Bellheim / Germersheim RHEINPFALZ Plus Artikel Suche nach günstiger Energie

Mehrere 100 Grad heiß. Der Brennofen der Emaillierfabrik Schmitt wird gefüttert.
Mehrere 100 Grad heiß. Der Brennofen der Emaillierfabrik Schmitt wird gefüttert.

Nach den Preisen für Gas schnellen auch die für Strom an den Börsen in die Höhe. Bei den Unternehmen in der Region wächst die Unsicherheit. Um die Kostensteigerung abzufedern, werden Alternativen gesucht. Doch der Weg hat Tücken.

Auf ein ungelöstes Problem folgt in der Regel ein neues. Während die Folgen der steigenden Gaspreise längst noch nicht absehbar sind, erreichen die Preise an den Strombörsen in rasender Geschwindigkeit bislang ungekannte Höhen. Für die Unternehmen in der Region ist das einen neue Quelle für Unsicherheiten. „Ich weiß noch nicht, wo die Reise hingeht“, sagt Markus Schmitt vom Emaillierwerk in Bellheim.

Die vorzeitige Kündigung des Stromvertrags hat er gerade auf den Tisch bekommen. Der Lieferant konnte die vereinbarten Preise nicht mehr halten. Um die Produktion zu sichern, muss er einen neuen Vertrag abschließen. „Statt Festpreise zu haben, wäre ich dann von Tagespreisen abhängig.“ Ihm bleibt nichts anderes übrig, als die zu erwartenden höheren Preise zu akzeptieren, sagt Schmitt. „Wir versuchen natürlich wieder, Festpreise zu bekommen, aber da haben wir auch beim Gas nichts gefunden.“

Das Germersheimer Werk von Smurfit Kappa ist, wie die gesamte Wellpappenindustrie, besonders stark von Preissteigerungen getroffen. Seit Ende 2020 ist der Papierpreis massiv gestiegen. „Die dann noch hinzugekommenen Preiszuwächse bei Gas wie bei Strom treffen unsere Branche daher umso empfindlicher, weil sie die Belastungsstufe noch einmal drastisch erhöht haben“, sagt Sabine Egidius vom Verband der Wellpappenindustrie, auf den Smurfit Kappa auf RHEINPFALZ-Anfrage verweist. Die um 85 Prozent gestiegenen Kosten seien nur zur Hälfte an die Kunden weitergegeben worden, sagt Egidius. „Unsere Branche schultert hier also eine erhebliche Last.“ Um die Folgen der steigenden Strompreise zu mildern, soll noch größeres Augenmerk auf „effizientere Technologien“ gelegt werden.

Dürre bremst Wasserkraft

Mit einem eigenen Wasserkraftwerk ist das Bellheimer Emaillierwerk eigentlich zu einem gewissen Teil unabhängig von der Preissteigerung am Strommarkt. Gewöhnlich deckt das eigene Kraftwerk einen großen Teil des nötigen Energiebedarfs für die Produktion. Und an den Wochenenden wird die erzeugte Energie sogar in das Stromnetz gespeist. Doch die Turbine ist derzeit kaum im Einsatz. „Ende August ist die zum ersten Mal wieder 24 Stunden durchgelaufen.“ Dies war zuvor für mehr als einen Monat nicht möglich.

„Die nötige Wassermenge ist seit Wochen nicht mehr da“, sagt Schmitt. Durch die geringen und lange ausbleibenden Niederschläge führt der Fluss kaum Wasser. Hinzu kommt, dass zwischen Juli und August die sogenannten Wässertage festgelegt sind, an denen zur Bewässerung der Felder Wasser entnommen werden kann. „An den Wässertagen lassen wir die Turbine auch sonst immer mal wieder aus“, sagt Schmitt. Dass die eigene Stromerzeugung aber für einen solch langen Zeitraum stockte, sei selten.

Kaum Alternativen

Schmitt versucht derzeit, Alternativen zu finden. „Ich habe noch ein Hallendach frei, und wir überlegen unsere Photovoltaik-Anlage zu erweitern.“ Doch die Pläne geraten derzeit ins Stocken. „Da müssen Sie erstmal eine Firma finden. Ein Handwerker sagte mir, vielleicht können wir 2024 mit dem Bau beginnen.“ Um die aktuellen Probleme zu lösen, sei das viel zu spät, sagt Schmitt ernüchtert. „Selbst wenn wir oder andere was tun wollen, das funktioniert nicht.“ Zu sehr sei das Handwerk derzeit von Lieferengpässen und Personalmangel betroffen.

Möglichkeiten zum Energie sparen, sieht Schmitt kaum noch. „Wer in den letzten Jahren nicht schon alles an unnötiger Energie eingespart hat, hat unternehmerisch etwas falsch gemacht.“ Um Fixkosten zu sparen, habe jeder Unternehmer den effizienten Energieeinsatz „auf dem Schirm“ haben müssen. „LED-Lampen und Röhren haben wir lange schon installiert.“ Natürlich könne in seinem Unternehmen trotzdem noch an der ein oder anderen Stelle eingespart werden. Im Emaillierwerk wurde dazu jüngst auf einer eigens einberufenen Mitarbeiterversammlung über Möglichkeiten des Energiesparens diskutiert.

Geringes Einsparpotenzial

Doch den Computer oder das Licht über die Mittagspause auszuschalten, bringe nur ein geringes Einsparpotenzial, sagt Schmitt. Zudem seien Dinge wie eine bestimmte Lichtmenge über die Arbeitsschutzvorschriften vorgegeben. Für größere Lösungen beim Energiesparen fehle es wieder an anderer Stelle. „Für neue Fenster brauche ich Handwerker und die bekomme ich kaum“, sagt Schmitt. „Ich muss in den sauren Apfel beißen. Es bleibt nur Preissteigerungen oder Marge reduzieren“, sagt Schmitt. Die Kostensteigerungen seien allerdings hoch. „Das ist nicht abzufangen über meine Marge.“ Für ihn ist daher jetzt schon klar: „Ohne eigene Preissteigerungen wird es nicht gehen.“

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