Wochen-Spitze Toilette verzweifelt gesucht

Pech, wenn’s mal pressiert.
Pech, wenn’s mal pressiert.

Wenn beim Einkauf die Blase mal wieder drückt, ist man dankbar, wenn es eine öffentliche Toilette in der Nähe gibt. Aber das ist beileibe nicht überall der Fall. Und wenn man tatsächlich ein WC findet, heißt das nicht, dass alle Probleme gelöst sind.

Sie hat offensichtlich keine Zeit zu verlieren. Schnellen Schrittes eilt eine Mutter in Richtung der Toiletten im Maximilian Center in Wörth. An der Hand hat sie ihre kleine Tochter, das Mädchen ist vielleicht sieben Jahre alt. Dass es bei der Kleinen dringend ist, sieht man auf den ersten Blick. Und dann das: Keine der vier Toiletten bei den Damen steht für eine schnelle Rettungsaktion zur Verfügung. Eine ist besetzt, an einer anderen sticht ein dickes „Defekt“-Schild ins Auge. An den beiden anderen Toiletten sind die Türen dermaßen verzogen, dass sie sich selbst von einem austrainierten Schwergewichtsringer nicht so ohne Weiteres schließen lassen. Entsprechend gereizt ist die Mutter. Gut, bei einem Kind lässt sich das Problem lösen. Tür zuhalten, Geschäft erledigen – fertig. Aber grundsätzlich betrachtet ist der Zustand der Toiletten ein Ärgernis.

Bei den Herrentoiletten sieht es nicht viel besser aus, wie uns ein verärgerter Leser mitgeteilt hat. Er habe in den vergangenen Monaten zwei Mal das WC im Maximilian Center aufsuchen müssen. Beide Male habe er keine der drei Kabinen im Herrenbereich nutzen können. Aus unterschiedlichen Gründen, die nicht alle appetitlich sind.

Selbstversuch. Mittwochvormittag. An der Tür hängt ein Zettel mit dem Hinweis, dass Reinigungspersonal gesucht wird. Gut, Personal wird überall gesucht. Die beiden WC-Räume des Herrenreviers sind einigermaßen sauber. Kein Problem. Von den drei Kabinen ist nur eine zu hundert Prozent einsatzfähig. An der mittleren Tür fehlt der Schnapper, aber sie lässt sich abschließen. An der dritten Kabine fehlt die Tür in Gänze, also zum Gebrauch eher nicht zu empfehlen.

Und dann auch noch ein Knöllchen

Tja, die Suche nach einer öffentlichen Toilette ist ein leidiges Thema. Wer könnte nicht aus eigener Erfahrung einen Beitrag dazu leisten? In der vergangenen Woche erhielten wir eine E-Mail von Christine Dähmlow, die in Germersheim verzweifelt auf der Suche nach einer solchen Einrichtung war. Eine Toilette fand sie nicht, aber dafür erhielt sie ein Knöllchen. Wie sie berichtete, parkte sie ihren Wagen auf dem Parkplatz des Einkaufszentrums, weil sie ganz dringend aufs stille Örtchen musste. Sie vergaß deshalb auch, eine Parkscheibe hinter die Windschutzscheibe zu legen. Vergeblich suchte sie im Einkaufscenter eine öffentliche Toilette. Von den Mitarbeitern der Einkaufsmärkte und der Restaurants sei sie unfreundlich abgewiesen worden, schreibt sie. Als sie völlig verzweifelt zu ihrem Auto zurückkehrte, erwischte sie einen Mitarbeiter des Unternehmens Parkraumservice dabei, wie er ihr Auto filmte und ihr einen Strafzettel hinter den Scheibenwischer klemmte. „Ich redete freundlich mit ihm. Er verwies mich auf die Hotline des Unternehmens und sagte, dass er die paar Minuten – er wusste genau wie lange das Auto stand – nicht aus seinem Handy nehmen könne. Was sind das für Methoden?“, fragt sich Frau Dähmlow. Und was ist das für ein Einkaufszentrum, in dem es keine öffentliche Toilette gibt?

Auf die Toilette gehen zu wollen, ist ein grundlegendes menschliches Bedürfnis. Ein grundsätzliches Recht auf eine öffentliche Toilette gibt es dagegen nicht. In Rheinland-Pfalz sind Kundentoiletten für Einzelhandelsmärkte nicht vorgeschrieben. Anders sieht es in der Gastronomie aus. Überall dort, wo Alkohol ausgeschenkt wird, sind Kundentoiletten Pflicht.

Toilette im Bürgerpark bald wieder geöffnet

Und auch im sogenannten öffentlichen Raum gibt es keine einheitliche Regelung. Manche Kommunen halten öffentliche Toiletten für einen unverzichtbaren Service, andere verzichten gerne darauf, schon allein aus Kostengründen. Just in dieser Woche hat der Stadtrat Wörth beschlossen, die bestehenden Toilettenanlagen wieder der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. In einem ersten Schritt soll die Toilettenanlage im Bürgerpark, zwischen dem neu eröffneten Spielplatz und dem Pavillon, wieder nutzbar gemacht werden. Weitere sollen folgen, etwa am Karl-Josef-Stöffler-Platz. Außerdem wurde die Verwaltung beauftragt, zu prüfen, welche zentralen Toilettenanlagen sich in den verschiedenen Ortsbezirken als öffentliche Toiletten eignen. Vorbildlich! Nicht nur Mütter mit kleinen Töchtern werden den Stadträten für diese Initiative danken.

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