Kreis Germersheim Sonntags nimmt Ausflugsverkehr in Schaidt überhand

Nicht nur in der Schaidter Hauptstraße (unser Bild) klagen die Anwohner über Lastwagen und Ausflugsverkehr.
Nicht nur in der Schaidter Hauptstraße (unser Bild) klagen die Anwohner über Lastwagen und Ausflugsverkehr.

Das Überqueren der Hauptstraße in Schaidt ist laut Ortsvorsteher nur unter „Todesgefahr“ möglich. Die Gemeinde fühlt sich von Landes-, Kreis- und Stadtverwaltung im Stich gelassen.

Kritik, Wut und Galgenhumor prägten eine emotionale Sitzung des Ortsbeirates Schaidt am Mittwochabend. Besonders als es um das Thema Verkehrskonzept ging, teilten die Ratsmitglieder aus. „So ist es nicht mehr hinnehmbar“, beschrieb Ortsvorsteher Kurt Geörger (Interessengemeinschaft parteiloser Bürger aus Schaidt) die Situation. Er erntete Applaus von den zahlreichen Besuchern der Sitzung. Es müsse jetzt etwas unternommen werden. Unter „Todesgefahr“ habe er vor wenigen Tagen sein Fahrrad über die Hauptstraße geschoben. Am Sonntag sei es besonders schlimm gewesen, bestätigen spätere die Anwohner. Nach den Weinfesten sei der Ort voll „Rückreiseverkehr“.

Immer wieder auch Beinahe-Unfälle

Aber auch ansonsten werde gerast, so der Vorwurf. Beinahe-Unfälle gebe es immer wieder. Alle Vorschläge Schaidt sicherer zu machen, seien vom Landesbetrieb Mobilität (LBM) abgeschmettert worden, so die Kritik aus dem Rat. Bei übergeordneten Straßen bestimmt der LBM über die Durchführung von Maßnahmen.

Verantwortliche als "Betonköpfe" und "Politikernasen" bezeichnet

„Mich wundert, dass in Schaidt noch keiner unter einem Lastwagen gestorben ist“, sagte Thomas Krämer (Grüne) und bezeichnete die Mitarbeiter des LBM als „Betonköpfe“. Ortsbegehungen von „Politikernasen“ brächten nichts, wenn nicht auch etwas passiere, so Krämer. Ein Konzept wurde von einer Arbeitsgruppe erarbeitet, 37 Seiten stark. „Wir brauchen aber jemanden, der auf Augenhöhe mit dem LBM sprechen kann, der die Paragrafen kennt“, erklärt Geörger. Die Verwaltung soll einen solchen Fachmann bestellen, so der einheitliche Wunsch aus dem Gremium. Da jedoch kein Geld dafür im Haushalt eingestellt ist, müsse dies erst in die Haushaltsplanungen aufgenommen werden und dann für den Doppelhaushalt 2019/2020 eingestellt werden, erläuterte Michael Frey von der Stadtverwaltung Wörth. Zahlreiche Besucher der Sitzung quittierten dies mit Gelächter.

Kritik an Kreisverwaltung

Beim Zustand der Waldstraße zielte die Kritik auf die Kreisverwaltung. Die Straße, die aus Schaidt in Richtung L545 führt, ist eine Kreisstraße. „Uns ist klar, dass dies nicht die am stärksten befahrene Straße im Kreis ist“, erklärte Geörger. Dennoch sei sie so marode, dass sie eine Gefahrenquelle darstelle, gerade für Fahrradfahrer und Fußgänger. Landrat Fritz Brechtel (CDU) habe schon mehrfach bei Besuchen in Schaidt zugesagt, dass etwas getan werde, aber getan hat sich nichts, so der Tenor im Rat. Die Straße müsse nicht in ihrer kompletten Länge neu gemacht werden, nur da, wo es am schlimmsten sei.

Straße und Kulturhalle

Germersheim ist weit weg“, sagte Peter Gast (IG Parteiloser), daher sei es wichtig immer wieder aufmerksam zu machen. „Wir haben 2015, 2016 und 2017 an den Kreis geschrieben“, erklärte Frey für die Stadtverwaltung. Und auch 2018 könne die Verwaltung dies tun. Bittere Lacher im Saal. Bedenken, die Straße könne gerade saniert sein, wenn die Lastwagen für den Bau der Kulturhalle anrücken und so die Straße erneut beschädigen, teilte Geörger nicht. Er habe keine Bedenken, dass die Straße vor der Halle fertig wird, so der Ortsvorsteher mit spöttischem Unterton.

Geld steht zur Verfügung, aber es dauert ewig

Denn auch in Sachen Kulturhalle geht es dem Rat nicht schnell genug. Alleine Änderungswünsche in Sachen Garderobe – sie war vom Architekturbüro zu klein geplant – haben 6 Monate gedauert, so der Ortsvorsteher. Der Baubeginn ist weiter unbekannt. „Ich kann es nicht verstehen und will es nicht verstehen, dass man so lange benötigt“, so Geörger wütend. „Das stört mich an Deutschland. Das Geld steht zur Verfügung, aber es dauert ewig“, sagte Herbert Hauck (SPD). Damit es weiter geht, bewilligten die Ratsmitglieder einen Änderungsplan zum Bebauungsplan „Sportzentrum“.

Industrie- und Gewerbegebiet Schaidt

Und dann wäre da noch das geplante Industrie- und Gewerbegebiet Schaidt. „Den Älteren unter uns ist dieses Gebiet noch in Erinnerung“, verwies Geörger auf die langjährige Geschichte. Die Nachfrage sei vorhanden, Gast spricht von 5 Unternehmern die Interesse hätten. Die Pläne seien da gewesen, doch „die Verwaltung lässt uns hängen“, so Dieter Völkel (CDU) in Richtung der Stadt. Das Gelände sei nun so verwildert, dass die Wildschweine bis in den Ort kommen. Frey betonte, dass die Vermarktung bei der Grundstücksverwaltungsgesellschaft Wörth liege. Eine Vermarktungsstudie solle 2018 fertig sein.

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