Kreis Germersheim Unbekannter Untergrund

Erdlöcher und Ausschwemmungen gefährden die Bahntrasse.
Erdlöcher und Ausschwemmungen gefährden die Bahntrasse.

«Freckenfeld.» Gefährliche Erdfälle an einem Bahndamm der Bahnlinie Winden-Wissembourg sind dem zukünftigen Gemeinderat in der letzten Sitzung dieser Legislaturperiode am Donnerstag als Aufgabe weiter gereicht worden. Bürgermeisterin Gerlinde Jetter-Wüst informierte: Seit 2013 beschäftigen erhebliche Absackungen und Ausschwemmungen an der Bahntrasse zwischen Freckenfeld und Winden die Ortsgemeinde. Drei Erdlöcher wurden in den folgenden Jahren bis 2017 mit Geotexflies ausgelegt und aufgefüllt. Die Bahngleise wurden mit Abfangeinrichtungen vor Schlamm geschützt. Im Sommer 2018 gab die Erde wieder nach, Absackungen und Ausschwemmungen beunruhigen wieder die Ortsgemeinde. Zwischenzeitlich habe auch die Bahn einmal Interesse gezeigt, weil das Gleisbett zugeschwemmt worden war. Weil es jedoch in letzter Zeit keine Ausschwemmungen mehr auf dem Gleisbett gegeben habe, werde vermutet, dass Wasser und Schlamm in andere Hohlräume versickerten. Bei einem Ortstermin im Januar machten sich die Vertreter der Ortsgemeinde, der Verbandsgemeinde und die Gutachter ein Bild. Vertreter der Bahn waren nicht dabei. Die Verbandsgemeinde hatte inzwischen das Institut für Geotechnik (IGK) in Wörth sowie das Ingenieurbüro BAMI Remchingen hinzugezogen. Die Ursache soll gefunden und die Bahn an Arbeiten und Kosten beteiligt werden. Veranschlagt habe das Ingenieurbüro bisher Kosten von 60.000 Euro. Die Recherchen reichen weit zurück. In der Verwaltung in Kandel gab es Hinweise, dass während des 2. Weltkrieges in der Umgebung des Bahnhofes Winden Transportzüge entladen worden seien. In den Böschungen könnten daher Unterstände und Transporttunnel vermutet werden. Nun wurden historische Luftbilder ausgewertet, eine Kamera befuhr Hohlräume, letzteres ohne Ergebnis. Das Büro Hinkelbein in Filderstadt kam beim Auswerten der Luftbilder zu dem Schluss, dass ein Teilbereich als „bombardierter Bereich“ zu bezeichnen sei. Deshalb werde empfohlen, den Kampfmittelräumdienst oder ein anderes autorisiertes Unternehmen hinzuzuziehen, bevor Bauarbeiten geplant würden. Während die Bahn die Standfestigkeit des Bahndamms derzeit als nicht gefährdet einschätze, könne es auf den umliegenden Feldern zu weiteren Absackungen kommen, sagt das IGK-Gutachten. Insbesondere im nördlichen Bereich, wo sich ein Hochsitz befindet, sei Vorsicht geboten. Einfach in ein solches Erdloch einzusteigen, sei viel zu riskant, weil man verschüttet werden könnte, warnte die Ortschefin. Die Gemeinde habe den Bereich abgesperrt – betreten verboten. Empfohlen werde, sagen die Ingenieure von IGK, zunächst die zwei betroffenen Flurstücke zu roden und freizuräumen. Dann müsse das Gebiet erneut gesichtet und gegebenenfalls elektromagnetische Untersuchungen, „als erster Schritt für zerstörungsfreie Untergrunderkundung und Ortung von Hohlräumen“ vorgenommen werden. Vor allem müsse erneut mit der Deutschen Bahn Kontakt aufgenommen werden. Manche Erdlöcher seien mit Bauschutt verfüllt worden, warf Beigeordneter Martin Thürwächter ein. „Das muss raus und die Verursacher haftbar gemacht werden“, fordert er. Gleichzeitig verwies er darauf, dass für etwaige Kriegsfolgen auch der Bund aufkommen müsse. Den Kontakt zur zuständigen Stelle für das Kriegsfolgenbeseitigungsgesetz in Landau habe die Verbandsgemeinde bereits hergestellt, teilte die Bürgermeisterin mit. SPD-Sprecher Peter Neubauer bestand darauf, dass sich die Gemeinde absichert. Sollte an den Erdlöchern etwas passieren, sei auch die Bahn mit verantwortlich, wurde sinngemäß ins Protokoll aufgenommen.

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