Kreis Germersheim Schnaken schlimmer als die Hitze

Arbeit unter praller Sonne (Teil 4, Schluss): Der aktuelle Sommer meint es gnädig mit den Menschen, die auch bei großer Hitze im Freien arbeiten müssen. Waldarbeiter stöhnen auch weniger über die Hitze, sondern vielmehr über Schnaken und Bremsen.
Kandel. Die anhaltende Feuchtigkeit und ein Sommer, der einfach seinem Namen nicht gerecht werden will, sind für viele Menschen ein richtiges Ärgernis. Denen, die im Freien arbeiten müssen, kommt er aber gerade recht – wenn’s nicht dauernd regnet. Dazu kommt aber ein anderes Problem: Vor allem die Schnaken, aber nicht nur sie, machen ihnen zu schaffen. Dies gilt beispielsweise die Angehörigen der grünen Berufe, etwa die Forstwirte. Sie haben allen Grund zur Klage, nicht nur, weil die Belastungen durch die anfallenden Arbeiten immer größer werden, sondern auch weil man sich einer Schnakenplage ausgesetzt sieht, die einem den Spaß an der Arbeit im Freien vergällt. Schon morgens in aller Frühe geht es los, erzählt Forstwirt Horst Heilmann vom Forstamt Bienwald in Kandel, den wir vor Ort bei einer Pflegemaßnahme antreffen. Seit 40 Jahren arbeite er nun schon im Bienwald, aber so etwas wie dieses Jahr habe er noch nie erlebt, so Heilmann. Kleine Stechmücken, die Schnaken und, am allerschlimmsten, die Bremsen, stellen eine zusätzliche Belastung bei der Arbeit dar. Besonders unangenehm werde es, wenn man bei der Arbeit sehr schwitzt. Jeder nehme zwar ein Mittel seiner Wahl mit in den Wald, aber selbst durch die Arbeitsanzüge werde man an Armen und Beinen gestochen und so gepiesackt, dass einem oft die Lust an der Arbeit genommen werde. Die Bekämpfung der Schnaken habe in diesem Jahr nach Ansicht auch anderer Forstleute nichts gebracht, meint auch Johannes Becker, Produktleiter Umweltvorsorge beim Forstamt Bienwald. Auch die Zecken treten in größerer Anzahl als gewohnt auf. Heilmann und seine Kollegen, unterstützt wird er heute von Bernhard Frenzel und zwei Auszubildenden, müssen die Kulturen pflegen. Kaum zu sehen sind kleine Eichen und Vogelkirschen, weil sie durch die Amerikanische Kermesbeere erdrückt zu werden drohen. Deshalb muss die Kultur freigeschnitten werden, eine Arbeit, die am besten mit der Sense und Messern verrichtet wird. Solche Aufgaben konnte man früher zeitlich und räumlich besser planen. Man wusste, wie es um die Schnakenplage stand. Und wo es besonders schlimm war. Heute, so Heilmann, sei es aber fast überall gleich schlimm. So nicht erwartet hat auch der 17-jährige Merlin Tessmann die Schnakenplage. Vor zwei Wochen erst hat er seine dreijährige Ausbildung zum Forstwirt begonnen, auf die er nicht nur durch die Berufsberatung gekommen war. Er hatte Gelegenheit zu einem einwöchigen Praktikum, allerdings im Pfälzerwald, und da gab es keine Schnakenplage. Trotzdem mache ihm die Arbeit Spaß, auch wenn er für die Anfahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln von Maikammer nach Schaidt doch beträchtlich Zeit braucht und mehrfach umsteigen muss. Sobald es geht, sagt Merlin Tessmann, will er deshalb den Führerschein machen, um mit dem Auto nach Schaidt zu fahren. Ein anderer Auszubildender pendelt täglich zwischen Hauenstein und Schaidt, wo das Forstamt seine Maschinenhalle hat. Johannes Becker vom Forstamt Bienwald ist froh über das Interesse der jungen Leute am Beruf des Forstwirts, räumt aber auch ein, dass die Arbeit anspruchsvoll sei, auch körperlich. Und in diesem Jahr seien die Mitarbeiter im Wald durch die Insektenplage zusätzlich belastet. Dies trifft natürlich auch auf die Menschen zu, die den Wald als Erholungsraum schätzen oder sich für die Vegetation interessieren. Sogar Exkursionen seien wegen der Insekten schon abgesagt worden, weiß Becker zu berichten. Die „Waldmänner“ hoffen, dass die Schnakenbekämpfung im nächsten Jahr erfolgreicher sein und der Aufenthalt im Bienwald wieder „erträglich“ wird.