Kreis Germersheim Senioren im Alter nicht alleine lassen

Der Seniorenbus wird gut angenommen: Fahrer Dusan Sabatus hilft nicht nur beim Einsteigen.
Der Seniorenbus wird gut angenommen: Fahrer Dusan Sabatus hilft nicht nur beim Einsteigen.

Im Alter wird die körperliche Kondition schlechter. Weswegen viele Senioren kein Auto mehr fahren. Doch wie kommt man zu seinen Terminen? Wer fährt, wenn Kinder und Verwandte weggezogen sind? Hilfe bietet in Bellheim der Seniorenbus.

Jeden Donnerstag von 9 bis 18 Uhr fährt der Seniorenbus durch Bellheim. Die Leute werden vor der Haustür abgeholt und dort auch wieder abgesetzt. Jedes Ziel wird angefahren, ob Supermarkt, Friedhof oder Gedächtnistrainingskurs. Auch Ärzte in Speyer, Landau und Kandel sind nicht zu weit entfernt. Am vergangenen Donnerstag rückte der Seniorenbus zu drei Fahrten aus – zum Arzt nach Speyer und Wörth sowie einmal zum Gedächtnistraining in Bellheim. Offiziell fährt der Bus erst ab 9 Uhr, doch wenn er gebraucht wird, fährt er auch mal früher los. So beginnt die erste Fahrt um 8.30 Uhr. Die Seniorin hat alle vier Wochen einen Augenarzttermin und ist froh, dass sie dafür nach Speyer gefahren wird. Der Fahrer begleitet sie darüber hinaus auch ins Wartezimmer und fungiert als Hilfe. „Es ist wirklich schön, dass jemand da ist“, sagt die Bellheimerin. Wegen ihrer schlechten Augen kann sie selbst nicht mehr hinter das Steuer. Sie ist Stammkundin, seitdem sie über Verwandte und das Amtsblatt von dem Seniorenbus erfahren hat. Auch kennt sie den Fahrer Dusan Sabatus seit 49 Jahren. Die gemeinsame Fahrt wird genutzt, um Neuigkeiten auszutauschen. „Man bräuchte so einen Service mehr als einmal die Woche.“, sagt die Seniorin. Denn auch das Fahrradfahren wird aufgrund der schlechten Sehkraft schwierig. Weswegen sie das meiste per Fuß im Dorf erledigt. Dusan Sabatus sagt, dass die älteste Kundin 96 Jahre alt sei und dass die meisten Stammkunden sind. Bei einer neuen Kundin hat sich herausgestellt, dass sie die Geburtsurkunde seines Sohnes ausgestellt hatte. „Man kennt die Leute im Dorf und manchmal findet man sich wieder“, so Sabatus weiter. Meistens finden ein bis zwei Fahrten pro Donnerstag statt, mit jeweils einer Person auf der Rückbank. „Es wäre schön, wenn sich mehr melden würden. Aber vielleicht möchten viele keine fremde Hilfe annehmen und wenden sich lieber an die Kinder“,, mutmaßt der Fahrer des Busses, „Gerade hierbei könnte man die Kinder gut entlasten.“ Denn Dusan Sabatus fährt gerne, selbst wenn es manchmal bis zu 100 Kilometern pro Donnerstag sind. Auch in der Nachbarschaft engagiert er sich. Als gelernter Elektroniker ist er der ehrenamtliche Hausmeister im Block. „Vielleicht hat meine Familie einfach eine soziale Ader. Mein Sohn ist zum Beispiel Sozialpädagoge geworden“, erzählt der Fahrer lachend. Dusan Sabatus fand seinen Rentneralltag, besonders im Winter, zu langweilig und engagiert sich deswegen in der Gemeinde. Er wechselt sich mit insgesamt zwölf ehrenamtlichen Fahrern ab und ist schon von Anfang an mit dabei. Die Fahrer übernehmen auch dienstags die Fahrten zum kommunalen Seniorentreff. Hier kommen alle drei Busse mit je acht Sitzen voll zum Einsatz. Ganze drei bis vier Runden werden gefahren, bis alle zum Seniorentreff transportiert wurden. Das Durchschnittsalter liegt hierbei bei 80 Jahren. „Der Bus ist dann voll und es wird gelacht und gesungen“, beschreibt Sabatus die Fahrten. Den Seniorenbus gibt es bereits seit einem Jahr und er ist zufällig entstanden. Zuvor fuhr ein alter Bus jeden Dienstag zum Seniorentreff. Als neue Busse angeschafft wurden, kamen gehäuft Nachfragen für andere Fahrten. Mit Hilfe der freiwilligen Fahrer wurde daraufhin der Seniorenbus gegründet. Alle drei Monate trifft sich das Team und bespricht die Fahrpläne für die nächsten Monate. Mittlerweile denkt Wörth darüber nach, das Konzept ebenfalls zu übernehmen. Denn mit dessen Hilfe werden Distanzen kleiner und Termine weniger schwierig.

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