Kreis Germersheim Vom Krieg ruinierte Bürgerschaft

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GERMERSHEIM. Nach dem Tod des letzten spanischen Habsburgers Karl II. führten Frankreich und das habsburgische Österreich einen Krieg um die „frei“ gewordene spanische Krone. Der Konflikt, der als „Spanischer Erbfolgekrieg“ in die Geschichtsbücher einging, dauerte von 1701 bis 1714 und wurde mit unterschiedlichen Allianzen in vielen Regionen Europas ausgetragen, wobei Kurpfalz auf kaiserlicher Seite gegen Frankreich stand. Germersheim hatte mit seinen Besatzungstruppen schon immer eine große Last zu tragen (wir berichteten Freitag, 21. und 28. November).

Die zahlreichen finanziellen Verpflichtungen, die der Stadt Germersheim gegenüber den Bürgern erwuchsen, die Lebensmittel abgegeben und Natural- und Sachleistungen erbracht hatten, konnten oft erst nach Jahren abgegolten werden. Da die eigene Leistungsfähigkeit in dieser Hinsicht schnell erschöpft war, stand man bei Bauern und Händlern der Umgebung bald „in der Kreide“, die aushelfen mussten, wodurch der Stadt auf Dauer neue Verbindlichkeiten erwuchsen. Auch Frondienste, von denen man in Germersheim von alters her befreit war, wurden nun vermehrt von den Bürgern gefordert. So ging im Jahr 1707 eine Anforderung in Germersheim ein, wonach Schanzarbeiten in Lauterburg verrichtet werden sollten. Die hierzu abkommandierten Personen waren offenbar der Willkür des Militärs ausgesetzt, denn aus dem Jahr 1714 wird berichtet, dass bei einem solchen Arbeitseinsatz dem Germersheimer Jakob Hummel ohne eigenes Verschulden von einem französischen Soldaten „der armb entzwey“ geschlagen worden war. Für die Beitreibung der ausgeschriebenen Gelder sowie der Naturalleistungen waren vor Ort die Bürgermeister zuständig – eine äußerst undankbare Aufgabe, die die Durchsetzung erzwungener Abgaben zum Ziel hatte. Dabei blieben Konfrontationen mit den eigenen Bürgern nicht aus. So wurde der Germersheimer Friedrich Wittmann im Mai 1707 mit einem Bußgeld belegt, da er öffentlich geäußert hatte, „er werde sein Leben an den Bürgermeister wagen“, wenn man ihm noch einmal ein Stück seines Viehs „angreiffen“ möge, nachdem er bereits im Jahr zuvor den Franzosen von seinem Stallvieh geliefert hatte. Selbst die Witwe Haselhan hatte einen Holzknüppel gegen den Bürgermeister erhoben, als man ihr einziges Kalb einfangen wollte, das die Franzosen beanspruchten. Die anhaltenden Requirierungen und Kontributionen führten letztendlich dazu, dass die Germersheimer Einwohner der Stadt zusehends verarmten und die Stadt selbst aufgrund ihrer desolaten finanziellen Lage nicht mehr in der Lage war, ihren eigenen Verpflichtungen nachzukommen. Bereits 1708 war man schon nicht mehr im Stand, den der Stadt auferlegten Anteil an der Besoldung des kurpfälzischen Amtsarztes aufzubringen, der mittlerweile bereits rückständige 100 Gulden sowie 15 Malter Korn und ein Fuder Wein an Naturalien zu beanspruchen hatte. Der Germersheimer Stadtrat bat in einem Schreiben an die kurpfälzische Regierung um „Moderation“ der Kosten, da man die Schuld nicht begleichen könne, ja noch nicht einmal in der Lage sei, die fälligen französischen Kontributionsgelder und die rückständigen „Sauve Garde“-Gelder aufzubringen. Wie es in dem Schriftstück heißt, mussten alle Gelder stets „auß der armen Leuthen eigenen mitteln mit Gewalt erpresst werden“. Auch nach dem Ende des Krieges erholte sich die Stadt nur langsam. Auch wenn Frankreich in den Friedensschlüssen von Rastatt und Baden die territoriale Wiederherstellung der Kurpfalz nach den Bestimmungen des Ryswicker Friedens (1697) zugesagt hatte, behielt es Teile sowie die Stadt Germersheim zurück, da diese Teile zum Elsass und damit zu Frankreich gehörten. 1715 begann man sogar, Germersheim durch eine neue Fortifikation zu befestigen. Erst nach einer Reihe von Bemühungen vonseiten des Kurfürsten – so wurde der Graf von Nassau-Weilburg am französischen Hof vorstellig – trat Frankreich vorläufig von seinen „Ansprüchen“ zurück. Was die Lage Germersheims und ihrer Bürger angeht, so ist in einem Schriftstück aus dem Jahr 1717 an die kurpfälzische Regierung noch von einem „desolaten und depopulirten Stättlein“ die Rede, in dem eine „durch den Krieg enervirte Bürgerschaft“ wohne und selbst 1728 sprach man noch von einer „durch die vielen Kriege ruinirten armen Bürgerschafft“.

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