Wochen-Spitzen Steinzeit in der sich digitalisierenden Welt
Sparkasse: Mehr Beratung, mehr online
Die Sparkasse Germersheim-Kandel schließt zum 1. Juli etwa ein Drittel ihrer 26 Geschäftsstellen. Keine frohe Botschaft für die Kunden des Geldinstituts in den betroffenen neun Orten. Den Rückzug mag man bedauern, allerdings folgt die Sparkasse einem seit Jahren sich verstärkenden Trend. Und der führt die Kunden nun mal übers Internet in ihre Bank, die zunehmend auf Beratung setzt, auch auf elektronischem Weg. Die Kunden haben es in der Hand, ob die Sparkasse irgendwann ihren Slogan „Wenn’s um Geld geht“ in „Wenn’s um Beratung geht“ ändern muss. Geld hat inzwischen fast jeder auf seiner Plastikkarte, mit der man an fast jeder Ladenkasse bezahlen kann. Größere Supermärkte zahlen sogar Geld aus.
Im weltweiten Netz haben sich alle möglichen Informationen, Beratungs- und sonstige Angebote verfangen. Davon können auch Mediziner ein Lied singen, die sich zunehmend gut vorabinformierten Patienten gegenüber sitzen sehen. Gleichsam ziehen sich auch die Ärzte, von Bäckern und Metzgern sowie anderen Anbietern ganz zu schweigen, seit Jahren aus der Fläche zurück, lassen sich, so wie das viele Bürger tun, nach Möglichkeit in zentral gelegenen größeren Orten nieder. Wobei auch die dort Niedergelassenen, hier sind jetzt weniger die Ärzte gemeint, zunehmend unter der Online-Konkurrenz ächzen.
Es ist ja auch sehr bequem, alle möglichen Dinge von zuhause aus erledigen und bestellen zu können. Von Amazonisierung ist hier im Hinblick auf den Online-Handelsgiganten die Rede. Das ist jedoch eine zweischneidige Sache: Wie trostlos Innenstädte ohne Läden sind, konnte man, wenn man sich in den vergangenen Wochen in die „Einkaufsstraßen“ der Südpfalz verirrte, gut sehen. Jetzt, da die Corona-Beschränkungen gelockert werden, kehrt das bunte Leben allmählich zurück. Dass man weiterhin vorsichtig sein muss und die Gaststätten noch geschlossen sind, wo man sich früher so gerne mit Familienangehörigen, Freunden und Bekannten zusammensetzte – das ist leider so.
Aber wenn sich der Trend ins Internet weiter fortsetzt, dann braucht es künftig weniger Fachberater in den weniger werdenden Läden – kein Schwätzchen, kein Lachen. In der Regel schlechter ausgebildete und bezahlte Lagerarbeiter und Paketboten dafür umso mehr. Und die Innenstädte würden veröden. Lebensqualität, Flair ginge verloren.
Um noch einmal auf die Sparkasse zurückzukommen – ein Dorf kann sich doppelt freuen: Schaidt. Hier werden die Öffnungszeiten ab 1. Juli um zwei Stunden verlängert. Damit hat die Teilzeitgeschäftsstelle künftig an zwei Tagen geöffnet, statt an nur eineinhalb wie bisher.
RHEINPFALZ: Ohne Bezahlung, keine gute Zeitung
Wie wichtig den Menschen im Kreis „ihre“ Sparkasse ist, haben die hohen Lesewerte des Artikels gezeigt, sowohl in der Zeitung, als auch online. Eine Frau, die den Bericht auf Facebook gelesen hat, wünschte indes: „Wär super, wenn man den Beitrag lesen könnte, ohne zahlen zu müssen.“ Denn: „Es gibt Berichte, die sind für einen Großteil der Online-Leser wichtig, und es gibt welche, die es nicht sind. Und immer sind die Unwichtigen kostenlos bis zum Ende verfügbar und die Wichtigen nicht.“ Eine andere Leserin gab ihr recht: „Stimmt!“ und postete zudem „Daumen hoch“. „Wäre super, wenn du mich bezahlen würdest, ohne dass ich arbeiten muss. ;)“, entgegnete ein anderer Facebook-Nutzer. Zugegebenermaßen ein RHEINPFALZ-Mitarbeiter. Denn: „Wenn jeder die Texte der RHEINPFALZ kostenlos lesen kann, bekommt der Verlag kein Geld und kann mich nicht mehr bezahlen. Kurz danach gibt es dann gar keine Berichte mehr.“ Und das kann niemand wollen.
Schlange: Mit Stein des Anstoßes
Steinschlangen schlängeln sich dieser Tage durch viele Gemeinden. Gewaltige Ausmaße hat das Exemplar aus Neuburg angenommen. An die 900 Steine zählte sie am Anfang der Woche. Sicherlich ein Spitzenwert! Und sie wächst weiter, berichtet Sabrina Lehwald. Vom Eingang des Dorfplatzes bis fast zum Brunnen reicht der bunte Lindwurm und erfreut alle – na ja, fast alle. Toll ist auch: Alle machen mit! Alle malen. Auch das Seniorenheim macht mit! Zahlreiche Steine zeigen tolle Motive, die zur kleinen Gemeinde passen. Sabrinas Ehemann Markus Lehwald hatte die Idee und ist, wie seine Frau, fleißig am Bemalen der Steine. Die Kinder Mia Marie (6) und Marlon Max (4) helfen natürlich fleißig mit – ebenso Jessika Zoller und ihre Tochter Lynn – damit das „Tier“ in Form bleibt. Auch das ist einfach spitze! Die bunten Farbkleckse am Dorfplatz sollen für Kinder, Spaziergänger oder sonstige Neugierige eine willkommene Abwechslung in dieser Zeit der Entbehrung sein – so die Hoffnung der Initiatoren. Doch leider scheint nicht jeder das künstlerische und soziale Engagement zu schätzen. In der Nacht zum vergangenen Sonntag mussten die Schlangen-Künstler feststellen, dass ihr Projekt teils zerstört wurde. Und das ist natürlich überhaupt nicht spitze. 20 Steine wurden entwendet – dafür wurde ein Stein dazu gelegt, der so gar nicht zu den anderen passte. Sabrina Lehwald war entsetzt über die Zeichnung, deren körperliche Darstellung eher in den Bereich „Frei ab 18 Jahren“ gehört. Doch dank gemeinsamer Anstrengung konnte die Gemeinschaft die Schlange reparieren. Und das ist doch schon wieder absolut spitze!
Ein schönes Wochenende
Michael Gottschalk und Markus Burck