Kreis Germersheim RHEINPFALZ Plus Artikel Wört(her) im Park

Theaterprobe im Bürgerpark. Foto: van
Theaterprobe im Bürgerpark.

Zwischen Wasserturm und Parkbühne ziehen 28 Darstellerinnen und Darsteller authentische Lebenslinien nach. Unter dem Titel „Wört(h)er im Park“ lädt das Mehrgenerationenhaus (MGH) vom 30. August bis 8. September zum Stationentheater ein.

Wörth. Jetzt haben die Bühnenproben unter Leitung von Autorin und Regisseurin Sabine Deibel-Kaiser begonnen. Es ist die dritte Inszenierung, für die das MGH die Theaterwissenschaftlerin und freie Autorin aus Böllenborn verpflichtet hat. Standen zweimal historische Themen im Mittelpunkt, sollte es jetzt im multikulturell geprägten Wörth um Zuwanderung und Integration gehen.

„Ich habe Menschen in der Stadt danach gefragt und festgestellt, dass dieses Thema gar nicht so neu ist“, stellte Sabine Deibel-Kaiser fest. Zitiert wird aus den Lebenserinnerungen eines Wörthers, der das KZ Dachau überlebt hat. In den 1950er Jahren habe es die sogenannte deutsch-deutsche Zuwanderung gegeben, mit der DDR-Bürger in den Westen flohen. Als in den 1970er Jahren das Daimler-Werk aufgebaut wurde, siedelten sich viele Türken hier an.

Im Stück führen vier Schülerinnen die Lebenslinien mit Interviews zusammen. Inhaltliche Klammer ist das titelgebende Wortspiel, das auf Station 1 mit dem Ur-Wörther Dialekt beginnt. Dieser Dialekt nehme im Reigen der pfälzischen Dialekte einen ganz besonderen Platz ein. Das versuchen „Lore“ und „Erika“ zu erklären. In der ersten Station wirken Annelie Wahl, Liesel Geißer, Lilith Brunsch, Henry Schmitt, Noah Götz, Beatrice Eisoldt und Rainer Sarther mit.

Station 2 ist wenige Schritte weiter am See und erzählt die Geschichte einer ostdeutschen Familie, die in Wörth Heimat fand. Eine lebensfrohe Bäckerin und ein sangesfreudiger Mann erzählen vom Wort „Brot“ und seine tiefere Bedeutung für einen türkischen Jungen.

Über „Widerworte“ aus den 1980er Jahren führt die Station fünf zu „Vielerlei Wört(h)ern“, die entlang des Rheins gesprochen werden. „Hilde“ und „Erich“ nehmen in der sechsten und letzten Station auf der Parkbühne Bezug auf die fremdenfeindlichen Demos, auf Hass und Gewalt mit Worten.

Am Schluss werden die beiden die syrische Nachbarin „Meryem“ in ihre Mitte nehmen. Ensemble und hoffentlich auch das Publikum stimmen gemeinsam dem Bewahren der Traditionen und dem Zulassen und Tolerieren von Neuem zu.

Darüber können die Zuschauerinnen und Zuschauer auf dem Weg zu den einzelnen Stationen ins Gespräch kommen. Silvia Kempf-Diehl, Leiterin des Kinder - und Jugendzentrums im MGH freut sich auf den Gedankenaustausch unter schattenspendenden Bäumen und zwischen modernen Plastiken des Bürgerparkes. Generationsübergreifend und multikulturell hat dieses Projekt des MGH Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit kulturellen Hintergründen aus Wörth, Baden, Ostdeutschland, Frankreich, Türkei, Ungarn, Griechenland, Syrien und Kamerun vereint.

An den Kulissen hat der syrische Künstler und Architekt Emad al Sarem mitgewirkt. Zwei Bilder sind eigens für das Stationentheater entstanden.

Info

  • Premiere ist am 30. August 18 Uhr. An sechs Tagen gibt es insgesamt zehn Vorstellungen. Einlass ist am Wasserturm. Die Wege zwischen den Stationen sind nicht weit. Aber für Gäste, die nicht so gut zu Fuß sind, werden einige Sitzplätze an den Stationen aufgestellt.
  • Der Vorverkauf ist bei Schreibwaren Molnar in der Marktstraße. Das Ticket kostet 10 Euro, ermäßigt 7 Euro.

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