Kreis Germersheim Teure Übergangslösung

91-81528171.jpg

Lautstark haben Schüler, Eltern und Lehrer Anfang März vor der Verbandsgemeindeverwaltung demonstriert. Mit der Protestaktion wollten sie ihrem Ärger darüber Luft machen, dass Schüler der Integrierten Gesamtschule (IGS) Kandel seit Anfang 2013 in Containern unterrichtet werden müssen. Hintergrund sind gravierende Brandschutzmängel, die Ende 2012 bei einer Kontrolle aufgefallen waren. Daraufhin mussten 13 Klassenzimmer im Altbau geräumt werden. Der Landkreis Germersheim hatte die Schule 1995 von der Stadt übernommen. Brandschutzmängel waren zwar bekannt, wurden jedoch nur teilweise behoben. Die Frage nach der Verantwortung für die Mängel und für die Entscheidung, die Baumaßnahmen zu deren Beseitigung abzubrechen, wurde zwischen der Stadt Kandel und dem Kreis hin- und hergeschoben (wir berichteten mehrfach). Inzwischen geht der Blick in die Zukunft: Frühestens 2020 könnte ein Neubau fertig sein, die Baukosten werden mit zirka 15 Millionen Euro angegeben. Allerdings stehen vor dem Baubeginn noch viele bürokratische Schritte, darunter eine europaweite Ausschreibung. Derzeit liegt das Raumprogramm zur Genehmigung bei der Aufsichts- und Dienstleistungsbehörde (ADD), die allerdings Ergänzungen bei der Kreisverwaltung angefordert hat. Doch auch vor Baubeginn kostet die IGS den Landkreis schon Geld. Martin Rothe, Mitglied der erweiterten Schulleitung, weist in einem Schreiben an die RHEINPFALZ unter anderem darauf hin, dass im maroden Verwaltungstrakt immer wieder Verbesserungsarbeiten notwendig sind. Seit drei Jahren würden Monat für Monat „horrende Summen für das Provisorium ausgegeben“, lautet sein Vorwurf. Tatsächlich werden die Kosten für die Überbrückungszeit bis zur Fertigstellung des Neubaus die Millionengrenze deutlich überschreiten, wie eine Nachfrage der RHEINPFALZ bei der Kreisverwaltung ergab. Derzeit fließen 30.000 bis 50.000 Euro jährlich in den Bauunterhalt der IGS Kandel. Das seien allerdings die für den Bauunterhalt üblichen Kosten, heißt es von der Kreisverwaltung. Darin seien auch Renovierungsarbeiten, Arbeiten an einer undichten Fassade sowie die einmalige Trockenlegung von Böden nach einem Wasserschaden inbegriffen. Innerhalb kurzer Zeit mussten zum Jahreswechsel 2012/2013 die Klassenzimmer im Altbau geräumt werden. Für den Brandschutz, die Gerüsttürme am Schulgebäude als zweiter Rettungsweg und für die Herstellung eines Untergrundes für die Container musste der Kreis damals einmalig 400.000 Euro investieren. Für die kommenden Jahre bis zum Neubau rechnet die Kreisverwaltung nicht mit weiteren klassischen Investitionen, sondern eher mit Kosten, „welche sich aus dem laufenden Bauunterhalt ergeben“. Dazu gehöre zum Beispiel der Austausch der Heizungsregelung, die mit zirka 25.000 Euro zu Buche schlagen wird. Extra zu bezahlen sind jedoch seit Anfang 2013 die Container, in denen die Schüler der Oberstufe unterrichtet werden. Diese Kosten für Container belaufen sich pro Monat auf 7400 Euro, schreibt die Kreisverwaltung. Dies sind im Jahr 88.000 Euro. Das macht bis zu einem Umzug in einen Neubau, der frühestens 2020 möglich sein wird, 621.600 Euro. Immerhin scheinen die Energiekosten an der Schule gleich geblieben zu sein: Die Stromkosten seien seit dem Aufstellen der Container, deren Heizkörper mit Strom betrieben werden, um zirka 20.000 Euro im Jahr gestiegen, teilt die Kreisverwaltung mit. Im Gegenzug seien die Kosten für Gas aufgrund der teilweisen Stilllegung der Gebäude um zirka 25.000 bis 30.000 Euro im Jahr zurückgegangen. „Unter dem Strich ergeben sich keine erhöhten Energiekosten.“ Inzwischen stehen auch an anderen Integrierten Gesamtschulen Container, die jedoch moderner und deutlich komfortabler ausgestattet sind. Dies bestätigt die Kreisverwaltung: „Die Container in benachbarten Schulen sind neuer und dementsprechend energetisch etwas besser.“ Allerdings sind die monatlichen Kosten für diese Container auch um ein Vielfaches höher.

x