Wörth RHEINPFALZ Plus Artikel Warnstreik: Nach Kundgebung geht Daimler-Frühschicht heim

Rund 2500 Beschäftigte von Daimler Truck in Wörth beteiligten sich an dem Warnstreik.
Rund 2500 Beschäftigte von Daimler Truck in Wörth beteiligten sich an dem Warnstreik.

Die Beschäftigten von Daimler Truck in Wörth meinen es ernst mit ihren Forderungen. Nachdem die Tarifverhandlungen der Metall- und Elektroindustrie am vergangenen Donnerstag ergebnislos vertagt worden sind, legten sie am Dienstag die Arbeit nieder. Rund 2500 Mitarbeiter des Lkw-Werks sind dem Streikaufruf gefolgt.

Um 10 Uhr hatte die IG Metall zu einer Kundgebung vor Tor 1 aufgerufen. Zunächst füllte sich der Parkplatz nur langsam, doch um 10.20 Uhr zogen die Daimler-Mitarbeiter in einer langen Schlange, angeführt von Trommeln, Fahnen und Spruchbändern, auf denen die Forderung nach 7 Prozent mehr Lohn bekräftigt wurde, aus Tor 1 hinaus. „Wir sind richtig viele“, freute Marc Tinger, erster Bevollmächtigter der IG Metall Landau. Seien es beim ersten Warnstreik am vergangenen Mittwoch fast 3000 Mitarbeiter gewesen, die für zwei Stunden die Arbeit niedergelegt hatten, so schätzte Tinger die Zahl der Streikwilligen an diesem trüben Dienstagmorgen auf 2500. Und dieses Mal ging es nicht zurück in die Werkshallen, nach Abschluss der Kundgebung machten sich Beschäftigten auf den Weg nach Hause.

80 neue IG-Metall-Mitglieder in Wörth

Tinger kritisierte erneut das Angebot der Arbeitgeber. Diese bieten 1,7 Prozent mehr Lohn ab Juli 2025 und weitere 1,9 Prozent ab Juli 2026 bei einer Laufzeit von 27 Monaten. „Saubande“, rief jemand aus der Menge, wofür er viel Zustimmung erntete. „Die Inflationsrate liegt bei 2 Prozent, die Krankenkassenbeiträge sollen um 0,8 Prozent steigen, davon müsst ihr die Hälfte tragen, das heißt: Ihr verliert 2,4 Prozent und die Arbeitgeber bieten euch 1,7 Prozent. Wir bringen doch kein Geld, um arbeiten zu dürfen. Wir wollen gutes Geld für gute Arbeit“, forderte Tinger. Er kündigte harte Auseinandersetzungen für nächstes Jahr an. „Wir stehen erst am Anfang. Wir sollten uns darauf einstellen, die Auseinandersetzung auf die Straße zu tragen“, so Tinger. 80 neue Mitglieder hat die IG Metall in den vergangenen zwei Wochen am Standort Wörth gewonnen.

Sieben Prozent mehr Lohn für die Beschäftigten in der Metall - und Elektroindustrie fordert die IG Metall.
Sieben Prozent mehr Lohn für die Beschäftigten in der Metall - und Elektroindustrie fordert die IG Metall.

Neben den 7 Prozent mehr Lohn fordert die Gewerkschaft auch 170 Euro mehr im Monat für die Auszubildenden. Dass dies mehr als nötig sei unterstrich Samira Schütz von der Jugendvertretung im Daimler-Werk. Ein Drittel der Auszubildenden lebe nicht mehr bei den Eltern, ein weiteres Drittel könne es sich nicht leisten, allein zu leben. „Nicht jeder Auszubildende lebt in einem Haushalt, in dem er finanziell abgesichert sei“, sagte Schütz. Es könne nicht sein, dass mehr als die Hälfte der Auszubildenden noch einen Minijob ausüben müsse. „Nicht, weil sie Luxus wollen, sondern weil sie schlicht das Geld brauchten, um die Fixkosten zu decken“, betonte Schütz.

Nächste Verhandlungsrunde am Montag

Hart ins Gericht mit der Konzernspitze ging Betriebsrat Helgard Penno. Acht Prozent Unternehmens-Rendite seien nicht genug gewesen. „Nein, man wollte 10 Prozent. Jetzt haben wir 10 Prozent erreicht, jetzt wollen sie 15 Prozent. Und das auf unsere Kosten. Dann sollen sie uns doch wegrationalisieren, aber: Mit Zahlen baut man keine Lkw. Ich glaube nicht, dass die Damen und Herren dort oben die Lastwagen selbst zusammenschrauben können“, sagte Penno. Von der Unternehmensleitung sei immer nur zu hören, dass der Standort Deutschland zu teuer sei. „Aber sie sagen nicht, dass sie mit uns auch richtig viel Geld verdienen“, ergänzte Moritz Römmele, Leiter des IG-Metall-Vertrauenskörpers im Lastwagenwerk Wörth.

Am Montag, 11. November, soll wieder verhandelt werden. Gibt es keine Einigung, sind 24-Stunden-Streiks möglich, später auch unbefristete Streiks. „Die Arbeitgeber beobachten jetzt schon ganz genau, wie hoch die Streikbereitschaft ist“, sagte Heinz Wolge, stellvertretender Vertrauenskörperleiter-Leiter im Werk Wörth. Die Meister in den Betrieben müssten darüber Buch führen. „Die wollen wissen, wie kampfstark wir sind“, so Wolge. Auch deshalb traten die meisten Streikwilligen nach der Kundgebung den Heimweg an.

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