Kreis Germersheim Skepsis gegenüber Versprechen spürbar
Das im benachbarten Lustadter Wald geplante Geothermie-Kraftwerk (wir berichteten) beunruhigt auch Westheimer Bürger: Beim Bürgergespräch am Mittwoch, an dem 50 Personen, darunter auch Bürger aus Nachbargemeinden, teilnahmen, war der Informationsbedarf so groß, dass der Zeitrahmen von zwei Stunden um 30 Minuten erweitert werden musste. Außerdem soll ein weiterer Bürgerdialog im Dorf stattfinden. Vertreter der Deutschen Erdwärme (DE) GmbH und Co. KG sind auch bei der Ratssitzung am 20. März anwesend.
Ortsbürgermeisterin Inge Volz (SPD), die Informationen über das Vorhaben lange Zeit nur aus der RHEINPFALZ bezogen und deshalb die DE kritisiert hatte, betonte: „Wir wollen uns aufklären lassen.“ DE-Geschäftsführer Lutz Stahl war von der Resonanz beeindruckt: „So ein gut besuchtes Bürgergespräch hatten wir bisher noch in keiner Gemeinde.“ Er stellte das Projekt, eine Anlage mit zwei Bohrungen in 3000 Metern Tiefe, vor, informierte, dass Strom oder Wärme gewonnen werde, und die DE mit Kommunen zusammenarbeiten wolle. Stahl bat um Verständnis, nicht alle Fragen beantworten zu können, da sich das Projekt noch in einer frühen Phase befinde. Er forderte Bürger auf, „im Dialogverfahren erst zuzuhören“, wies auf große Technikfortschritte hin und bescheinigte Anlagen in Bayern „gute Zuverlässigkeit.“ Auf Anfrage eines Bürgers sagte Stahl, dass 80 bis 120 Liter Wasser pro Sekunde aus dem Untergrund gezogen und wieder hineingepresst würden. Bis Ende des Monats solle der Anlagenstandort eingegrenzt werden. Die Attraktivität des Standorts leitet Stahl aus der Nähe zu „großen Wärmekunden im Raum Germersheim/Bellheim“ ab: „Es muss aber der Wunsch der Abnehmer da sein zu wechseln, erst dann wird das Netz gebaut.“ „Gibt es schon ein Geothermie-Kraftwerk, das so nahe an einem Kernkraftwerk gebaut wurde?“, wollte ein Bürger mit Verweis auf die Erdbebenfolgen in Landau und die festgestellten Mängel in Philippsburg wissen. Laut Stahl ist das in Belgien der Fall. Die Wahrscheinlichkeit, dass es zu Schäden komme, liege bei Null. „Null Nutzen für Westheim“ attestierte ein Bürger dem Projekt. Werner Müller, Vorsitzender der BI Landau-Südpfalz und des Bundesverbands „Bürgerinitiativen Tiefe Geothermie“ übte heftige Kritik und verwies auf die durch Erdwärme-Kraftwerke verursachten Erdbeben und Schäden. Müller warf den Befürwortern vor, Beben zu verniedlichen und Energie zu vernichten. Geologe Horst Kreuter von der „GeoThermal Engineering“ GmbH sagte: Nur was an der Oberfläche zu spüren sei und ob es Schäden gebe, sei relevant. Inge Volz betonte, dass Erdbeben Bürgern Angst bereiteten. Stahl räumte ein, dass im Landauer Kraftwerk hoher Druck benötigt worden sei, um Wasser in den Untergrund zu pressen. Künftig werde man „mit verbessertem geologischen Verständnis an die Sache gehen“. Sehr präzise Geräte würden eingesetzt, um Seismizität messen und Spannungen frühzeitig entgegenwirken zu können. Stahl sagte auf Anfrage eines Bürgers, dass Schäden bis zu 50 Millionen Euro versichert seien, und es „einen eigenen Geldtopf“ gebe. „Sie wollen uns mit der Technologie herausfordern“, sagte Angelika Schmitt (CDU), die dem Projekt kritisch gegenüberstand. „Sie gehen das Risiko bewusst ein. Ich kann damit nicht gut schlafen“, sagte eine Westheimerin. „Wir sind die Leidtragenden bei Fehlern“, so ein Bürger. Kreuter dazu: „Alles, was wir tun, wird überwacht, das Kraftwerk vom TÜV abgenommen.“ „Es ist viel passiert, was Bürgern nicht gefallen kann. Viele Häuser wurden beschädigt. Landau ist komplett schief gelaufen“, sagte ein Bürger. Er bat, abzuwarten, ob bei Anlagen mit neuer Technik alles gut gehe: „Lassen uns Sie uns mal fünf bis zehn Jahre, und kommen Sie dann wieder. Wenn alles gut gegangen ist, bohren Sie ihre Löcher.“ Carla Held (SPD/Lustadt) sagte, dass wegen Versorgungssicherheit eine zweite Anlage gebaut werden müsse. „Das gilt für alle Wärmenetze“, erwiderte Stahl. Ein Bürger bezweifelte, dass es Abnehmer für die produzierte Energie gebe. Susanne Grabau (FWG) fragte, ob der Rat ein Mitspracherecht habe. Stahl sagte, dass Gemeinden im Planfeststellungsverfahren beteiligt würden. Verbandsbeigeordneter Peter Beyer (CDU) befürchtete, dass rechtliche Möglichkeiten begrenzt seien. Birgit Vollmer (CDU/Lustadt), die eine Gefährdung des Grundwassers nicht ausschloss, nannte es „Augenwischerei“, dass die Anlage mit billigem Industriestrom betrieben und die produzierte Energie für 25 Cent ins Netz eingespeist werde. Geothermie im Oberrheingraben funktioniere nicht. Zu Auswirkungen auf die Umwelt konnte sich Stahl nicht konkret äußern. Zum offenen Bohrloch in Bellheim sagte er, dass das nun verschlossen werde. Anette Kloos (FWL/Lustadt) misstraute Kreuter, weil der für die Firma „Hotrock“ tätig gewesen sei, die Bellheim mit dem Bohrloch alleine gelassen habe. Kreuter betonte, dass er die Firma zuvor bereits verlassen hatte. Und er mit der neuen Firma nun helfe, die Hinterlassenschaften von Hotrock zu beseitigen. |nti