Kreis Germersheim Warum nur wenige (früh) umsteigen

«Wörth.»Zwischen Wörth und Karlsruhe ist das Angebot auf der Schiene sehr viel dichter als aus Richtung Germersheim oder Kandel/Winden/Landau. Wer ohnehin in Wörth umsteigen muss, muss auf dem Nachhauseweg teilweise Wartezeiten in Kauf nehmen. Zudem ist man mit dem Auto in der Pfalz normalerweise schneller als mit Zug oder Stadtbahn unterwegs, gerade auch, wenn man abseits der Schiene wohnt. Und das ist der Unterschied zu einer zugestauten Rheinbrücke: Wenn dort alles steht, geht es auf der Schiene schneller. Die Autofahrer werden sich also je nachdem, wo der Rückstau beginnt und wie schnell oder langsam es voran geht, zum Umsteigen entscheiden. Außerdem: Viele Fahrtausfälle wegen Personalmangels haben den Ruf der Stadtbahn in der Vergangenheit ramponiert – gerade auf der Strecke nach Germersheim, wo man bis zu einer Stunde auf die nächste Stadtbahn warten muss. Selbst wenn der Fahrplan in Zukunft stabil und verlässlich bleibt, wird es dauern, bis sich das herumgesprochen hat und die Menschen umsteigen. Daher war es keine gute Idee, dass nachmittags Stadtbahn-Eilzüge zusätzlich an zwei Haltestellen in Rheinzabern und Rülzheim halten sollten, wo Park-and-Ride-Plätze erweitert wurden. Dies geschah nämlich um den Preis, dass dann in Germersheim bei diesen Zügen die Anschlüsse Richtung Speyer wahlweise entfallen (laut Aussage Zweckverband SPNV) oder nur knapper geworden wären (laut Aussage Karlsruher Verkehrsverbund). Noch schlechter war die Idee, dass die Fahrplanänderung am Sonntag Nachmittag - einen Tag, bevor sie gelten sollte - zurückgenommen wurde. Und der Mangel beim Fahrpersonal? Mit besserer Bezahlung für einen Beruf mit hoher Verantwortung, Nacht- und Wochenenddiensten ließe sich der beseitigen. Aber gleiches Thema wie etwa bei Pflegeberufen: Die Verkehrsunternehmen sind auf Sparen und Defizitabbau getrimmt von den Aufgabenträgern, die die Unternehmen für die Verkehrsleistungen bezahlen. Und Aufgabenträger werden von Politikern kontrolliert. Es muss daher mehr Geld in den öffentlichen Verkehr – für einen zuverlässigen Betrieb (kurzfristig umsetzbar) und besseres Angebot (mittel- bis langfristig umsetzbar). Daher ist auch der Vorstoß für kostenlosen öffentlichen Nahverkehr unsinnig. Den hat die Bundesregierung vorgebracht, weil sie sich kaum anders zu helfen weiß, die Schadstoffgrenzwerte einzuhalten. Besonders absurd ist, dass die Stadt Wörth sich – allerdings erfolglos – vor dem Hintergrund der Rheinbrückensperrung als Pilotkommune beworben hat. Denn zwischen Wörth und Karlsruhe ist das Pendeln mit dem ÖPNV definitiv preiswerter als mit dem Pkw, wenn man ehrlich Kosten für Benzin, Verschleiß und Parken einrechnet. Allerdings sind in den letzten 20 Jahren viele, vor allem industrielle Arbeitsplätze, in den Karlsruher Osten an den Stadtrand gewandert. Sie sind mit der Stadtbahn nur mit vergleichsweise langer Fahrzeit erreichbar. Und die Dauerbaustelle U-Strab tut ein Übriges - mit Verspätungen und planmäßig verlängerten Fahrzeiten.