Kreis Germersheim
Spam-Mails einfach löschen
Nicht reagieren und die Mails löschen. Am besten noch den gelöschten Ordner löschen. Das ist der Rat, den Kriminalhauptkommissar Thomas Groß denen gibt, die sogenannte Spam-Mails erhalten. 238 Fälle mit dem Tatmittel Internet wurden vergangenes Jahr bei der Polizei im Landkreis angezeigt.
Anfang Mai fand Volker Sayn aus Germersheim in seinem Mailordner eine E-Mail vor, von der er glaubte, dass sie von seinem Freund aus Leimersheim stammte. „Den Link hatte ich (wegen der vermeintlichen Bekanntschaft) leider geöffnet. Er macht unter Hinweis auf Frank Elstners angebliches müheloses Geldverdienen Reklame für Kryptowährung“, wie er sagt. Da ihm die Mail und die ganze Sache seltsam vorkam, hat Sayn seinen Freund in Leimersheim angerufen. Der habe ihm glaubhaft versichert, dass er keinesfalls solch eine E-Mail verschickt habe. Der Germersheimer bemerkte im Gespräch mit seinem Freund und im Zusammenhang mit einer E-Mail, die er ihm schicken wollte, dass dessen Adresse falsch war. Zusätzlich zur falschen Absender-Adresse des vermeintlichen Freundes erschien in einer eckigen Klammer die tatsächliche Absenderadresse – eine Kombination aus Buchstaben und Zahlen mit Landeskennung Polen.
Auf die Kryptowährung habe ich mich natürlich nicht eingelassen, „befürchte aber, dass der Absender mich irgendwie ausspioniert hat“, so Sayn weiter. Außerdem befürchtete er, dass ein Trojaner auf seinem Rechner eingeschleust „oder irgendwelchen Unfug mit meiner Adresse“ gemacht worden war, indem sie für ähnliche E-Mails missbraucht werde. Volker Sayn informierte die Polizei und erstatte Anzeige gegen Unbekannt.
Mails schwierig rückverfolgbar
Die Mail an Volker Sayn war eine sogenannte Spam-Mail, „die zu Hunderttausenden verschickt wird“, sagt Thomas Groß, Kriminalpolizist bei der Polizeiinspektion Germersheim. Anhand der Endung sehe man, dass der Absender wahrscheinlich in Polen sitze. Genau könne man das aber auch nicht sagen. Eine Rückverfolgung sei sehr schwierig, weil diese Art von Mails über Proxyserver umgeleitet werden. „Herr Sayn hat richtig gehandelt, die Mail gelöscht und nicht reagiert“, sagt Groß. „Na ja, so richtig korrekt habe ich nicht gehandelt, schließlich habe ich die Mail ja geöffnet“, sagt Sayn selbstkritisch. Passiert sei ja nichts. Diese Spam-Mails wollen Groß zufolge an die Mail-Adressbücher gelangen, um die Mails weiterverschicken zu können. Vielleicht investiere ja jemand bei dem falschen Kryptowährungs-Broker.
Wer auf den mitgesandten Link klickte, der landete auf einer Internetseite, auf der mit dem Konterfei des Moderators Frank Elstner geworben wurde, der angeblich viel Geld mit der Kryptowährung gemacht habe. Eine Internetrecherche zeigt, dass in einem ähnlich gelagerten Fall Elstner Anzeige erstattet hatte. Damals sei die Betrugsseite in Tschechien registriert, die Seite des Brokers in einem Billighotel in Amsterdam angemeldet gewesen. Eine weitere Spur habe nach Bulgarien geführt und am Ende der Wertschöpfungskette habe eine Firma mit Registrierung auf den Marshall-Inseln gestanden.
112 Fälle von Internetbetrug
Im Landkreis Germersheim sind im vergangenen Jahr bei den Polizeiinspektionen Germersheim und Wörth 238 Strafanzeigen mit dem Tatmittel Internet (Cybercrime) erfasst – 109 in Wörth und 129 in Germersheim. In 112 Fällen der 238 ging es um Internetbetrug oder versuchten Internetbetrug. Insgesamt gab es 1318 Vermögens- und Fälschungsdelikte im Kreis. Im Bereich der BI Wörth stieg die Zahl von 559 Fällen im Jahr 2017 auf 597 im Jahr 2018 an, in Germersheim von 646 auf 721. Die Aufklärungsquote pendelt in den Jahren zwischen 70 und 80 Prozent. Das Erschleichen von Leistungen wie Schwarzfahren schlägt 2018 im Kreis mit 343 Fällen und im Jahr zuvor mit 326 Fällen zu Buche. Die Aufklärungsquote liegt bei fast 100 Prozent. Im Bereich Waren- und Warenkreditbetrug stieg die Zahl der Fälle von 253 aus 290 an. Hier werden Waren im Internet bestellt, bezahlt, der Kunde erhält sie aber nicht oder Kunden bestellen Waren, erhalten sie, bezahlen diese aber nicht (Warenkreditbetrug). Zugenommen hat bei den PIs im Kreis auch die Zahl der Urkundenfälschungen (beispielsweise wenn Kfz-Kennzeichen gefälscht werden): – von 81 (2017) auf 123. Leicht gesunken ist das Deliktfeld mit gestohlenen EC-Karten und dem Geldabheben mit diesen. Hier weist die Polizei darauf hin, niemals die PIN mit der Karte zusammen aufzubewahren. 2017 gab es 50 Fälle im Kreis, 44 im Jahr darauf. Die Aufklärungsquote schwankt zwischen 50 und 25 Prozent.
Tipps des Bundeskriminalamtes
Laut dem Bundeskriminalamt steigen die Fallzahlen im Bereich Cybercrime stetig an, jedoch muss von einem sehr großen Dunkelfeld ausgegangenen werden. Deliktfelder sind unter anderem Identitätsdiebstahl/Phishing; Einsatz von Schadsoftware; digitale Erpressung und mehr. Mit am meisten gibt es Schädigungen durch Spam-Mails oder Scams (Vorschussbetrug) . Ziel ist es, persönliche Daten zu erlangen (Phishing) oder mit Scam-Mails den Empfänger vorzugaukeln, dass sie schnell reich werden können. Generell empfiehlt das BKA:
Trauen Sie Ihrem gesunden Menschenverstand und hinterfragen Sie die Seriosität des Inhalts von Mails.
Antworten Sie nicht auf Spam-Mails. Gehen Sie nicht auf die darin unterbreiteten Angebote ein.
Sollten Sie bereits aufgrund eines solchen „Geschäftes“ Zahlungen geleistet haben und sich betrügerisch geschädigt fühlen, erstatten Sie Strafanzeige bei Ihrer örtlichen Polizeidienststelle.
Sorgen Sie dafür, dass Betriebssystem, Browserversion, Firewall und Anti-Viren-Software Ihrer Geräte stets auf dem neuesten Stand sind, indem Sie Ihre Soft- und Firmware regelmäßig aktualisieren.
Öffnen Sie Anhänge und folgen Sie Links nur, wenn diese aus vertrauenswürdiger Quelle stammen
Arbeiten Sie bei Bank-Transaktionen mit der Zwei-Faktoren-Authentifikation.