Kreis Germersheim Singend und springend im Politruhestand

Lustadt. Nach 45 Jahren im Gemeinderat hat sich der „eingefleischte Lustadter“ Heinz Butz aus der Kommunalpolitik zurückgezogen.
Heinz Butz hat ein Herz für Kinder: Wenn die Spatzengruppe der „Villa Lustica“ beim Spaziergang durchs Dorf an seinem Haus vorbeikommt, dann eilt er herbei und verteilt „kleine, süße Überraschungen“ unter den Kindern, zu denen auch sein Enkel Noah gehört. Dafür haben sich die Kinder zu seinem 75. Geburtstag mit einem Ständchen bedankt. Butz wird 1939 in Lustadt geboren. 1946 beginnt er mit dem Turnen. Mit 14 Jahren tritt er in den Turnverein ein. Barren und Reck werden zu seinen Lieblingsgeräten. Später wird er Kampfrichter und schließlich von 1978 bis 2005 Vorsitzender des Turnvereins Lustadt. Butz absolviert eine Lehre als Spengler und Installateur. 1969 tritt er als Mess- und Regelmechaniker bei der BASF in Ludwigshafen ein. 1997 geht er als Prozessleittechniker in Frührente. Mit seiner Ehefrau Hannelore, die 2011 stirbt, hat er zwei Töchter, einen Sohn und vier Enkelkinder. Nachdem es Ende der 60er Jahre in Lustadt zu Unstimmigkeiten bei einer Stellenvergabe kommt, formiert sich Widerstand im Dorf. Butz läßt sich als freier Kandidat aufstellen und wird 1969 erstmals in den Gemeinderat gewählt. Als der SPD-Ortsverein gegründet wird, schließt sich Butz ihm an. Politisch geht er beim ehemaligen Bundestagsabgeordneten Max Seither in die Lehre. Von ihm lernt er, dass man sich immer erst informieren und die Motive der Menschen hinterfragen muss. Wichtig sind für Butz dabei stets die Lustadter Bürger. Weil die Kosten einer als überdimensioniert erachteten Wasserleitung einen Bauherren zu ruinieren drohen, stellt sich Butz bei der Abstimmung im Rat gegen die eigene Partei. „Wo ich hab’ helfen können, hab’ ich geholfen. Egal wie.“ Drei oder vier Perioden sitzt er im Rechnungsprüfungsausschuss, was ihm Spaß macht, „weil so in die Öffentlichkeit gekommen ist, was wir für Schulden henn in Lustadt“. Als 1981 der Partnerschaftsvertrag mit Rosny-sur-Seine besiegelt wird, erlebt Butz die Sternstunde seines politischen Lebens, weil aus ehemaligen Feinden Freunde geworden sind. Aber Butz kennt auch im politischen Ruhestand keine Langeweile: Er ist aktives Mitglied im Kirchenchor und im „Liederkranz“. Seit über 40 Jahren macht er außerdem das Sportabzeichen in der Disziplin Geräteturnen und geht „schon seit 1958 bis jetzt auf alle deutsche Turnfeste – ununterbrochen“. Auch als Kampfrichter ist er noch aktiv. Dass das Leben aber dennoch immer für eine Überraschung gut ist, das hat Elisabeth Hoffmann erfahren, als sie Heinz Butz nach dem Tod seiner Frau näher kennenlernte. „Mit derre bin ich jetzt zusammen“, sagt Butz und fügt lächelnd hinzu: „Schreiben sie das nur.“