Kreis Germersheim
Vier Herzen schlagen für die „Lyra“
Peter Blum, Rudi Schwein-Zöller und Peter Wirth haben etwas gemeinsam: Sie haben allen Stürmen in der Geschichte der Freckenfelder „Lyra“ getrotzt und dem Musikverein die Treue gehalten. Und zwar von Anfang an.
Damals, 1954, hatte man sich vorgenommen, junge Männer an Musikinstrumenten auszubilden und einen Verein zu gründen. Peter Blum und Peter Wirth – beide stammen aus dem Banat und waren 1951 als Flüchtlinge nach Freckenfeld gekommen – ließen sich nicht zweimal bitten. Denn durch Mitarbeit im Verein hatten sie bald Anschluss an die Dorfgemeinschaft. Der heute 92-jährige Peter Blum erinnert sich noch gut: In Kathreinfeld, dem heute serbischen Ort Ravni Topolovac, hatte er mit elf Jahren gelernt, Trompete zu spielen. Von 1937 bis 1939 gehörte er der Jugendkapelle seines Heimatortes an. Nach Kriegsdienst und Gefangenschaft kam Blum nach Freckenfeld, das ihm zur zweiten Heimat wurde. Schon bei der allerersten Musikprobe war er dabei, noch vor der offiziellen Gründung des Vereins. Bis zum 83. Lebensjahr spielte er das S-Horn, fehlte so gut wie nie und war vielen Jungmusikern ein Vorbild. Auch die Idee für die „Hobbymusikanten“, die einige Jahre lang beliebte Blasmusik von früher spielten, stammt von ihm. Heute freut er sich darüber, dass Enkel Daniel mit der Trompete auf der Bühne sitzt und in „seiner“ Musikkapelle aktiv ist.
40 Kilometer mit dem Saxophon im Gepäck
Nicht weit weg von Kathreinfeld lag das Heimatdorf von Peter Wirth. Der 90-Jährige war Gründungsmitglied und engagierte sich jahrelang als Schriftführer im Vorstand. In der Kapelle, auch bei den Hobbymusikanten, saß Wirth an der großen Trommel. Nach wie vor aktiver Musiker ist Rudi Schwein-Zöller. Seitdem er nicht mehr in Freckenfeld wohnt, nimmt er die 40 Kilometer Fahrtstrecke von Untergrombach in Baden auf sich, um in seiner Kapelle das Tenorsaxophon zu spielen. Schon mit zehn Jahren hat er Musik gemacht, das war vor nunmehr 65 Jahren, als der Musikverein „Lyra“ gerade ins Leben gerufen worden war. Der Vollblutmusiker ist nach wie vor mit ganzem Herzen dabei und hat eine große Fangemeinde, wie bei der Übergabe der Ehrenurkunde durch die Vereinsvorsitzende Dagmar Rief beim Frühjahrskonzert deutlich hörbar war.
Die Posaune im Griff und Vereinszukunft im Blick
Seit Jahren eine feste Größe im Verein und viele Jahre lang auch in dessen Vorstandschaft ist Jürgen Stritzinger. Gerne erinnert er sich an die Wein- und Musikfeste im Festzelt, an den Aufbau desselben und die Feiern darin. Auch der Bau des Musikerheimes hinter der Gräfenberghalle ist ihm in lebhafter Erinnerung geblieben. Da hätten viele mit Hand angelegt und sich eingebracht. Zwischenzeitlich sei das Musikerheim bezahlt, hier finden die Musikerproben, aber auch Feste und Seniorennachmittage statt. Jürgen Stritzinger spielte Posaune, war von 1992 bis 1994 und 2008 bis 2018 Vorsitzender – auch weil er die Zukunft der „Lyra“ gesichert sehen wollte. Damit habe er auch den Wunsch eines seiner Vorgänger erfüllt, sagt Stritzinger. Als junger Musiker habe er den früheren Vorsitzenden Karl Schmid senior – dieser war nicht nur Bürgermeister von Freckenfeld, sondern von 1959 bis 1970 auch Vorsitzender des Musikvereins – häufig im Auto mitgenommen. Noch heute erinnert sich Stritzinger an Schmids leidenschaftliche Appelle, alles zu tun, damit der Musikverein in der Zukunft bestehen bleibe. Im vergangenen Jahr übergab Stritzinger das Amt an seine Nachfolgerin Dagmar Rief. Für seine Verdienste um die „Lyra“ wurde Jürgen Stritzinger nun zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Vor ihm wurde nur Heinz Hummel diese außergewöhnliche Ehre zuteil, sagte Rief in ihrer Laudatio. Die vier jetzt ausgezeichneten Jubilare seien Urgesteine des Musikvereins.