Kreis Germersheim Von den Staus auf dem Arbeitsweg entnervt

„Keine Ahnung, ob ich eine Entscheidung, geschweige denn den Bau noch erlebe“, spöttelt ein Kandeler. Zumindest den Galgenhumor haben sich die rund 400 Demonstranten bewahrt. Während der mittlerweile vierten Demo des „Aktionsbündnis 2. Rheinbrücke“ am Sonntag sollte die Rheinbrücke für zwei Stunden, von 16 bis 18 Uhr, in Richtung Karlsruhe gesperrt werden.
Freigegeben wurde der Verkehr wieder um 17.15 Uhr. Doch der Rückstau war enorm und dauerte noch bis zu einer Stunde an. Alltag für die Anwohner und Pendler. Sinn der Sperrung sollte sein, auf die prekäre Verkehrssituation im Bereich der Rheinbrücke aufmerksam zu machen. „Was es heißt, jeden Tag fürchten zu müssen, nicht pünktlich zur Arbeit zu kommen. Das können sich die Leute die davon nicht betroffen sind ja gar nicht vorstellen“, meint eine Kandelerin, die jeden morgen eine Stunde mehr Zeit einrechnet, um ihren Arbeitsplatz in Karlsruhe zu erreichen. Eine andere in Kandel wohnende Frau denkt sogar über einen Umzug ins Badische nach, wenn sich nicht bald etwas rührt. „Das ganze wird noch zum Politikum wenn das so weitergeht, wie schon andere Großbauprojekte der Region“, empört sich eine Frau aus Maximiliansau. Die Lebensqualität leide, gerade hier. Der ständige Stau, die Abgase und der Verkehr. „Es gibt Tage, da gehe ich nicht mal einkaufen, weil ich gar nicht rauskomme“, berichtet die Pfälzerin. Eine Anwohnerin am SBK-Kreisel erzählt, dass sie bereits einmal 15 Minuten benötigte, um nur ums Haus zu fahren. Der Rückstau zu den Stoßzeiten sei enorm. Jetzt insbesondere durch die Baustelle bei Knielingen. Aber auch schon ein Unfall auf der Südtangente sorge für kilometerlange Staus bis in die Pfalz hinein. „Die Karlsruher kennen das ja nur vom Hörensagen“, sagen viele. „Sonntags juckt die Sperrung ja niemand. Wenn, dann wäre es sinnvoller beide Spuren zu sperren, um unsere tägliche Situation zu verdeutlichen“, schlägt eine Demonstrantin vor. Die Problematik des hohen Verkehrsaufkommens ist seit Jahrzehnten bekannt, besonders der wachsende Schwerlastverkehr habe an der ohnehin schon betagten Rheinbrücke seine Spuren hinterlassen. Vor vier Wochen gründete Steffen Weiß mit anderen Befürwortern der 2. Rheinbrücke den Verein „Aktionsbündnis 2. Rheinbrücke“. Damit die Gespräche um die Problematik und den Bau nicht ins Hintertreffen geraten, sind weitere Aktionen geplant, unter anderem an den Heimattagen 2017 in Karlsruhe. Die nächste Demo findet aller Voraussicht nach erst wieder im Juli 2017 statt. Mit hoffentlich mehr Teilnehmern. Das ist es nämlich, was viele am meisten ärgert. Speyrer oder Germersheimer vermisst man noch als Mitstreiter für eine 2. Rheinbrücke. Denn obwohl es viel Zuspruch gibt, könne man mehr präsente Unterstützer gebrauchen. Warum es daran fehlt, ist für viele Demonstranten klar. „Es ist bequemer, sich erst morgen früh wieder aufzuregen.“ |nbs