Kreis Germersheim RHEINPFALZ Plus Artikel Von Hundeleinen und Plattfüßen

Nach zwei Tagen ungeplantem „Pfalzurlaub“ geht es für Lisa weiter in Richtung Bodensee.   Foto: tom
Nach zwei Tagen ungeplantem »Pfalzurlaub« geht es für Lisa weiter in Richtung Bodensee.

Eine Mischung aus Frust über nicht vorhandene Parkplätze und dem (vergeblichen?) Kampf gegen Pfunde und um Fitness sind die „Radtouren“ von RHEINPFALZ-Redakteur Thomas Fehr. Eineinhalb Stunden für die 32 Kilometer sind zwar nicht rekordverdächtig, aber doch Trimm-Dich-flott in der Altersklasse. Immerhin zwei Mal am Tag. Das klappt im Winter eher selten, dafür im Sommer. Nicht immer. Wegen der Termine. Und dem Schweinehund. Aber immer öfter!

Von Otterstadt am Rheindamm entlang, ein Stück durch Speyer, wieder am Rheindamm entlang, durch Lingenfeld, wieder Rheindamm, dann Gewerbegebiet Germersheim und schließlich Innenstadt. Eine schöne Strecke. Bis aufs Hochufer bretteben. Aber immer wieder kommt die Erinnerung an die Aussage eines regionalen Landtagsabgeordneten hoch, man könnte den Bermenweg ja mit dem von Karlsruhe im Süden und irgendwo aus dem Norden kommenden, geplanten Radschnellweg verbinden.

Als Radschnellweg komplett untauglich

Oh Gott. Ein Radschnellweg ist sowas wie eine breite Autobahn für Radfahrer, auch Pedelec- und Rennradfahrer. Der Bermenweg dagegen ist eine Strecke für Radler, walkende Männer und Frauen, joggende Menschen, skatende Menschen – und Leute, die ihre Hunde gassi führen. Frauchen geht schön rechts, der Hund schnuppert am linken Wegesrand im Gras, dazwischen spannt sich die Flexileine. Radschnellweg? Pfeif drauf! Vollbremsung!

Der schönste Platten der Saison

Es gibt angenehmere Begegnungen auf dem Radweg – wenn sie auch manchmal etwas kompliziert und ungewollt beginnen. Mit der jungen Medizinerin Lisa aus Hamburg verbindet uns seit der Begegnung Freundschaft. Sie ist auf der Veloroute Rhin am Rhein entlang unterwegs zum Bodensee, ich zur Arbeit nach Germersheim. Wir radeln ein Stück nebeneinander, plaudern – plötzlich pfffffft. Ihr Hinterrad ist platt. Was tun? Auch noch sonntags. Fahrrad-Pannendienst gibt’s nicht, zumindest das Internet kennt keinen in der Nähe.

Also das Gepäck umladen auf mein Fahrrad, Lisa nimmt ihr Hightech-Teil auf die Schulter für die letzten paar Hundert Meter zur RHEINPFALZ-Redaktion. Dort wird das Rad ausgebaut. Geht ganz flott, auch den Schlauch zu wechseln ist kein großes Problem. Aber dann. Die verd... Steckachse lässt sich nicht mehr fixieren, das Rad ist locker und wir ratlos. Es bleibt nichts anderes übrig, als morgen zur Fahrradwerkstatt zu gehen. Meine Frau und ich haben einen Übernachtungsgast. Und Germersheim eine neugierige Touristin, die sich bis zu meinem Feierabend die Stadt anschaut: „Hübsches Städtchen“.

Fahrradservice allererster Güte

Zu Hause helfen nette Unterhaltung und Riesling-Schorle gegen Fahrrad-Frust. Der kommt am nächsten Morgen wieder, als die ersten beiden Fahrrad-Werkstätten die Segel streichen: Zu speziell, keine Teile. Ein Rundruf bei Vertragshändlern führt zu Radsport Geil in Offenbach. Er führt die Marke, hat zwar kein passendes Ersatzteil, aber ein passendes Fahrrad, aus dem er die Achse ausbauen könnte. Gesagt, getan. Super Service. Fahrrad fertig, aber der Tag auch fast schon wieder. Kein Gedanke ans Weiterfahren. Dafür gibt’s abends eine kleine Radtour zu Hammer und Wurstsalat in Speyer. Lisas Rad läuft prima, die Stimmung ist bestens.

Bis zum nächsten Morgen. Es regnet. Egal, Lisa will trotzdem weiter, packt und holt ihr Fahrrad aus der Garage – platt! Wieder hinten. Also wieder rein mit dem Fahrrad in den Kofferraum und los Richtung Offenbach. Gerhard Geil staunt nicht schlecht, als er Lisa wieder sieht und lässt uns vor der eigentlichen Öffnungszeit in die Werkstatt. Aha. Platt. Jetzt gibt’s einen neuen Schlauch und einen neuen Mantel. Unplattbar steht darauf. Mal sehen.

Nach Pain au Chocolat geht’s endlich weiter

Mit dem Auto geht’s Richtung Rheinradweg an der französischen Grenze, Radl-Zeit wird aufgeholt – und bei Pain au Chocolat und Kaffee in Lauterbourg gleich wieder vertan. Macht nichts. Um die Mittagszeit fährt Lisa los. Bis Erstein kurz hinter Strasbourg schafft sie es an diesem Tag. Das Rad hat gehalten. Seitdem bekommen wird jeden Abend Bild und Info vom aktuellen Etappenort. Bis Ende August wird sie noch unterwegs sein.

Die Serie : Mit dem Rad zur Arbeit

In Deutschland gibt es rund 70 Millionen Fahrräder. Denen stehen zirka 64 Millionen zugelassener Fahrzeuge gegenüber. Die Luftverschmutzung durch Verbrennungsmotoren ist in Ballungsräumen ein Problem, in ländlichen Regionen eher nicht. Was spricht dagegen, mit dem Fahrrad zur Arbeit zu fahren? Mit dieser Serie stellen wir Menschen vor, die das oft oder gar täglich machen. Wir gehen der Frage nach, ob die Fahrt zur Arbeit mit jedem Fahrrad möglich ist. Wäre ein Pedelec (E-Bike) eine Alternative? Gibt es gesundheitliche Gründe, es nicht zu machen? Wenn Sie Anregungen zum Thema haben oder uns ihre eigene Erlebnisse schildern wollen, schreiben Sie uns eine E-Mail unter der Adresse redger@rheinpfalz.de. wim

Gerhard Geil von Radsport Geil in Offenbach bringt das Fahrrad wieder zum Laufen.  Foto: tom
Gerhard Geil von Radsport Geil in Offenbach bringt das Fahrrad wieder zum Laufen.
Nach zwei Tagen „Pfalzurlaub“ geht es weiter Richtung Bodensee.  Foto: tom
Nach zwei Tagen »Pfalzurlaub« geht es weiter Richtung Bodensee.
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