Wörth Verein aufgelöst: Zu wenig Interesse an Weiterbildung
Die Löschung aus dem Vereinsregister soll noch in diesem Monat erfolgen, dann ist das Institut für Bildungsförderung (IfB) Geschichte. „Die Zeiten haben sich geändert, es ging einfach nicht mehr weiter“, sagen Hans Fink und Elmar Rinck, die beiden Gründer des gemeinnützigen Vereins. „Dabei haben wir beide gehofft, dass wir bis zum 50. Geburtstag durchhalten“, ergänzt Rinck. Gegründet wurde der Verein am 27. Oktober 1975 in Schaidt.
Fink, Jahrgang 1947, und Rinck, Jahrgang 1953, waren damals bei der Daimler Benz AG, beide waren im Werk im Bereich der Ausbildung tätig. In ihrer täglichen Arbeit erkannten sie den Bedarf an außerbetrieblicher Fortbildung. So kamen sie auf die Idee, eine Organisation für die nebenberufliche Erwachsenenbildung ins Leben zu rufen. Um Profit sollte es nicht gehen, deshalb gründeten sie einen Verein. Noch heute müssen sie schmunzeln, wenn sie an die Anfänge im Speicher des ehemaligen Rathauses in Schaidt denken. Ihnen standen zwei Büroräume zur Verfügung, den Teppichboden haben sie selbst verlegt, die Wände eigenhändig gestrichen. „Von Daimler haben wir damals drei Bürotische für je 5 Mark gekauft, die wir grün lackiert haben“, erzählt Fink.
Nicht genug Platz für alle Interessenten
Die ersten staatlich anerkannten Abschlüsse, die die Teilnehmer bei ihnen machen konnten, waren die als Industriemeister, Ausbilder, Sekretärin und Industriefachwirt. „Als Dozenten konnten wir Fach- und Führungskräfte aus verschiedenen Unternehmen in der Region gewinnen, auch Berufsschullehrer und sogar Hochschulprofessoren waren darunter“, sagt Rinck. Der Unterricht fand in der Berufsbildenden Schule in Wörth und dem CJD-Berufsförderungszentrum statt.
„Es herrschte damals ein echter Pioniergeist“, betont Fink. Rasch wuchsen Angebot und Nachfrage. Fink: „Schon bald nach der Gründung haben wir einen Lehrgang für geprüfte Industriemeister, Fachrichtung Metall, angeboten. Der Lehrgang ging über drei Jahre und beinhaltete 950 Stunden.“ Unterrichtet wurde nach Feierabend und am Samstag. „Wir hatten teilweise weit über 100 Interessenten für Lehrgänge mit 36 Plätzen, es gab regelmäßig Aufnahmeprüfungen“, erzählt Rinck. Wegen der hohen Nachfrage wurde Anfang der 1990er Jahre mit Peter Schneider ein hauptamtlicher Geschäftsführer eingestellt, nachdem Fink und Rinck das IfB zuvor ehrenamtlich geführt hatten. Der bürokratische Aufwand war einfach zu groß geworden.
17.000 Euro für die Lebenshilfe
Doch das sind Geschichten aus einer längst vergangenen Zeit, die Berufswelt hat sich dramatisch verändert. Immer weniger junge Menschen streben eine klassische Berufsausbildung an, entsprechend sinkt auch der Bedarf an Weiterbildung. „Unser Angebot hat auch nicht mehr in die Lebenswirklichkeit der jungen Leute gepasst, viele sind nicht mehr bereit abends und am Wochenende den Unterricht zu besuchen“, meint Fink. Auch die Digitalisierung habe den Bildungsmarkt stark verändert.
Im September 2023 wurde die Liquidation des Vereins eingeleitet, die letzten Formalien werden nun im Laufe des Monats erledigt. Vor wenigen Tagen wurde das restliche Vereinsvermögen gespendet. So überreichten Fink und Rinck im Wohnheim in Kandel-Minderslachen einen Scheck über 17.000 Euro an die Lebenshilfe. Über 2500 Euro darf sich das Kinderhilfsprojekt Father Allam in Indien freuen, das Hans Fink schon seit vielen Jahren unterstützt. Ebenfalls 2500 Euro erhält der Pfälzerwald-Verein Schaidt, dessen Vorsitzender Elmar Rinck ist.