Kreis Germersheim „Stadt zur Hilfe überredet“
Auch die Bepflanzung der Äcker hat Einfluss darauf, ob sich nach einem Unwetter Schlammmassen auf die anliegenden Grundstücke ergießen. Das hatten Peter Lauth, Leiter der Verbandsgemeindewerke Kandel, und Volker Poß (SPD), Kandeler Verbandsbürgermeister, erklärt (wir berichteten am 16. Juni). Anwohner der Hubstraße und ein Landwirt haben sich nun in Stellungnahmen an die RHEINPFALZ gewandt. Sie sehen Versäumnisse aufseiten der Stadt.
„Uns gefällt nicht, dass der betroffene Landwirt als Schuldiger dargestellt wird“, schreiben die Anwohner. Dieser habe von den Vorgaben zur Bepflanzung des Ackers nichts gewusst und nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt. „Der betroffene Landwirt war sofort vor Ort und zeigte sich sehr kooperativ, während die Vertreter der Stadt Kandel erst von uns mit Nachdruck zu der Hilfsmaßnahme (Graben und Wall ziehen) überredet werden mussten“, schreiben die Anwohner. „Zunächst machte Herr Bürgermeister Tielebörger die Durchführung der Maßnahmen von unserer finanziellen Mitbeteiligung abhängig“, heißt es in dem Schreiben weiter. „Ohne diesen Graben wären unsere Anwesen am übernächsten Tag durch erneuten Starkregen wieder geflutet worden und hätte weitere erhebliche Schäden an unserem Eigentum verursachen können.“ Durch den Bau des Kindergartens und der Zufahrtsstraße sei der bisher bestehende Sandfang entfernt worden. „Dieser hatte in der Vergangenheit erhebliche Schlamm- und Wassermassen aufgenommen“, schreiben die Anwohner. Außerdem sei während der Bauarbeiten Erdaushub so am Feldrand aufgeschüttet worden, dass der Ablauf der Wasser- und Schlammmassen vom Acker in den Kanal verhindert worden sei. Wasser und Schlamm seien deshalb auf dem Acker geblieben und „flossen über die Schutzmauern, die die Bürger schon in Eigenregie errichtet haben“, in Grundstücke und Keller der nördlichen und südlichen Anwohner, die auf diese Art zum „Auffangbecken“ wurden. „Die Ansicht, dass ’alles besser wird’, sobald das Baugebiet erschlossen und bebaut wird, teilen wir nicht“, schreiben die Anwohner. Sie befürchten, dass sich zumindest während der Bauphase die Situation noch verschlimmern könnte. „Die Verwaltung beruft sich auf die Entspannung der Lage, bezüglich Überschwemmungen in der Saarstraße, durch das Baugebiet ’Am Höhenweg’“, schließt das Schreiben. „Uns gegenüber wird diese Aussage von Anwohnern der Saarstraße dementiert.“ Auch Dietmar Kolb, einer der Pächter am Hügel oberhalb der Hubstraße und SPD-Stadtratsmitglied, kritisiert die Äußerungen von Poß und Lauth. „Man ist immer wieder überrascht, welche enorme Fachkompetenz und Fachwissen der Werksleiter der Stadt Kandel Herr Peter Lauth in Sachen Ackerbau und Viehzucht doch hat“, schreibt Kolb in einer Stellungnahme. „Mein Vorschlag: Herr Lauth pachtet die Ackerflächen hinter der Hubstraße an, beendet die dortige Misswirtschaft der Landwirte und sorgt fortan für eine flut- und schlammfreie Bewirtschaftung. Damit wären dann offensichtlich alle Probleme ein für alle Mal gelöst!“ Sein Schreiben schließt mit den Worten: „Vielleicht fließt das Wasser dann ja sogar den Berg hoch ...“ |rhp/tnc