Kreis Germersheim Vereine sollen in Zelt ausweichen

Die Debatte um den Brandschutz in der Bienwaldhalle geht weiter. Für die Bikage-Prunksitzungen wurde die Garderobe innerhalb des Gebäudes ordnungsgemäß untergebracht. Beim Markt der Berufe und dem Bienwaldmarathon soll ein großes Zelt vor der Halle Raum schaffen. Doch damit ist das Thema längst nicht ausgestanden: Da sich Kreisverwaltung und Stadtverwaltung weiter nicht einig sind, setzt Stadtbürgermeister Günther Tielebörger (SPD) inzwischen darauf, dass ein Gericht entscheiden wird.
Auch ohne die Sporthalle – deren Nutzung für alles außer Sport aus Brandschutzgründen inzwischen verboten ist – gab es bei den Prunksitzungen eine Garderobe. Jacken und Mäntel wurden diesmal im Stuhllager abgegeben. Der Weg dahin führte, von den Aktiven der Bienwaldkarnevalsgesellschaft liebevoll mit Feuerlöschern und Brandschutzeimern dekoriert, durch die Sporthalle. Von der Kreisverwaltung abgesegnet gewesen war zunächst ein Weg auf der anderen Seite des Stuhllagers. Diesen fanden Tielebörger und seine Verwaltungsleute jedoch zu schmal. Deshalb wurde ein Großteil der Sporthalle mit Stellwänden abgesperrt, ein breiter Weg zur Garderobe gebaut und von Germersheim genehmigt. Die Prunksitzungen sind jetzt vorbei, der Grundkonflikt bleibt bestehen: Stadtbürgermeister Tielebörger möchte wenigstens einen Teil der Sporthalle für den Markt der Berufe der Integrierten Gesamtschule Kandel und den Bienwaldmarathon nutzen. Landrat Fritz Brechtel (CDU) verweist in einer Stellungnahme auf „das Grundproblem“. Dieses bestehe darin, dass „die Stadt Kandel eine Sporthalle gebaut hat und nicht die etwas teurere, weil vom Brandschutz her anspruchsvollere Versammlungsstätte.“ Ein entsprechender Umbau der Halle würde 300.000 Euro kosten. Das hatte der Bauausschuss der Stadt im Herbst 2016 abgelehnt. Doch genau diesen Umbau fordert Landrat Brechtel jetzt von der Stadt, die wegen ihres Schuldenstandes regelmäßig von der Kreisaufsicht - angesiedelt in Brechtels Kreisverwaltung - gerügt wird. Stadtbürgermeister Tielebörger, sonst durchaus als baufreudig bekannt, lehnt den Umbau hingegen ab. 300.000 Euro für die Prunksitzungen plus zwei weitere Veranstaltungen pro Jahr seien schlicht zu teuer, argumentiert er. Stattdessen stehen jetzt 150.000 Euro für Brandschutzmaßnahmen im Haushalt, es geht unter anderem um kippbare Fenster. Für den Bienwaldmarathon des TSV 1886 Kandel, der am 12. März stattfindet, und den Markt der Berufe, soll ein 300 Quadratmeter großes Zelt aufgestellt werden, kündigt Landrat Brechtel an. Beide Veranstalter hätten dem Vorschlag zugestimmt und würden, „angesichts der doch speziellen Lösung“, von ihm finanziell unterstützt, so Brechtel. Auch der Kreis ist hoch verschuldet. Die Kandeler Verwaltung und Tielebörger waren über diese Pläne zunächst nicht informiert und zeigten sich auf Nachfrage überrascht. Sie stellen die Frage, wo das Zelt denn stehen soll - der Parkplatz der Bienwaldhalle wird bei über 2000 Läufern mit Fahrzeugen belegt sein. Man bemühe sich weiter um eine einvernehmliche Lösung mit der Bauabteilung des Kreises, schreibt Tielebörger deshalb an Brechtel. „Notfalls bräuchten wir eventuell eine Entscheidung der Gerichte.“ In einem Fall könnte man sich diese Bemühungen jedoch sparen, schreibt Tielebörger abschließend an die Adresse des Landrats: „Wenn Sie erklären würden, dass die Kreisverwaltung auch nach der Landratswahl in diesem Jahr künftig die Kosten für den Zeltaufbau übernehmen würde.“ |tnc