Wörth/Winden Schneller nach Karlsruhe: Große Baustellen in Wörth

Wenn ein zweites Gleis gebaut werden soll, müsste die Brücke an der Haltestelle Mozartstraße abgerissen werden.
Wenn ein zweites Gleis gebaut werden soll, müsste die Brücke an der Haltestelle Mozartstraße abgerissen werden.

Ein zweigleisiger Ausbau Wörth-Winden würde große Veränderungen in Wörth voraussetzen. Das sagt eine Machbarkeitsstudie. Kosten für die Kommunen: 35 bis 50 Millionen Euro.

Die 13,2 Kilometer lange Bahnstrecke zwischen Winden und Wörth ist ein Nadelöhr für fast alle Südpfälzer, die auf dem Schienenweg ins Oberzentrum nach Karlsruhe wollen. Weil sie nur ein Gleis hat, ist sie zum Beispiel besonders anfällig für Verspätungen: die Folge sind dann verpasste Anschlusszüge am Karlsruher Hauptbahnhof.

Der Hintergrund: Der Abschnitt zwischen Wörth und dem Knotenpunkt Winden wird stündlich von den Linien RE 6 und RB 51 (Karlsruhe/Landau/Neustadt) befahren. Wenn Züge hier Verspätung haben, überträgt sich diese häufig auf Züge der Gegenrichtung, weil die in Winden, Kandel oder Wörth den verspäteten Gegenzug abwarten müssen.

Mit Geld kommt man schneller weiter.
Kommentar

Mit Geld winken

Eine Studie hat nun erkundet, ob der Bau eines durchgängigen zweiten Gleises machbar ist. Auftraggeber ist der Zweckverband Schienenpersonennahverkehr Süd. Das Ergebnis: Der Ausbau der Strecke ist möglich.

Kosten: 255 bis 347 Millionen Euro

Für den Bau des zweiten Gleises müsste auf jeden Fall viel Geld in die Hand genommen werden: rund 150 Millionen Euro – nach heutigem Preisstand. Bis zum denkbaren Baubeginn im Jahr 2034 rechnen die Gutachter – je nach Preissteigerung - mit Kosten zwischen 255 und 347 Millionen Euro.

Müsste bei einem Ausbau ganz verschwinden: der Haltepunkt „Alte Bahnmeisterei“ an der westlichen Ausfahrt des Wörther Bahnhofs.
Müsste bei einem Ausbau ganz verschwinden: der Haltepunkt »Alte Bahnmeisterei« an der westlichen Ausfahrt des Wörther Bahnhofs.

Außer dem zweiten Gleis selbst müssen auch die Bahnhöfe in Winden und in Wörth umgebaut werden: In Winden müssen insgesamt zehn Weichen neu errichtet und drei abgerissen werden, damit alle Bahnhofsgleise an die neue, zweigleisige Strecke nach Kandel angebunden sind.

„Alte Bahnmeisterei“ muss weg

Die größten Bauarbeiten sind aber in Wörth erforderlich: Da der Platz für ein zweites Gleis nicht ausreicht, muss laut Gutachter die Stadtbahn-Haltestelle „Alte Bahnmeisterei“ (in der westlichen Bahnhofseinfahrt von Wörth, errichtet 1997) abgerissen werden. Dort sind auch sieben neue Weichen erforderlich.

Breit und hoch genug: die Brücke am Eselsbuckel.
Breit und hoch genug: die Brücke am Eselsbuckel.

Zu wenig Platz ist auch unter der erst im Jahr 2003 errichteten Fußgängerbrücke an der Stadtbahn-Endhaltestelle und unter der Straßenbrücke der Mozartstraße beim Tennisclub. Beide Brücken müssen „angepasst“ werden – im Klartext vermutlich: abgerissen und mit weiteren Durchlässen neu gebaut werden.

Am Regionalbahn-Haltepunkt „Wörth Mozartstraße“ muss am neuen, zweiten Gleis ein Bahnsteig errichtet werden. In Kandel müsste die Brücke beim Veilchenweg über die Bahn erneuert werden.

Ausnahmen vom Naturschutz erforderlich

Anpassungen sind auch an vier Überführungen und an den Bahnübergängen erforderlich. Laut Gutachter wird im bebauten Gebiet auch Schallschutz erforderlich. Betroffen sind das Naturschutzgebiet „Bruchbach-Otterbachniederung“ und das Landschaftsschutzgebiet „Bienwald“, sodass hier naturschutzrechtliche Ausnahmegenehmigungen erforderlich werden.

Die Bauzeit wird auf drei Jahre geschätzt, zuzüglich Planungs- und Genehmigungsverfahren. Das ergab eine kleine Anfrage der mobilitätspolitischen Sprecherin der Grünen-Landtagsfraktion, Lea Heidbreder. Die Finanzierung könnte laut der Antwort auf die Anfrage über Mittel des Bundes, zum Beispiel nach dem Bundesschienenwegeausbaugesetz oder nach dem Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz (GVFG) erfolgen.

Bei einer Finanzierung mittels GVFG wäre eine Bundesförderung von bis zu 75 Prozent der Baukosten zuzüglich 10 Prozent der Baukosten als Planungskostenpauschale möglich.

Kommunen müssten einen Teil bezahlen

Die Kommunen müssten 15 Prozent der Kosten übernehmen. Das wären im günstigsten Falle rund 35 Millionen Euro, über deren Finanzierung sich der Kreis Germersheim, Winden, Kandel, Wörth und eventuell der Kreis Südliche Weinstraße einigen müssen. Im ungünstigen Fall geht es um 52 Millionen Euro.

Der lange Zeit diskutierte nur teilweise zweispurige Ausbau der Strecke Wörth-Winden auf knapp zwei Kilometern wurde in die Schublade gelegt. Obwohl er deutlich günstiger ausfallen dürfte – allerdings bei weniger Nutzen – fand sich für ihn kein geeigneter Finanzierungstopf.

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