Knittelsheim RHEINPFALZ Plus Artikel Steinmetzmeister übergibt Familienbetrieb seinem Sohn

Vater und Sohn beim Bearbeiten eines Grabmals: die beiden Steinmetzmeister Stephan (re.) und Marius Hoffmann.
Vater und Sohn beim Bearbeiten eines Grabmals: die beiden Steinmetzmeister Stephan (re.) und Marius Hoffmann.

Was viele Handwerksbetriebe bedrückt und so manchen zur Aufgabe zwingt, ist Grabmale Hoffmann in Knittelsheim geglückt: die Betriebsübergabe an die nächste Generation, die fünfte.

Seit Februar führt Marius Hoffmann den Familienbetrieb. Allerdings helfen sein Vater, Seniorchef Stephan Hoffmann, und seine Mutter Diana, die in der Nachfolge ihrer Schwiegermutter das Büro managt, weiter tatkräftig mit.

Begonnen hat die rund 125-jährige Firmengeschichte gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Damals hat sich der aus Mörlheim stammende Steinmetz Jakob Hoffmann in Knittelsheim niedergelassen und seinen eigenen Betrieb gegründet, in der Ottostraße 3, wo er heute noch ist. 1935 vermachte Jakob ihn seinem Sohn Anton. Der Kriegsgefangene konnte aber erst nach seiner Rückkehr 1947 weiter im Betrieb arbeiten. Anton Hoffmanns Sohn Günter absolvierte seine Steinmetzlehre ebenfalls in der väterlichen Werkstatt. Bald nach den Gesellenjahren wurde er Meister und übernahm 1975 in dritter Generation die Geschäfte. Günter Hoffmanns Sohn Stephan beschloss schon in früher Jugend, den Beruf des Steinmetzes zu ergreifen. Wenige Jahre später erhielt er den Gesellenbrief und die Auszeichnung als Landessieger im Steinbildhauerhandwerk. 1993 bestand er die Meisterprüfung und binnen fünf Jahren leitete er mit seinem Vater die Firma. Zwischenzeitlich erfolgten einige Umbauten und Erweiterungen. So kam in der Ottostraße ein Gelände mit Halle und Lagerplatz hinzu. Außerdem war das Büro zeitweise in einem Haus an der Hauptstraße untergebracht. Ab 2008 trug Stephan Hoffmann die alleinige Verantwortung für den Traditionsbetrieb, erzählen Diana und Marius Hoffmann.

Juniorchef Jahrgangsbester

Letzterer begeisterte sich ebenfalls früh fürs Handwerk seiner Vorväter, das er nach dem Abitur erlernte. Seine Gesellenprüfung absolvierte Marius Hoffmann nach eigenen Angaben als Jahrgangsbester, wofür er vom Bundesinnungsverband als Landes- und Bundessieger geehrt wurde. Mit dem Abschluss zum Handwerksmeister und der Zusatzqualifikation zum geprüften Restaurator rundete er sein Profil als Steinmetz und Bildhauer ab. Danach unterstützte er den Vater im Betrieb, den er nun leitet. Marius’ jüngerer Bruder Dario hat hingegen einen technischen Berufsweg eingeschlagen.

Gravierend hat sich das alte Handwerk des Steinmetzes laut Marius Hoffmann nicht gewandelt. Nach wie vor wird viel mit Hammer und Meißel gearbeitet. So hat er es gelernt, und so lernt es auch derzeit der Lehrling des Betriebs. Allerdings folgt nach der Ausbildung immer öfter der Griff zum Presslufthammer – Arbeitserleichterung. Dafür wurde in den vergangenen Jahren viel Geld ausgegeben, für einen Lastwagen mit Kran zum Beispiel, sagt Diana Hoffmann. „Um den Beruf weiter ausüben zu können“, ergänzt ihr Sohn. Die Hilfsmittel sollen die schwere Arbeit erleichtern und den stark strapazierten und bisweilen schmerzenden Rücken entlasten. So wird es nach Einschätzung von Diana und Marius Hoffmann zum Problem, „wenn dann manche Gemeinde die Zufahrt zum Friedhof für Steinmetze untersagt“.

