Kreis Germersheim Vorsicht vor digitaler Desinformation
Wörth: Seit Donald Trump US-Präsident ist, sind „Fake News“ ein geflügeltes Wort. Die Lügenpresse-Hysterie ist laut Daphne Wolter von der Konrad-Adenauer-Stiftung jedoch am Abebben. Die Mehrzahl der Deutschen hat wieder Vertrauen zu den klassischen Medien. Vorsicht ist vor gerissenen sozialen Medien angebracht, die vorgeben, ein Mensch zu sein.
Seit Donald Trumps US-Präsidentschaft ist dieser Begriff in aller Munde: „Fake News“ – gezielt gestreute Falschinformationen. Immer wieder begegnet man ihnen in den „sozialen Medien“ des Internets. Anlass für Junge Union und Kommunalpolitische Vereinigung der CDU und CSU, zu einem Infoabend in die Wörther Festhalle einzuladen. Das Thema: „Digitale Desinformation – Herausforderung für die Demokratie.“ Es gebe groß angelegte Desinformationskampagnen, etwa auf Facebook und Twitter. Sie können „eine Demokratie erschüttern“, sagte Referentin Daphne Wolter von der Konrad-Adenauer-Stiftung in Berlin am Mittwochabend vor knapp 20 Zuhörern. Oft steckten Politiker, Leute mit kommerziellem Interesse oder mit „Aufmerksamkeits-Syndrom“ dahinter. Besonders tückisch sind demnach „Social Bots“ – gerissene Computerprogramme, die vorgeben, ein Mensch zu sein. Sie agierten selbständig und würden von fingierten Nutzern („Fake-Followern“) unterstützt: Ihr Ziel: Falschnachrichten streuen und eine große Popularität eines Themas vorgeben, erklärte Wolter. „Es gibt mittlerweile hochmoderne Social Bots.“ Sie seien von echten Nutzern kaum zu unterscheiden. Eine Gefahr seien auch neue Techniken: So könne man mittlerweile mit einem Foto ein täuschend echtes Video erstellen.
In Deutschland „noch keinen so großen Nährboden“
Bei der letzten US-Präsidentenwahl hätten beide Kandidaten, Trump und Hilary Clinton, solche Hilfsmittel benutzt. In Deutschland hingegen habe das Thema „noch keinen so großen Nährboden“. Wolter verwies auf Expertenmeinungen, wonach 2017 „der letzte normale“ Bundestagswahlkampf stattfand. „Mit Kompetenz bekommt man die Sache in den Griff“, sagen andere Experten laut Wolter, die zu mehr Wachsamkeit rät. Traditionelle Medien schließt Wolter vom Vorwurf, „Fake News“ zu verbreiten, aus. Zwar gebe es auch hier die klassische Zeitungsente, Fehler würden aber korrigiert. Wolter übt dennoch Allgemeinkritik: Die Medien sollen besser recherchieren – sich nicht auf Quellen wie Google und Wikipedia verlassen – und Dinge einordnen, nicht überall „aufspringen“. Die „Lügenpresse“-Hysterie ebbe jedoch ab. 62 Prozent der Deutschen hätten wieder Vertrauen in die Medien. Nur zehn Prozent hielten Internet-Angebote für vertrauenswürdig. „Die Bevölkerung merkt, dass es eine Gefahr für die Gesellschaft gibt“, sagte Wolter, die den Anfang einer „Regulierungswelle“ bei sozialen Netzwerken sieht. Derzeit gebe es dort – anders als bei klassischen Medien – keine rechtlichen Schranken.
Forderung: Medienerziehung in der Schule
Nach dem Vortrag entwickelte sich eine muntere Debatte. „Wie soll man mit Leuten umgehen, die darauf bestehen, dass die Erde eine Scheibe ist?“, wollte jemand wissen. Man solle Menschen mit Einzelmeinung „ziehen lassen“, riet Wolter, sich stattdessen „auf die breite Masse“ konzentrieren. Ein Zuhörer will „den Anstand wieder in den Mittelpunkt stellen“. Die häufige Kritik, wonach das neue „Netzwerkdurchsetzungsgesetz“ die Meinungsfreiheit beeinflusse, teilte die Runde nicht. Es gehe darum, Straftaten zu ahnden, so Wolter. Es wurde gefordert Medienerziehung in der Schule zu unterrichten. Ein Zuhörer riet, sich selbst regelmäßig „Tage des elektronischen Verzichts“ aufzuerlegen. Eine andere Forderung lautete, anonymes Agieren im Internet zu verbieten. „Heute wäre ein anonymer Autoverkehr undenkbar“, hieß es. Den Akteuren in sozialen Netzwerken fehle häufig „das Nummernschild“.