut gegen Stress sind“. Er fühle sich schon als Christ. Wobei sein Interesse an Jesus mehr dessen herausgehobener Position gelte, aber nicht im Sinne von Gott. So sei er mehr am „wissen wollen“ als am Glauben interessiert.

Zivildienst bei der UNO

Aufgrund seiner Haltung lehnte Mögle-Stadel es 1989 ab, den Grundwehrdienst bei der Bundeswehr abzuleisten. Folglich verweigerte er nach einer Ausbildung bei der BASF zum Energieanlagenelektroniker, den Dienst an der Waffe. Stattdessen strebte er einen Zivildienst an. Das zog einen längeren und für das zuständige Bundesamt sicher außergewöhnlichen Schriftwechsel nach sich. Schließlich stellte er in seiner Begründung für die Verweigerung die Souveränität des Nationalstaates angesichts der „globalen Krise“ und seiner unheilvollen Nazi-Vergangenheit in Frage. Die geschichtliche Erfahrung habe ihn gelehrt, dass es notwendig ist, die nationale Souveränität freiwillig an die Vereinten Nationen abzutreten. In der Folge habe ihn das Kölner Bundesamt in einem zweiseitigen Schreiben „um eine Normalisierung der Begründung“ gebeten, „da man ansonsten ablehnen müsse“. Zum damaligen Zeitpunkt, im Juli 1990, sei er einer Einladung nach New York gefolgt, wo er sich als Journalist bei den Vereinten Nationen akkreditiert habe. Hier verfasste Mögle-Stadel nach eigenen Angaben sein zweites Begründungsschrieben, und zwar auf UN-Papier, das er mit dem UN-Sonderpostdienst verschickte. Er nimmt an, dass das in Köln Eindruck machte. Auf jeden Fall habe er drei Tage später seine Anerkennung als Kriegsdienstverweigerer im Briefkasten vorgefunden. Die Folge: Er durfte seinen Zivildienst bei den Vereinten Nationen ableisten, als damals Erster und bis heute Einziger, gibt er nicht ohne Stolz zu Protokoll.

In der Folge studierte Mögle-Stadel Pädagogik, Psychologie und Geschichte. Hinzu kam eine journalistische Ausbildung. Inzwischen hat er mehrere Bücher veröffentlicht sowie zahlreiche Zeitungs- und Zeitschriftenartikel veröffentlicht. Darüber hinaus hält er Vorträge. Gerne würde er einen solchen auch am Goethe-Gymnasium halten.

Weltbürger trifft Weltbürger

Inzwischen hat Mögle-Stadel, der sich zu den Weltbürgern zählt, 35 Länder der Erde auf fast allen Kontinenten bereist. In seiner Eigenschaft als Kosmopolit und Weltbürger machte er dabei die Bekanntschaft des verstorbenen Schauspielers und einstigen Präsidenten der Weltbürger, Sir Peter Ustinov. Aber auch andere Prominente wie den verstorbenen Michael Gorbatschow, den Ex-UN-Generalsekretär Boutros-Ghali und Alt-Bundespräsident Richard von Weizsäcker lernte er kennen, um nur einige zu nennen.

Nun hat Mögle-Stadel ein neues Buch herausgebracht: „Die Grenze. Wachstum wohin? Kollektive Selbst(zer)störung. Eine Antwort auf den Club of Rome“, lautet der Titel. In seinem Buch versucht er Antworten zu geben auf den Umgang mit den großen Krisen unserer Zeit. Mögle-Stadel hat nach eigenen Angaben zeitweise Pressearbeit für den Club of Rome geleistet und ist Mitglied einer Denkfabrik in einer von dessen Tochtergesellschaften. Den Kontakt in die Heimat hat Mögle-Stadel nie verloren. Schließlich lebt seine Schwester hier. Immer wieder besucht Mögle-Stadel Germersheim, wo er seinen Zweitwohnsitz hat. Seinen Hauptwohnsitz hat er in Stuttgart.

Club of Rome

Der Club of Rome hat vor 50 Jahren unter dem Titel „Die Grenzen des Wachstums“ seinen Bericht zur Lage der Menschheit veröffentlicht. Es beinhaltet Hinweise auf grundsätzliche Verhaltensweisen, Dynamiken exponentiellen Wachstums und die Folgen, die unter anderem durch die Undurchschaubarkeit komplexer Systeme entstehen. Der 1968 gegründete Club von Wissenschaftlern unterschiedlicher Nationalität und Fachgebiete setzt sich heute unter anderem für den Schutz von Ökosystemen ein.

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