Maximiliansau
Stromnetzausbau: Mehr Leistung, weniger Schwankungen
Wer derzeit mit Auto oder Fahrrad zwischen Maximiliansau und dem Hagenbacher Kreisel unterwegs ist, bekommt spektakuläre Bilder zu sehen. Auf beiden Seiten der Straße stehen meterhohe Gerüste, über die Fahrbahn wurden Netze in verschiedenen Farben gespannt. Immer wieder sind Arbeiter zugange, die mit riesigen Trommeln, auf denen dicke Seile aufgerollt sind, hantieren. Einige Meter entfernt werden Fundamente betoniert und schwere Stahlträger zusammengebaut. Ganz in der Nähe verläuft die Bahnstrecke von Wörth in Richtung Lauterbourg, auch über deren Gleise sind Netze gespannt.
Aber was passiert hier in der Nachbarschaft der Umspannanlage Maximiliansau? Die nördliche Einführung der Leitung in die Umspannlage werde umgebaut, informiert der Stromnetzbetreiber Amprion. Begonnen haben die Arbeiten Ende April und dauern werden sie voraussichtlich bis Oktober. „In dem Zeitraum demontieren wir zunächst die bestehenden Maste und bauen anschließend drei Maste neu in diesem Abschnitt“, sagt Janina Heidl, Projektsprecherin Rheinland-Pfalz und Saarland der Amprion GmbH.
Amprion mit Sitz in Dortmund ist einer von vier Übertragungsnetzbetreibern in Deutschland und für das 11.000 Kilometer lange Höchstspannungsnetz zuständig, mit dem Strom von der Nordsee bis zu den Alpen transportiert wird. „Unsere Leitungen sind Lebensadern der Gesellschaft: Sie sichern Arbeitsplätze und Lebensqualität von 29 Millionen Menschen. Wir halten das Netz stabil und sicher – und bereiten den Weg für ein klimaverträgliches Energiesystem, indem wir unser Netz ausbauen“, teilt Amprion mit.
Um dem stetig steigenden Stromverbrauch und der Flexibilität Rechnung zu tragen, baut Amprion derzeit im Auftrag des Bundes überall Stromtrassen aus. So verstärkt Amprion auf einer Länge von rund 76 Kilometern die Stromleitung zwischen den Umspannanlagen im südhessischen Bürstadt und der Umspannanlage Maximiliansau: „Durch die Netzverstärkung zwischen Bürstadt und Maximiliansau erhöhen wir die Übertragungskapazität im Dreiländereck Rheinland-Pfalz, Hessen und Baden-Württemberg. Bereits heute ist das Stromnetz dort stark ausgelastet. Um Engpässe zu vermeiden oder zu beheben, müssen die Netzbetreiber in den Netzbetrieb eingreifen.“ Dabei wird der bestehende Stromkreis mit 220 Kilovolt (kV) auf die Spannungsebene von 380 kV erhöht. „Damit führt die Leitung künftig zwei 380-kV-Stromkreise und kann mehr Strom transportieren. Die Seile können wir auf den bestehenden Masten austauschen, nur in wenigen Fällen müssen wir neue Masten bauen“, teilt Amprion mit.
Drei neue Masten werden gebraucht
Einer dieser wenigen Fälle ist Maximiliansau, denn dort müssen gleich drei neue Masten aufgestellt werden. „Wir demontieren zunächst die bestehenden Maste und bauen anschließend drei Masten neu in diesem Abschnitt. Bisher haben schon erste Arbeiten stattgefunden. So sind die Fundamente der neuen Masten bereits gelegt. Aktuell werden die Seile der Demontagemasten abgenommen“, beschreibt Janina Heidl die laufenden Arbeiten.
Dabei hat die Sicherheit Priorität. Deshalb wurden die Gerüste aufgestellt und die Netze gespannt, sie sollen während der Bauarbeiten die Sicherheit des Straßen- und Bahnverkehrs gewährleisten. Immer wieder wird auch die Straße halbseitig gesperrt, Ampeln regeln dann die Durchfahrt.
Alle 120 Masten auf der Strecke Bürstadt-Maximiliansau wurden in den vergangenen Monaten baulich und statisch überprüft. „So haben wir ermittelt, an welchen Stellen wir Masten im Zuge der Seilauswechslung verstärken müssen“, so Heidl. Seit Anfang Juni läuft nun der aufsehenerregende Teil der Arbeiten, den Amprion so zusammenfasst: „Unsere Freileitungsmonteure bringen zunächst Laufräder an den Traversen der Tragmaste an. An die Abspannmaste liefern wir Seiltrommeln mit dem neuen Leiterseil sowie Seilwinden, mit denen die Seile gezogen werden.“ Das konnte zuletzt mehrfach beobachtet werden. Der Austausch des alten gegen das neue Seil erfolge dann in einem Schritt: Beide werden an einem Ende miteinander verbunden, sodass gleichzeitig das neue Seil aus- und das alte heruntergezogen werden kann. „So stellen wir sicher, dass die Umbeseilung der beiden Stromkreise effizient und ohne größere Störungen ablaufen kann“, informiert der Netzbetreiber, der nach eigenen Angaben rund 2300 Menschen beschäftigt.
Von Maximiliansau fließt der Strom von der Pfalz in eine neue Umspannanlage in Karlsruhe-Daxlanden, die wiederum Teil des Projekts Kühmoos-Maximiliansau ist. Das Umspannwerk Kühmoos liegt im baden-württembergischen Landkreis Waldshut und ist eines der größten Umspannwerke in Deutschland. Der Stromkreis zwischen Daxlanden und Maximiliansau wird von 220 kV auf 380 kV erhöht. Zwischen Kühmoos und Daxlanden zieht Amprion zur Versorgungssicherheit zu einer bereits bestehenden 380-kV-Leitung eine weitere ein.