Kreis Germersheim RHEINPFALZ Plus Artikel Webasto-Gruppe will Standort Schaidt sichern

Die Webasto-Gruppe will den Standort Schaidt erhalten.
Die Webasto-Gruppe will den Standort Schaidt erhalten.

Die Webasto-Gruppe will das Werk in Schaidt zu einem Kompetenzzentrum Elektronik ausbauen. Aufgrund der Corona-Pandemie wurde auch hier Kurzarbeit gemeldet. Umstrukturierungen waren jedoch schon vorher geplant. Diese kosten auch Arbeitsplätze.

Die Belegschaft im Werk ist seit den Zeiten von Radio Becker immer weiter geschrumpft. Ende 2019 waren bei Webasto in Schaidt rund 180 Mitarbeiter beschäftigt, Ende 2020 werden es noch einmal weniger sein. „Damit der Standort im internationalen Vergleich wettbewerbsfähig bleibt, haben wir in größerem Umfang in eine stärkere Automatisierung investiert“, heißt es vom Unternehmen. Daher habe man „die personellen Kapazitäten anpassen müssen“. In diesem Zusammenhang lobt das Unternehmen die Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern. Gemeinsam habe man betriebsbedingte Kündigungen vermeiden können.

Ralf Köhler, Erster Bevollmächtigter der IG Metall, erläutert, was das konkret für die Mitarbeiter bedeutet: Der bisherige Tarifvertrag hat die Beschäftigten bis Ende März 2020 vor betriebsbedingten Kündigungen geschützt. Im Zuge eines Freiwilligenprogramms wurde nun mit 35 Mitarbeitern vereinbart, dass sie in Rente oder Altersteilzeit gehen. „Damit sind noch 145 Arbeitnehmer und 5 Azubis beschäftigt. Dieses Niveau soll bis mindestens Ende 2021 gehalten werden.“

Nach sieben Monaten Verhandlungsdauer steht seit 25. Juni ein „Zukunftstarifvertrag“, so Köhler. Darin habe man „ein klares Bekenntnis mit zusätzlichen Investitionen in Anlagen, Entwicklung und Mitarbeiter vereinbart.“ Zur Beschäftigungssicherung werde für eineinhalb Jahre die bisherige 37-Stunden-Woche auf 35 Stunden abgesenkt und das Urlaubs- und Weihnachtsgeld in dieser Zeit anteilig gekürzt. Diese Regelung gilt ab 1. Juli 2020.

In den 1970ern war der Standort noch als Radio Becker bekannt, damals wurden Autoradios produziert. 1995 wurde das Werk von Harman International übernommen und 2013 verkauft. Es folgte ein Intermezzo mit zwei Finanzinvestoren, die unter dem Namen Schaidt Innovations zunächst für Porsche produzierten. Dann blieben die Aufträge aus, 2016 folgte die Insolvenz.

Zum 1. Januar 2017 hatte die Webasto-Gruppe die frühere Schaidt Innovations übernommen. Von früher rund 500 Mitarbeitern waren damals etwa 170 verblieben. Mit dem Werk in Schaidt wollte Webasto selbst elektronische Bauteile herstellen können.

Ziel: Kompetenzzentrum Elektronik

Derzeit werden in Schaidt Elektronikkomponenten für die gesamte Webasto Gruppe hergestellt, also für öffenbare Fahrzeugdächer, Batterien, Ladegeräte und elektrische Heizsysteme. Ziel sei es, den Standort Schaidt zum Kompetenzzentrum Elektronik weiter auszubauen, teilte eine Sprecherin des Unternehmens mit.

Auch die Corona-Krise hat ihre Spuren hinterlassen. Bei einem Werk der Webasto-Gruppe in Bayern hatte es Ende Januar die ersten Corona-Fälle in Deutschland gegeben. Unter den Mitarbeitern in Schaidt habe sich aber bis heute keiner mit dem Coronavirus infiziert, so eine Sprecherin des Unternehmens. Erhöhte Hygienestandards und Maßnahmen wie Abstandsregeln gelten weiter an allen Standorten.

Kurzarbeit wegen Corona-Pandemie

Eine wirtschaftliche Schieflage gab es schon vorher. Nun war die Webasto-Gruppe als Zulieferer für die Automobilindustrie zusätzlich von den Folgen der Corona-Pandemie betroffen. Nach wie vor spüre man die geringere Nachfrage, insbesondere in den USA und Europa, heißt es. Entsprechend habe man die Kapazitäten auch in Schaidt anpassen müssen.

Von April bis September hat Webasto für die meisten deutschen Standorte in Abstimmung mit den jeweiligen Arbeitnehmervertretern Kurzarbeit angemeldet. Auch die Mitarbeiter in Schaidt sind in Kurzarbeit. „Der Umfang schwankt je nach Auftragslage. Über eine mögliche Verlängerung wird monatlich auf Basis der aktuellen Entwicklungen jeweils gegen Ende des Vormonats entschieden.“ Einige Mitarbeiter wohnen in Frankreich und konnten zeitweise wegen der Grenzschließungen ihren Arbeitsplatz nicht mehr erreichen. Die betroffenen Kollegen erhielten in der Woche nach der Grenzschließung, obwohl sie nicht gearbeitet haben, ihr reguläres Entgelt und konnten an den verbleibenden Märzarbeitstagen ihre Gleitzeitkonten abbauen, so die Sprecherin. Seit April bekommen sie – wie alle anderen Mitarbeiter – Kurzarbeitergeld.

Das Werk liegt am Ortsrand der Gemeinde Schaidt.
Das Werk liegt am Ortsrand der Gemeinde Schaidt.
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