Wörth RHEINPFALZ Plus Artikel Von Lottofeen und Mutmachkalendern

1000051161

Wochen-Spitze: Milliardäre verlosen Millionen und Bürgermeister Adventskalender – der Glücksspielmarkt treibt seltsame Blüten.

Politik ist ja manchmal ein Glückspiel. Ehrlich gesagt, es lässt einen ja schon ein bisschen erschaudern, wenn man sieht, welch seltsame Blüten der Wahlkampf in den USA so treibt. Natürlich ist das Präsidialsystem der Vereinigten Staaten mit seinem strikten Mehrheitswahlrecht nur schwer mit dem deutschen Verhältniswahlrecht und einem Kanzler an der Regierungsspitze zu vergleichen. Und auch die politische Kultur der USA ist eine andere als die in Mitteleuropa. Der Wahlkampf ist laut, bunt, nicht selten aggressiv und manchmal ganz schön schräg. So zum Beispiel in der vergangenen Woche, als Hightech-Unternehmer und Multimilliardär Elon Musk ankündigte, den republikanischen Kandidaten Donald Trump im Präsidentschaftswahlkampf zu unterstützen, in dem er in einer Art Lotterie jeden Tag eine Millionen Dollar unter registrierten Wählern in besonders hart umkämpften Bundesstaaten zu verlosen. Natürlich nur unter Wählern, die glaubhaft versichern können, dass sie am 5. November Trump ihre Stimme geben werden. Lottofee Musk bezeichnet das Ganze als Wahlkampfspende.

Wow, eine Million Dollar! Nun gut, für Musk, dessen Privatvermögen auf über 300 Milliarden Dollar geschätzt wird, ist eine Million nicht weiter erwähnenswert. Das ist so, wie wenn unsereins für die Tombola anlässlich der Weihnachtsfeier des örtlichen Fußballvereins einen 15-Euro-Gutschein für den Einkauf im nächstgelegenen Zoohandel zur Verfügung stellt. Oder wenn man beispielsweise drei Adventskalender des Lionsclubs Wörth-Kandel erwirbt und sie dann unter seinen Anhängern verlost.

Die Welt ein bisschen besser machen

Welch absurder Gedanke! Wer macht den sowas? Na ja, der gewählte Bürgermeister der Stadt Wörth kam dieser Tage genau auf diese Idee. „Versuche, die Welt jeden Tag ein bisschen besser zu machen.“ Was nach einem Motivationsspruch aus einem Mutmachkalender klingt, ist das Motto für „eine besondere Aktion“ von Steffen Weiß. Privat – nicht in seiner Funktion als Bürgermeister, darauf legt Weiß großen Wert – hat er drei dieser Adventskalender erworben und anschließend unter den 6112 Mitgliedern auf seiner Facebook-Seite „Alle aus Wörth am Rhein“ verlost. Weiß ist der Administrator dieser Seite. Also so eine Art Verwalter, der darüber wacht, welche Themen auf dieser Seite so behandelt werden. Das den Medien gegenüber eher etwas scheue Stadtoberhaupt diskutiert dort auch gern mal über die Stadtpolitik.

In diesem Fall ging es aber um eine gute Sache, denn aktuell ist ja hierzulande gerade kein Wahlkampf. Verlosen werde er diese drei Kalender unter allen Gruppenmitgliedern, die sich in den Kommentaren „bei einer Person aus der Stadt Wörth am Rhein (Büchelberg, Maximiliansau, Schaidt, Wörth) oder die im Gebiet der Stadt Wörth am Rhein arbeitet, bedanken, ein Kompliment machen oder ein Lob aussprechen“. Das könne vom Tür aufhalten über ein regelmäßig freundliches Grüßen über das Blumengießen im Urlaub, eine tolle Beratung im Geschäft, ein freundliches Lächeln bis zur Hilfeleistung bei einer gesundheitlichen Problemstellung gehen, für die man sich an dieser Stelle bedanke. „Und das tut der Person gut, bei der man sich bedankt oder die man lobt – das tut aber auch Euch selbst gut!“, verkündet Weiß. Klasse, besser kann das der Ausbilder beim Glückscoach-Lehrgang auch nicht formulieren.

Des Guten vielleicht doch ein bisschen zu viel

Übrigens: Gegen Musk will der Bezirksstaatsanwalt von Philadelphia wegen der Millionen-Geschenke juristisch vorgehen, er betreibe eine „illegale Lotterie“, so der Vorwurf gegen Musk, der auch in den sogenannten sozialen Medien äußerst aktiv ist und den Mikroblogging-Dienst „X“ (ehemals Twitter) besitzt. Tja, eine Million ist dann wohl doch des Guten ein bisschen zu viel. Vielleicht hätte er doch lieber Adventskalender verlosen sollen.

x