Kandel
Viele „Haltestellen“ bis „Gleis 3“
Die Corona-Pandemie hat auch hier ihre Spuren hinterlassen. Anita und Walter Nungesser sind daher zurzeit in aller Regel daheim in ihrer Wohnung anzutreffen. Und hier dürfen die beiden heute auch das Fest der diamantenen Hochzeit feiern. Vor 60 Jahren haben sich die beiden das „Ja-Wort“ gegeben – auf dem Standesamt im saarländischen Rohrbach, einem Stadtteil von St. Ingbert.
Dorthin hatte es den jungen Mann aus Minfeld verschlagen, nachdem er in Winden seine Berufsausbildung zum Metzger abgeschlossen hatte. Bessere Verdienstmöglichkeiten waren geboten, das hatte er von einem Berufskollegen gehört. So machte sich Walter Nungesser allein auf den Weg ins Saarland. Dass in der Metzgerei allerdings eine junge Frau beschäftigt war, die ihm täglich ins Auge fiel, war reiner Zufall.
Verpflichtungen als Mittelstürmer
Und es dauerte nicht lange, bis sie sich „trauten“. Bald darauf ging es wieder zurück in die Südpfalz. Denn hier hatte der junge Ehemann ganz wichtige Verpflichtungen! Als Fußballer nämlich. Nungesser war ein torgefährlicher Mittelstürmer der ersten Mannschaft des Sportvereins Minfeld. Sein zehn Jahre älterer Bruder Albert hütete das Tor der Blau-Weißen, und Walter stürmte vorneweg. Gerade erst hatte er im Frühjahr 1961 die beiden Treffer erzielt, die Minfeld zum Pokalsieger über den FC Phönix Bellheim werden ließen, was kräftig gefeiert wurde.
Walter hatte schon mit 22 Jahren die Meisterprüfung im Fleischerhandwerk abgelegt und nachdem die beiden für einige Zeit die Metzgerei am Wollenschlägerplätzel in Winden geführt hatten, entschlossen sie sich zu einem Neubau in der Minfelder Gartenstraße: Wohnhaus mit Metzgerei entstanden. Für Anita begann in Minfeld die „schönste Zeit ihres Lebens“, wie sie heute gesteht.
Leben für Metzgerei und Gastronomie
Nicht nur geschäftlich ging es bergauf, auch private Freundschaften entwickelten sich. Vor allem innerhalb der Katholischen Frauengemeinschaft fühlte sie sich, die ihren saarländischen Dialekt noch heute nicht verleugnen möchte, überaus gut aufgenommen. „Ach, war das so schön, wenn wir uns montags abends getroffen haben“, erinnert sie sich an viele Aktivitäten und Ausflüge. Diese Verbindungen sollten nicht abreißen, auch nicht, nachdem sich Anita und Walter Nungesser 1988 entschlossen hatten, ihre Metzgerei an Sohn Horst zu übergeben und das Clubhaus des damals noch selbstständigen VfR Kandel zu übernehmen.
2004 gab es einen erneuten Wechsel, nachdem der damalige Stadtbürgermeister Tielebörger den beiden die Führung der neuen Bahnhofsgaststätte mit der Bezeichnung „Gleis 3“ angeboten hatte. Immer wieder radelten auch die KFD-Frauen aus Minfeld „zur Anita und zum Walter“ nach Kandel. Diese freundschaftlichen Begegnungen haben ihr viel gegeben, berichtet sie heute. Sie und ihr 82-jähriger Mann Walter waren halt gerne unter Leuten. Aber das ist im Augenblick ja etwas schwierig. Wie auch ein Treffen mit der ganzen Familie, zu der auch zwei erwachsene Enkel gehören.