Südpfalz Umschlag mit Fragen soll Senioren vor Betrug schützen
„Spreche ich mit Herrn Meier? Herr Sebastian Meier? Meine Name ist Müller und ich bin Polizist in Landau. Ich muss ihnen leider mitteilen, dass ein Familienangehöriger einen schweren Unfall mit Todesfolge verursacht hat. Und damit der nicht in Haft muss, muss eine Kaution hinterlegt werden!“, sagt die sachliche und emotionslose Stimme eines Mannes am Telefon. „Meine Tochter Bettina?“, fragt der Angerufene erschrocken zurück und hat damit schon verraten, dass er eine Tochter mit dem Namen hat. „Ja genau, können Sie deren Geburtsdatum zum Abgleich sagen und ihre Wohnadresse?“, fragt der angebliche Polizist und täuscht so Bürokratie und Datenschutz vor. Das mehrminütige Gespräch, bei dem immer mehr Druck aufgebaut wird, endet letztlich damit, dass Herr Meier aufgefordert wird, den größtmöglichen Geldbetrag bei seiner Bank abzuheben und diesen einer unbekannten Person zu übergeben. Er soll niemanden davon erzählen, aus Datenschutzgründen und damit die Nachbarn nicht so schlecht reden.
„Wir haben im vergangenen Jahr etwa drei solcher Fälle in unserem Bereich der VR-Bank Südpfalz Rülzheim-Kandel gehabt“, sagt Regionaldirektor Christian Bauchhenß. Damals habe verhindert werden können, dass die Leute Geld abheben. „Die Mitarbeitenden genießen bei den „Bankkunden großes Vertrauen“, sagt der Prokurist. In einem länger zurückliegenden Fall ist laut dem Rülzheimer Filialleiter Jens Fosselmann jedoch ein Schaden entstanden. Damit das nicht mehr geschieht oder zumindest die Gefahr vermindert wird, hat die VR-Bank Südpfalz mit der Außenstelle des Weissen Rings und der Polizei zur Prävention ein Briefumschlag für Bargeld entworfen. Diesen erhalten Kunden der Bank bei Geldabhebungen am Schalter.
Viele Betrugsversuche
Vor rund einem Jahr ist Heinz Pollini, Außenstellenleiter des Weissen Rings in der Südpfalz, auf die Aktion des Opfer-Hilfevereins im nördlichen Rheinland-Pfalz gestoßen und hat die Idee mit in die Region gebracht. Bei Regionaldirektor Christian Bauchhenß ist er auf offene Ohren gestoßen. Auf dem neu gestalteten Umschlag befinden sich sechs Fragen und die „sollen Betroffenen stutzig machen“, sagt Sabine Bätzing-Lichtenthäler, ehrenamtliche Landesvorsitzende des Weissen Rings. Dabei gehe es nicht nur um Senioren, sondern um Menschen, Nachbarn und Freunde jeden Alters, „die mitten im Leben stehen“. Die Betrugsversuche werden immer vielschichtiger – ob per WhatsApp, mit dem „sogenannten Enkeltrick, bei dem es bei Weitem nicht mehr bleibt“ oder mit den Schockanrufen, zählt die Landesvorsitzende weitere mögliche Betrugsarten auf. „Die Leute haben sofort einen Tunnelblick“, berichtet sie von vielen ihr bekannten Fällen. Wenn mit der Aktion „nur ein Versuch verhindert wird, dann hat es sich gelohnt“, ergänzt Bauchhenß. Werden nur zwei der auf dem Geldumschlag befindlichen Fragen mit „Ja“ beantwortet, „dann sollte man die 110 wählen“, rät Heinz Pollini, der als ehemaliger Kriminalbeamter vor zwei Jahren die Außenstelle Südpfalz des Weissen Rings übernommen hat. Gefragt wird beispielsweise, ob der Anrufer sich als „Familienangehöriger, Polizist, Arzt, Notar, Richter“ und so weiter ausgegeben hat oder „wurde Ihnen verboten, über den Grund der Abhebung zu sprechen“?
Wenn Bankkunden dennoch Opfer einer solchen oder anderen Straftat werden, finden sie Hilfe beim Weissen Ring. Bätzing-Lichtenthäler und Pollini wissen aus vielen Gesprächen, dass Opfer froh sind, mit jemandem neutralen über das Geschehene sprechen zu können. Denn die Scham, dies der Familie mitteilen, sei groß. Denn der Sohn oder die Tochter sagen vielleicht, „Du hast gerade mein Erbe an den Baum gehängt“, so die Landesvorsitzende. Die ehrenamtlichen Mitarbeiter des Weissen Rings helfen, vermitteln Anwälte, Psychologen und noch vieles mehr. Gesucht werden auch immer ehrenamtliche Mitarbeiter, die den Verein unterstützen oder auch Spender, die diese Hilfe erst ermöglichen, sagen Sabine Bätzing-Lichtenthäler und Heinz Pollini.
Kontakt
Weisser Ring, Außenstelle Südpfalz, Telefon 0173 9899472; E-Mail: suedpfalz@mail.weisser-ring.de oder Onlineberatung unter www.weisser-ring.de; Opfer-Telefon: 116006.