Kreis Germersheim Vom Lettenloch zum Kirchenwald
Natürlich kennen die Südpfälzer ihren Bienwald mit seinen uralten Bäumen. Aber wer kennt schon die Wege des Wassers? Johannes Becker befasst sich seit Jahren damit. Beim Forstamt Bienwald in Kandel sind Umweltvorsorge/Waldnaturschutz und Öffentlichkeitsarbeit seine Aufgaben, aber seine Passion ist der Bienwald in seiner Besonderheit. Über dessen „seltsamer Hydrologie“ (Wissenschaft über das Wasser und seiner Zirkulation in Raum und Zeit) wird er am Sonntag 3. Juni bei einer Radtour informieren.
Start ist an der Bahnstation Schweighofen, Ende am Bahnhof Wörth. Der Weg führt durch den früheren Schwemmfächer der Lauter, diesem „Hochplateau ohne Wasserzulauf“, das sich mit der Einsenkung der Lauter am Südrand des Bienwaldes und der etwas tiefer liegenden Bruchbach-Otterbachniederung ergab und sich vom Pfälzerwald und bis in die Rheinebene erstreckt. Der Name Schwemmfächer sagt es: Eine etwa dreieckige Form, die in der letzten Eiszeit als Ablagerung von Kies und Sand entstand. Daher war der sandige, oft vernässende Boden für den Ackerbau kaum tauglich, was den Erhalt des Waldgebietes förderte. Man kann hier die unterschiedlichsten Wasserstände antreffen, die Becker in Bildern über die Jahre dokumentiert hat. Im trockenen Sommer und Herbst genügen Sandalen. Im Winter hingegen, bei bis zu 60 Zentimetern Wasserstand, reichen die Gummistiefel kaum aus. Man trifft hier auf Bäche ohne Quellen und auf fließendes Wasser, das den Rhein nie erreicht, sondern unterwegs „versickert“, wie der Wiebelsbach westlich von Hagenbach im Sommerhalbjahr. Bis in das 18. Jahrhundert wurde über den „Saugraben“ Wasser von der Lauter bei der Bienwaldmühle in den Bienwald künstlich eingeleitet. Über ihn gibt es viel zu erzählen und einiges zu spekulieren. Man weiß genau, dass der Auftrag zur Grabung bereits 1398 vom Fürstbistum Speyer erteilt wurde, da man einen uralten Werkvertrag gefunden hat. Und Spekulation ist der Gedanke, dass man mit der Bewässerung durch den Graben die Waldweide sicherstellen wollte, wenn im Herbst die Säue zum Fressen der Eicheln und Bucheckern in den Wald getrieben wurden. Bei Büchelberg wird die Exkursion an zwei artesischen Brunnen vorbeikommen. Sie finden sich, wo Grundwasser unter undurchlässigen Tonschichten unter Druck steht und durch Verwerfungen im Untergrund Wasserdurchbrüche entstehen, welche das Wasser aufsteigen lässt. Auch das „Lettenloch“ bei Büchelberg zeugt von solchen Tonschichten, der zur Ziegelherstellung genutzt wurde. So ganz nebenbei kann man bei der Tour Interessantes über die Bäume, Pflanzen und Tiere erfahren. Johannes Becker weiß über die Geschichte des Bienwaldes zu berichten, der über Jahrhunderte hinweg „Kirchenwald“ des Klosters Weißenburg und des Bistums Speyer war. Nicht zuletzt wird das Thema Gewässerrenaturierung und Hochwasserschutz im Rahmen des Bienwaldgroßprojektes angesprochen. Info Die Radtour (zirka 30 Kilometer) beginnt um 9.30 Uhr und dauert vier bis fünf Stunden. Rucksackverpflegung für unterwegs wird empfohlen, dazu witterungsangepasste Kleidung und - unbedingt! - Schnakenschutz. Zwischen Schweighofen und Wörth gibt es gute Zugverbindungen. So fährt morgens um 7.52 Uhr ein Zug in 30 Minuten von Wörth nach Schweighofen. Die Teilnahme ist kostenlos. Eine Anmeldung ist erforderlich beim Forstamt Bienwald unter Telefon 07275 9893-0 oder per Mail an die Adresse Forstamt.Bienwald@wald-rlp.de