Kreis Germersheim Schwere Aufgabe: Bau- und Gewerbeflächen ausweisen

Im neuen Flächennutzungsplan (FNP) der Verbandsgemeinde (VG) Bellheim mit dem Zieljahr 2030 will Knittelsheim Bau- und Gewerbeflächen ausweisen. Bei der jüngsten Ratssitzung zeigte sich jedoch, dass die Wünsche der Kommune kaum, bestenfalls nur sehr schwer zu verwirklichen sind. Dennoch: Knittelsheim stellt sich der Aufgabe.
Etwa alle 15 Jahre wird laut Ortsbürgermeister Ulrich Christmann (CDU) der FNP der VG Bellheim neu aufgestellt. Das Planungsbüro Fischer aus Mannheim hat einen Vorentwurf erarbeitet, den Diplom-Ingenieur Peter Fischer dem Rat erläuterte. Fischer betonte, Knittelsheim habe „keine besondere regionalplanerische Funktion“ habe und müsse deshalb bei Wohnbau- sowie Gewerbeflächen „auf Eigenentwicklung abstellen“. Baugelände darf also nur für den örtlichen Bedarf, eine Gewerbefläche nur für bereits ortsansässige Betriebe ausgewiesen werden. Der Planer rechnete vor, dass Knittelsheim, Stand jetzt (Ende des Jahres sollen die Zahlen erneut aktualisiert werden), auch angesichts noch bebaubarer Baulücken nur 0,52 Hektar zusätzliche Wohnbauflächen in den nächsten Jahren ausweisen dürfe. Die Gemeinde hat schon ein Baugelände im Auge: das Gebiet „Im Niedersand“. 2012 verzichtete die Gemeinde vorerst auf diese Fläche, für die sich damals die FWG stark gemacht hatte, zugunsten des aktuellen Baugebiets am Friedhof (wir berichteten). Problem beim „Niedersand“: Wegen eines im Raumordnungsplan eingetragenen regionalen Grünzugs hat sich die bebaubare Fläche inzwischen von 1,7 auf 1,1 Hektar verringert, was Christmann ärgert: „Ich habe einen Hals wie eine Keksdose.“ Ebenfalls ärgerlich für ihn und auch Ratsmitglieder: Die Art, wie die der Gemeinde in den nächsten Jahren zur Verfügung stehende zusätzliche Baufläche ermittelt wurde, welche Flächen in die Rechnung einbezogen wurden. Laut Beigeordnetem Jürgen Gsell (CDU) hat die Gemeinde im Baugebiet „Am Friedhof“ jungen Leuten Bauplätze angeboten, die sie erst in zehn Jahren bebauen müssen. Einzige Möglichkeit, den „Niedersand“ wieder zu vergrößern: ein Zielabweichungsverfahren (ZAV) mit ungewissem Ausgang. Fischer sprach von einer „sehr hohen Hürde“. Dennoch beschloss der Rat 1,5 Hektar im neuen FNP auszuweisen – obwohl die Gemeinde nur 0,52 Hektar ausweisen dürfte. Laut Christmann muss die Flächengröße auch wirtschaftlich sein. Dafür will er mit Bellheim, Ottersheim und Zeiskam darüber zu verhandeln, ob eine Gemeinde einen Teil der ihr zustehenden künftigen Baufläche an Knittelsheim abtritt. Laut Planer ist das möglich. Ein weiteres ZAV ist nötig, um das von der Gemeinde gewünschte Gewerbegebiet zur Weiterentwicklung ortsansässiger Firmen am östlichen Ortsausgang realisieren zu können. Grund: Die Fläche ist als Vorranggebiet für Landwirtschaft ausgewiesen und liegt in einer Grünzäsur. Ein ZAV hatte der Rat bereits im November 2014 mehrheitlich befürwortet. Nun hat der Rat seinen Beschluss bestätigt. Die Gewerbefläche soll ebenfalls in den FNP aufgenommen werden. nti