Wörth
Wörth will kostenlosen Fahrservice für Jung und Alt anbieten
Der Beigeordnete Thomas Krämer (Grüne) scharrt schon mit den Hufen. „Wir könnten sofort loslegen“, sagt er. 16 Hilfsbereite – sechs aus Schaidt, jeweils vier aus Wörth und Maximiliansau sowie zwei aus Büchelberg – stehen parat, um das Projekt ehrenamtlich zu unterstützen.
Rollator ja, Rollstuhl nein
Das Prinzip ist einfach: Bürger, die einen Fahrdienst benötigen – etwa wegen eines Arzttermins oder um einkaufen zu gehen – können sich anmelden und werden dann kostenlos mit dem Bürgerbus zum Ziel und wieder nach Hause gebracht. Zur Mitfahrt berechtigt sind allerdings nur Personen, die nicht selbst fahren können. Außerdem ergänzt Krämer: „Auf gar keinen Fall können wir Krankenfahrten machen.“ Das heißt, Menschen mit Rollstuhl können das Angebot nicht nutzen, ein Rollator hingegen kann mitgenommen werden.
„Wir wollen damit eine bestehende Lücke schließen“, sagt der Beigeordnete. Aus unterschiedlichen Gründen könnten manche Bürger Bus und Bahn nicht nutzen, genau an sie richte sich das Angebot. Natürlich kommen wohl in erster Linie ältere Menschen als Fahrgäste in Frage, doch auch jüngere sind nicht ausgeschlossen. Vorstellbar ist laut Krämer etwa, dass Jugendliche aus einem Ortsbezirk in den Jugendtreff eines anderen möchten. Auch für sie stünde der Bus bereit.
Ein „voll-flexibles“ Angebot
Um einen Eindruck zu bekommen, was organisatorisch zu tun ist, wurden Bürgerbusprojekte in anderen Gemeinden im Umkreis betrachtet. „Jedes Konzept ist anders“, stellt Krämer fest. „Jetzt ist es wichtig, dass wir einfach mal anfangen und unsere eigenen Erfahrungen machen.“
In Wörth hat man sich für ein sogenanntes voll-flexibles Angebot entschieden. Das heißt: Es gibt keinen festen Fahrplan und keine festgelegte Route, der Bus fährt ganz nach dem Wunsch der Passagiere. Zu Beginn wird es am Montag zwischen 9 und 12 Uhr einen Anruftag geben, an dem ein Platz im Bus reserviert werden kann. Die Fahrzeiten sind zunächst dienstags und donnerstags, jeweils von 8.30 bis 12.30 Uhr und von 13.30 bis 17 Uhr.
Angefahren werden Ziele innerhalb des Stadtgebiets sowie in Kandel. Das könne sich bei entsprechender Nachfrage aber alles schnell ändern, versichert Krämer. „Wenn wir in der ersten Woche vier Anfragen für Fahrten nach Karlsruhe haben, dann können wir das als Ziel natürlich aufnehmen.“ Auch Bad Bergzabern, das von Schaidt aus relativ nahe liegt, und Landau hat er im Hinterkopf. Ebenso möglich sind weitere Fahrtage.
Reichweite von E-Fahrzeugen zu gering
Jetzt, da das Konzept steht und die Ehrenamtlichen allesamt medizinisch auf Herz und Nieren geprüft wurden, fehlt nur noch ein Mosaikstein – und zwar ein ganz entscheidender: das Fahrzeug. Die Suche danach war allerdings nicht ganz einfach. Man habe bereits mehrere Modelle angeschaut, gepasst hat lange keines. Klar ist laut Krämer, dass es ein Leasingfahrzeug sein wird, und zwar „aller Voraussicht nach ein Diesel“.
Selbstverständlich habe man auch ein E-Mobil in Betracht gezogen. „Dessen Reichweite ist aber viel zu gering“, erklärt Krämer den Verzicht darauf. Er spricht von etwa 140 Kilometern, die ein elektrisch betriebener Neunsitzer mit einer Akkuladung schaffen würde – zu wenig, wenn man sich vorstellt, dass der Bus von Wörth aus Mitfahrer in allen drei weiteren Ortsbezirken einsammelt und an unterschiedliche Ziele fährt. Hinzu kommt, dass die Leasingrate für einen Diesel bei circa 400 Euro läge, bei einem E-Mobil laut Krämer um die 700 Euro beträgt. Die Kosten für das Projekt trägt die Stadt. „Weil keine Personalkosten anfallen, hält sich das in Grenzen“, sagt Krämer. Zur monatlichen Rate kommen noch laufende Kosten wie Steuer, Versicherung und Tanken hinzu.
Starten soll der Bus noch im ersten Halbjahr 2020. Eine entsprechende Ausschreibung läuft, Krämer geht derzeit davon aus, dass es „bis Ende März zur Auftragsvergabe kommt“. Bis zur Auslieferung dauert es dann einige Wochen, der Beigeordnete spricht von etwa Mitte Mai. Klappt das alles wie geplant, dann rollt der Wörther Bürgerbus also noch im ersten Halbjahr.