Andere Gesteinsarten

Gewandelt haben sich hingegen die Materialien, die bearbeitet werden. Dominierten früher Felsen aus Steinbrüchen in der Region und später auch aus Frankreich, so hat nach Aussage von Diana und Marius Hoffmann besonders die Fülle verschiedener Farben und Maserungen bei Steinen aus fernen Ländern wie Indien und China zu einer Bereicherung geführt. Kein Beruf ohne Bürokratie: „Jeder Grabstein mit genauer Beschreibung muss bei der Gemeinde beantragt und genehmigt werden“, weiß Diana Hoffmann.

Sie stammt ursprünglich aus Bellheim und hat ihren Mann bereits mit 14 Jahren kennengelernt. Nach der Ausbildung zur Hotelfachfrau ist sie dann quasi bei ihrem Mann in die Lehre gegangen: „Ich habe gelernt wie die Steine heißen, habe Kurse besucht und mich fortgebildet für die Bürotätigkeit“, erzählt die 54-Jährige. Sie und ihr ein Jahr älterer Mann wollen zunächst noch etwa fünf Jahre im Betrieb bleiben. „Danach sehen wir, wie es weiter geht.“ Bereits jetzt treten sie etwas kürzer. „Es ist schön, zu sagen, dass man ab 14 Uhr den Nachmittag frei hat für sich.“

Geschäftsfeld erweitert

Davon ist Marius Hoffmann mit seinen 32 Jahren noch weit entfernt. Wenn die Kunden nicht zu ihm kommen, besucht er sie im Umkreis von 20 Kilometern, wobei er manchmal bis Ludwigshafen, Karlsruhe und Neustadt fährt. Vor einigen Jahren wurde das Angebot ausgeweitet, blickt Diana Hoffmann zurück. Hinzu kamen Kaminverkleidungen sowie Restaurierungen etwa von Feldkreuzen, Außentreppen und Sockeln. In den 1970er Jahren wurden laut Marius Hoffmann viele Sandsteinsockel verputzt. Heute wollen die Eigentümer sie wieder sehen und lassen sie freilegen. „Es gibt viele alte Häuser in der Südpfalz, aber nur noch wenige (Handwerksbetriebe; Anm. d. Red.), die das machen.“ Auf Veränderungen verweist der junge Steinmetzmeister auch beim Bearbeiten der Grabsteine, die etwa 80 Prozent des Geschäfts ausmachen. Früher wurden in 90 Prozent der Grabsteine Namen und Lebensdaten eingehauen oder sandgestrahlt. Heute werden in 90 Prozent der Fälle Schriften aus Metall, die er zukauft, aufgesetzt.

Dass die Grabstätten kleiner werden, weiß Diana Hoffmann. „Früher waren Urnengrabstätten eine Kostensache. Heute haben die Leute oft keine Zeit mehr zur Grabpflege.“ Da die Grabstätten oft individualisiert werden, sind die Kosten im Vergleich zu vor zehn Jahren fast gleich, erzählt sie. Da aber die Gemeinde in vielen Fällen die Stelen und Steintafeln besorgt, „bleibt mitunter nur noch die Schrift“. Wobei der Umsatz, zu dem sie keine Angaben macht, dadurch, dass seit einigen Jahren mehr Menschen sterben, in etwa gehalten wurde.

Vom Entwurf bis zur Fertigstellung

Neben Diana, Stephan und Marius Hoffmann arbeiten noch ein Lehrling und zwei Aushilfen im Familienunternehmen mit, so Marius Hoffmann. Zwar wollte man mal noch jemand dazunehmen, „aber das hat nicht geklappt“. Was ihn an seinem Beruf fasziniert? Der Kundenkontakt, die Kommunikation, die Kreativität vom Entwurf bis zur Fertigstellung und dass er abends ein Ergebnis sieht.

Seine Freizeit verbringt Marius Hoffmann gern auf dem Fußballplatz im nahen Bellheim. Dort findet er bei der Torejagd für den „Phönix“ nicht nur seinen sportlichen Ausgleich, sondern auch einen großen Freundeskreis. Den haben auch seine Eltern – und laut Diana Hoffmann nun mehr Zeit, um ihn zu pflegen.

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