Kreis Germersheim Straßencafés sollen Hauptstraße beleben
Wird Kandel in den nächsten 10 bis 20 Jahren weiter attraktiv sein? Wie kann die Stadt zukunftsfest gestaltet werden? Im Zuge der Städtebauförderung gibt es dazu bundesweit Projekte. Rheinland-Pfalz ist mit dem Projekt „Aktive Stadtzentren“ dabei. Bis zu 80 Prozent Förderung sind möglich, wenn die Stadt in dieses Förderprogramm aufgenommen werden sollte.
Mit dem ersten Innenstadtforum startete Kandel am Mittwoch in das auch Innenstadtoffensive genannte Projekt. Bürgermeister Günter Tielebörger und Verbandsbürgermeister Volker Poß begrüßten im Kultursaal der Stadthalle 40 interessierte Bürger, etwa ein Drittel von ihnen gaben an, Geschäftsinhaber und Eigentümer zu sein. Stadtplaner Michael Kleemann von der Firma Stadtimpuls aus Landau erläuterte das Förderprogramm und stellte Schwerpunkte dar. Parkplätze, Schulen und Volkshochschule, WiFi-Hotspots, Ladestationen für E-Bikes und Elektroautos, Imagepflege, Baukultur, Sauberkeit oder Barrierefreiheit kamen als Stichworte spontan von den Forum-Teilnehmern. „Ist das Band der Hauptstraße so stabil, dass es in den nächsten zehn Jahren hält?“, das warf Uwe Weibel in die Runde. Werner Esser befürchtet, wenn noch mehr Handelsketten in den Außenbereichen entstünden, dann hätten es die inhabergeführten Geschäfte in der Innenstadt schwer. Judith Vollmer sieht Herausforderungen für den Einzelhandel in kleinen Geschäftsräumen oder Zugängen über Treppen. Volker Blatsch indes sieht die Geschäfte vor allem durch den Internethandel herausgefordert. Er könne sich einen Online-Marktplatz als gemeinsame Aktion vorstellen. Aber Kleemann warnte, Online-Handel mit der erforderlichen Logistik könne nicht von kleineren Geschäftsleuten geleistet werden. „Einheitliche Öffnungszeiten“, wäre für eine Forum-Teilnehmerin in erster Linie wichtig. Als eine Stärke von Kandel nannte Esser beispielhaft „da gibt’s Schuhe in besonderen Größen“. Denn die Einzelhändler könnten viel individueller beraten und bedienen. „Aktivierendes Bummeln“ nannte Kleemann in der Projektsprache die Möglichkeiten von Kandel. Was fehle, seien beispielsweise Straßencafés, auch Weibel fand, „beim Leben auf der Straße geht noch was“. Esser vermisst den Blumenschmuck, der die Hauptstraße vor Jahren noch zierte. „Wenn sich Eigentümer keine Gedanken um die Nachfolge machen, dann stirbt die Hauptstraße“, sagte Buchhändler Guido Pausch. Er sieht deshalb das „Herz von Kandel“ schon in fünf Jahren nicht mehr so wie heute. Als Esser auf fehlende Radparkplätze und öffentliche Toiletten verwies, konnten sich die Forum-Teilnehmer auf diesen Schwerpunkt im Innenstadtbereich schnell einigen. Sabine Bock verwies auf Mängel in der Beschilderung von Radwegen und begrüßte den Hinweis auf Picknickbänke für Radfahrer. Die Bürgermeister Tielebörger und Poß zeigten sich beeindruckt von den Vorschlägen und verwiesen auf Plätze in der Stadt, die ebenfalls noch mehr belebt werden könnten. Schon am Dienstag, 4. Juli, ist die nächste Zusammenkunft von Bürgern und Akteuren unter dem Titel „Zukunftswerkstatt“. Nach der Sommerpause stehen drei Workshops an, in denen mögliche Maßnahmen weiter vertieft werden. Anfang Oktober soll es eine zweite Zukunftswerkstatt geben und Ende des Jahres soll der Maßnahmeplan stehen, mit dem Kandel sich für das Innenstadtprojekt bewerben will. Bevor im Juni 2018 das Gesamtkonzept an das Land eingereicht wird, wird es noch ein zweites Innenstadtforum und einen Blog geben, kündigte Kleemann an.