NEUBURG RHEINPFALZ Plus Artikel Seit 70 Jahren sind Hüll und Zimmermann in Neuburg singend aktiv

Sängerjubilar Ernst Zimmermann wurde von Günter Westermann gemeinsam mit Sängerkollege Herbert Hüll (v.li.) ausgezeichnet.
Sängerjubilar Ernst Zimmermann wurde von Günter Westermann gemeinsam mit Sängerkollege Herbert Hüll (v.li.) ausgezeichnet.

Im Mittelpunkt einer extra von der Sängervereinigung Neuburg angesetzten Sonntags-Matinee im Bürgerhaus stand die Ehrung von langjährigen Sängern. Herbert Hüll und Ernst Zimmermann haben 70 Jahre Aktivität bei der Sängervereinigung auf dem Buckel und erhielten die Goldene Ehrennadel des Deutschen Sängerbundes vom Vorsitzenden des Kreischorverbandes Südliche Rheinpfalz, Hans Hofmann. Mit 16 Jahren haben sie angefangen zu singen.

„Ihr seid unersetzlich“, sagte der Vereinsvorsitzende Günter Westermann, „gerade, wenn wir nächstes Jahr unser 100-jähriges Bestehen feiern.“

„Mit 14 Jahren musste ich meinem Opa am Sterbebett versprechen, dass ich in der Sängervereinigung singen werde“, erzählt Hüll, der in Neuburg „de Flick“ oder früher auch „Schneider Flick“ genannt wurde. Er hatte das Schneider-Handwerk wie sein Vater gelernt und arbeitete mit ihm zusammen im Geschäft, ehe er zur Deutschen Bahn wechselte. „Donnerstags war ich 16 geworden. Sonntags schmiss mich mein Vater aus dem Bett: Bürschel, du gehst mit in die Singstunde“, erinnert er sich. Seit Beginn singt Hüll im ersten Bass. „Damals waren wir 106 Sänger. Ich habe selten eine Singstunde versäumt. Das hat immer Spaß gemacht.“ Er zählt die zahlreichen Dirigenten auf, die er miterlebt hat: von Karl Lutz über Klaus Ziegler, Ernst Kempf, Gerhard Renz, wieder Ernst Kempf, Willi Heil und Joachim Kuhn bis hin zu Peter Bollheimer, der die Sängervereinigung seit elf Jahren leitet. „Flick“ war auch zehn Jahre Sängervorstand und sechs Jahre erster Vorsitzender. Als Hobbys nennt Hüll das Angeln, das er bis vor Kurzem betrieben hat, sowie Fußball. „Ich habe selbst in Neuburg gespielt, war Schiedsrichter und bin heute noch bei jedem Heimspiel als Zuschauer dabei.“ Mit seiner Frau, die er in Neu-Aubing (Bayern) kennen gelernt hat, als er dort in einer Schneiderei gearbeitet hat, ist er 61 Jahre verheiratet.

Am 21. Februar 1950 mit Hüll eingetreten ist der 85-jährige Ernst Zimmermann. Der ehemalige Gipser singt von Beginn an im zweiten Tenor. Auch er wurde von seinem Vater zur Sängervereinigung mitgenommen, wo er 30 Jahre im Vorstand tätig war. Mit Hüll zusammen war er auch über 25 Jahre Sänger im Kirchenchor. „Ich hatte berufsbedingt nicht viel Freizeit und damit auch nicht viele Hobbys. Ich habe geturnt – aber nicht lange. Jetzt bin ich – wie der ,Flick’ auch – mittwochs beim Rentnertreff.“ Auch er hat in den Singstunden selten gefehlt. „Wer dreimal gefehlt hat, wurde rausgeworfen – so war das früher“, erzählt er. „Wir haben als junge Sänger vorne gesessen und durften uns nicht rumsehen. Da herrschte noch Disziplin“, fügt er an. Jetzt freuen sich beide Jubilare immer noch auf den Stammtisch nach der Singstunde, wo mit Begleitung der Quetschkommode zahlreiche alte bekannte Lieder gesungen werden. „Die Ältesten bleiben meistens am längsten“, fügt Vorsitzender Westermann, Zimmermanns Schwiegersohn an.

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