Kreis Germersheim Umbau wohl erst im Frühjahr fertig
Die Fertigstellung des Umbaus am Südflügel der Grundschule Rülzheim verzögert sich vermutlich, weil eine Ausschreibung wegen zu großer Abweichung von der Kostenschätzung aufgehoben und das Gewerk neu ausgeschrieben werden muss. Dies beschloss der Gemeinderat einstimmig.
Für die Grundschule stand die Vergabe der Gewerke Betonwerksteinarbeiten und Schreinerarbeiten an. Die Betonarbeiten führt die Firma Nageldinger (Offenbach) für 50.000 Euro aus, die Kostenschätzung lag bei 51.000 Euro. Bei den Schreinerarbeiten liegt das Angebot mit 65.800 Euro um ein Vielfaches über der Kostenschätzung von 20.000 Euro, was, wie Architekt Michael Humbert (Germersheim) betonte, „zu totaler Verwirrung“ führt. Er erklärte diese Abweichung aber damit, dass die Kosten für die Fensterbänke bei der Schätzung für die Fenster enthalten waren, diese Arbeiten dann aber nicht ausgeschrieben worden waren. Deshalb wurden sie jetzt in die Ausschreibung der Schreinerarbeiten aufgenommen. Zudem können die Kanäle für die Heizungsrohre wegen ausbautechnischer Gründe nicht in der Deckenverkleidung verlegt werden, sondern an den Rand des Fußbodens. Diese Kanäle sollten in Holz ausgeführt werden. Eine erhöhte Brandgefahr, wie sie Ratsmitglied Dieter Kupper (CDU) sah, wenn in einem Fluchtweg Holz eingebaut werde, sieht der Architekt nicht. „Dann dürften Sie in einem Klassenraum auch keine Schulmöbel aus Holz aufstellen.“ Zudem sei diese Vorgehensweise mit dem Brandsachverständigen abgesprochen. Ein weiterer Grund für die Kostensteigerung ist der Einbau von Holzverkleidungen rund um die Waschbecken in den Klassenräumen. Dadurch könnte zusätzlicher Stauraum durch Einbauschränke gewonnen werden. Die billigere Lösung wäre, diese Ecke einfach zu fliesen und anzustreichen, er würde aber die etwas teurere Lösung empfehlen, auch aus optischen Gründen. Bei einer Enthaltung und einer Gegenstimme erhielt die Firma Bösherz (Landau) den Auftrag für die vom Architekten vorgeschlagene Variante für 65.800 Euro. Einstimmig aufgehoben wurde schließlich die Ausschreibung für die Schlosserarbeiten. Dafür war nur ein Angebot abgegeben worden, das aber mit 53.400 Euro um ein Vielfaches über der Kostenschätzung von 19.600 Euro lag. Da das Angebot mehr als 25 Prozent von der Schätzung abweicht, ist die Gemeinde nicht mehr an die Ausschreibung gebunden und kann sie aufheben. Jetzt soll eine erneute beschränkte Ausschreibung erfolgen. Dadurch wird sich die Fertigstellung des Südflügels zwar vermutlich verzögern, Humbert sieht darin aber auch eine Chance, die Konstruktion zu ändern und zu vereinfachen und seine Planung damit zu optimieren. Die von seinem Büro geplante Ausführung sei mit den geschätzten Kosten nicht möglich gewesen, weil sich der Zustand des Treppenhauses erst nach den Abrissarbeiten herausgestellt habe. Der ursprünglich im Treppenhaus vorgesehene Handlauf könne jetzt an einem noch einzubauenden Kubus montiert werden, was zu Kosteneinsparungen führen dürfte. Durch die Zeitverzögerung werden sich die Gesamtkosten wegen einer längeren Anmietung der Container, die für die Auslagerung der Klassenräume aufgestellt worden waren, sowie deren Heizkosten über Winter erhöhen. Die Fertigstellung der Baumaßnahme noch Ende diesen Jahres hatte der Architekt schon bei der letzten Sitzung des Bauausschusses nur für den Fall angekündigt, wenn „alles optimal verläuft“ (wir berichteten). Das ist jetzt nicht mehr der Fall. Ortsbürgermeister Reiner Hör (Aktive Bürger) peilt dafür bereits das Frühjahr 2018 an. Der Rat stimmte der Aufhebung und Neuausschreibung einstimmig zu und ermächtigte den Bauausschuss, dieses Gewerk zu vergeben, um einen weiteren Zeitverlust bei einer Entscheidung erst bei der nächsten Gemeinderatssitzung zu vermeiden.