Karlsruhe / Wörth
Vermisste Seniorin: Warum wurde die 69-Jährige so spät gefunden?
Das Schicksal einer Seniorin aus Karlsruhe hat in der vergangenen Woche auch die Menschen in der Südpfalz bewegt. Die 69-Jährige war am 7. Februar als vermisst gemeldet worden. Am Dienstag, 10. Februar, wurde schließlich ihr Auto am Rande des Wörther Ortsteils Büchelberg gefunden, verlassen und verschlossen. Obwohl von Seiten der Polizei weiter nach ihr gesucht wurde, fehlte von der Seniorin jede Spur. Allerdings gab es enge Verbindungen in die Südpfalz, da eine Angehörige hier wohnt. Um endlich Gewissheit zu erlangen, hatte die Familie schließlich zu einer privaten Suchaktion aufgerufen.
Diese war für Sonntag, 15. Februar, angesetzt worden. Treffpunkt war am Parkplatz des Büchelberger Sportplatzes. Über 100 Menschen beteiligten sich an der Suche, die unter anderem von einem Verein aus der Region unterstützt wurde. Dieser sorgte zusammen mit einer lokalen Einrichtung bei dem kalten Winterwetter für die Verpflegung der freiwilligen Helfer. Schon relativ schnell nach Beginn der Suche bestätigten sich alle Befürchtungen: Die 69-Jährige wurde tot aufgefunden, zirka 300 Meter vom Büchelberger Wasserturm entfernt. Nicht im Bienwald, sondern in einem kleinen Wäldchen.
Wie lief die Suche?
Beteiligte an der Suche fragten sich daraufhin, weshalb die Vermisste erst im Zuge der privaten Aktion gefunden wurde – und nicht schon zuvor von der Polizei. Und wer war für die Suche überhaupt zuständig, da die Vermisste ja aus dem einen Bundesland stammte und dann im benachbarten Bundesland gefunden wurde? „Da die nunmehr Verstorbene in Baden-Württemberg wohnte, erfolgten sämtliche Maßnahmen in enger Abstimmung mit und unter der Federführung des für den Wohnort zuständigen Polizeipräsidiums Karlsruhe“, heißt es dazu auf Anfrage von der RHEINPFALZ von der Pressestelle des Polizeipräsidiums Rheinpfalz in Ludwigshafen. Direkt an der Suche beteiligt waren die Beamten aus Baden-Württemberg aber offensichtlich nicht: „Aufgrund des vermuteten Aufenthaltsortes der Frau, der im Zuständigkeitsbereich der Polizeidirektion Landau lag, kam dem Polizeipräsidium Karlsruhe hierbei vor allem eine koordinierende Rolle zu“, heißt es von der Pressestelle weiter.
Am Dienstagnachmittag hatte schließlich die Polizeiinspektion Wörth den Hinweis erhalten, dass das Auto der 69-Jährigen im Bereich Büchelberg gefunden worden war. Ab unmittelbar danach bis einschließlich Mittwochabend habe es dann umfangreiche Suchmaßnahmen nach der vermissten 69-Jährigen gegeben, durchgeführt von der Polizeidirektion Landau. „Hierzu wurden neben eigenen Kräften der Polizeidirektion Landau auch Kräfte des Polizeipräsidiums Einsatz-, Logistik- und Technik, der Diensthundestaffel sowie mehrerer Feuerwehren eingesetzt“, erläutert der Sprecher der Polizei. Zur technischen Unterstützung seien darüber hinaus ein Polizeihubschrauber mit Wärmebildkamera, Drohnen mit Wärmebildkamera, Flächensuchhunde und mehrere Mantrailer der Rettungshundestaffel zum Einsatz gekommen. „Insgesamt waren über 60 Polizeikräfte an der Suche beteiligt.“
Mit Hubschrauber und Wärmebildkamera
Dabei wurde zur „besseren Koordinierung und effizienteren Absuche“ das Suchgebiet ausgehend vom aufgefundenen Auto der Vermissten in Sektoren unterteilt, erläutert der Sprecher weiter. Einzelne Sektoren wurden fußläufig von der Polizei abgesucht, andere Sektoren wiederum mittels Wärmebildkameras des Polizeihubschraubers und der Drohnen. Dies sei ein gängiges Verfahren zur effizienten Absuche größerer Areale, so der Sprecher. Art und Ausmaß der Suchmaßnahmen seien jedoch stark vom konkreten Einzelfall abhängig. „Sofern eine Eingrenzung des Suchbereichs möglich ist, wird dieser regelmäßig in verschiedene Bereiche aufgeteilt, die anschließend je nach den örtlichen Begebenheiten aus der Luft oder vom Boden aus abgesucht werden.“
Der Bereich, in dem die Vermisste letztendlich aufgefunden wurde, sei zuvor mittels Polizeihubschrauber und Drohne mit Wärmebildkamera aus der Luft mehrfach abgesucht worden, so der Polizeisprecher. „Zum Zeitpunkt der Überflüge gab es jedoch keine Hinweise darauf, dass sich die Gesuchte dort befinden könnte.“ Nachdem die Vermisste über zwei Tage nicht in dem vermuteten Bereich aufgefunden werden konnte, habe man die polizeilichen Suchmaßnahmen in Absprache mit dem Polizeipräsidium Karlsruhe zunächst reduziert. Danach wurde im Zuge von Streifenfahrten weitergefahndet.
Auch private Suchen begleitet
Zur Familie der Frau habe von Seiten der Polizei von Anfang an Kontakt bestanden, so der Sprecher auf Nachfrage. Insgesamt habe es zwei private Suchen gegeben: Zunächst eine kleine private Suche von der Familie am Samstag, begleitet von drei privaten Hunden, dann am Sonntag die große Suchaktion. In beiden Fällen sei die Polizei zumindest zu Beginn vor Ort gewesen, um bei der Koordination zu unterstützen und zum Beispiel auf die Bereiche hinzuweisen, in denen schon gesucht worden war.
Im Falle der Vermissten wurde vergangene Woche auch mit Foto öffentlich gefahndet. Aufgrund des Eingriffs in die Persönlichkeitsrechte werde dies stets sorgfältig abgewogen, betont der Sprecher der Polizei. Als vermisst gilt eine Person, wenn sie ihren gewohnten Lebenskreis verlassen hat und ihr derzeitiger Aufenthalt unbekannt ist. Dazu muss kommen, dass eine Gefahr für Leib und Leben, zum Beispiel durch eine Straftat, einen Unfall, Hilflosigkeit oder eine Selbsttötungsabsicht angenommen werden kann.
Im Fall der 69-Jährigen konnte ein Fremdverschulden ausgeschlossen werden. Zur Klärung der Todesursache wurde von der Staatsanwaltschaft Landau die Obduktion angeordnet.