Kreis Germersheim „Urlaub machen, wann ich will“
WÖRTH. „Ich habe mich für sechs Jahre Altersteilzeit entschieden. Damals konnte ich mir nicht vorstellen bis 65 zu arbeiten. Aber inzwischen gehe ich mehr mit einem weinenden als mit einem lachenden Auge in den Vorruhestand“, sagt Ulrike Werling. Die (noch) 60-jährige Schulleiterin der Grundschule Dammschule Wörth wird heute, Freitag, offiziell verabschiedet.
Sie hat immer noch das Gefühl, dass sie nach wie vor trotz des Alters eine gute Beziehung zu ihren Schülern hat. „Sie halten mich immer noch ein bisschen jung. Sie sehen die Welt eben anders als wir und das ist das Interessante und Spannende an unserem Beruf.“ Die Mutter von drei erwachsenen Söhnen und vier Enkelkindern (drei Mädchen, ein Junge) arbeitete in ihrer Dienstzeit stets nach ihrem pädagogischen Leitsatz eines strukturierten, zielorientierten Unterrichts – wie sie erzählt. „Jedes Kind muss nach seinen Stärken gefördert und gefordert werden, dass es einen entsprechenden Lernzuwachs hat“, meint die erfahrene Pädagogin. Nachdem ihre aus Steinfeld stammenden Eltern berufsbedingt nach Wörth gezogen waren, kam sie in Karlsruhe auf die Welt und wurde im April 1964 in die damalige christliche Simultanschule, die heutige Dammschule eingeschult. Nach dem Besuch des Europa Gymnasiums legte sie 1976 ihr Abitur ab und studierte bis November 1979 an der Erziehungswissenschaftlichen Hochschule in Landau die Fächer Deutsch und Sozialkunde sowie das Wahlpflichtfach katholische Religion. Nach dem Ersten Staatsexamen absolvierte ihre Referendarszeit ab Februar 1980 an der Grund- und Hauptschule Freudenburg, einem Grenzort zu Luxemburg und dem Saarland. Trotz einer guten Prüfung zum Zweiten Staatsexamen im Mai 1981 gab es zu der Zeit keine Aussicht auf eine Planstelle. Sie erhielt einen Vertretungsvertrag, meldete sich aber gleichzeitig für die schriftliche und mündliche Prüfung in ihrem studierten und an den Schulen gesuchten Wahlpflichtfach katholische Religion an. Parallel studierte sie noch ab Oktober als Lehrer für Kinder mit fremder Muttersprache in Germersheim und Landau. Nach der Prüfung in Religion unterrichtete Werling ein halbes Schuljahr an der Grundschule in Jockgrim, danach ein halbes Jahr an der Hauptschule in Kandel mit einem Vertretungsvertrag, ehe sie im Schuljahr 1982/83 an der Berufsbildenden Schule in Wörth mit einem Vertretungsvertrag eingesetzt war. Nach der erfolgreichen Prüfung als Lehrerin für Kinder mit fremder Muttersprache bekam sie eine volle Planstelle an der damaligen Hauptschule Dorschbergschule in Wörth und erteilte diesen Förderunterricht. Danach war sie nach der Geburt ihres dritten Sohnes bis 1999 beurlaubt. Da an dieser Schule zum Zeitpunkt ihrer Rückkehr in den Dienst keine Stelle frei war, wurde Werling an der Grundschule in Rülzheim eingestellt, wo sie bis Februar 2004 tätig war. Mit ihrer Versetzung an die Dammschule nach Wörth schloss sich für sie praktisch ein Kreis. Hier wurde sie dann ab 2008 zur Schulleiterin befördert. „Jetzt will ich mir meine Zeit einteilen, nicht mehr nach der Uhr leben“ sieht sie ihrem Vorruhestand entgegen. „Ich will vor allem mehr Bewegung als bisher haben, Urlaub machen, wann ich will. Dabei stehen Fernreisen auf dem Programm, die bisher zu kurz gekommen sind. Aber auch der Pfälzer Wald soll unter der Woche öfters besucht werden. Zudem möchte ich mehr kulturelle Angebote nutzen.“ Natürlich will sie ihrem „Hobby“ als Handball-interessierte Mutter weiterhin nachgehen.