Kreis Germersheim Schaidt: "Bäckerei & Lebensmittel Beck" schließt

Am 29. Dezember öffnet Andrea Ries letztmals ihren Laden, um Bestellungen entgegenzunehmen, die am Silvestertag ausgegeben werde
Am 29. Dezember öffnet Andrea Ries letztmals ihren Laden, um Bestellungen entgegenzunehmen, die am Silvestertag ausgegeben werden.

Zwischenzeitlich hat es sich herumgesprochen. Bald bleibt der Ofen aus. Die „Bäckerei & Lebensmittel Beck“ in Schaidt schließt zum Jahresende. Daran können auch Sympathiebekundungen von langjährigen Kunden nichts mehr ändern. Schade, mag da mancher sagen. Aber Inhaberin Andrea Ries hat ihre Entscheidung nach langen Überlegungen getroffen.

Auf gelben Schildern, die am Schaufenster und an den Eingangstüren der Bäckerei hängen, wird die Kundschaft informiert. Viele, die bisher ihre Backwaren (Brot, Brötchen, Kuchen oder Torten) bei Andrea Ries gekauft und dem kleinen Laden die Treue gehalten haben, sind etwas enttäuscht. Sie bittet die gelernte Konditorin um Verständnis. Aber auf Dauer könne sie nicht täglich 15 oder 16 Stunden arbeiten.

Gelernte Konditorin

Eigentlich wollte sie ihr Ladengeschäft ja weiterführen, mindestens bis sie das 60. Lebensjahr erreicht hat. Das hatte sie sich im Jahre 2004 zumindest vorgenommen. Damals hatte sie nach dem Tod ihres Bruders Ludwig das Ladengeschäft und die Backstube übernommen. Außer Schaidt bediente sie auch noch eine Filiale in Freckenfeld (bevor das Haus zum „Dorfladen“ umgebaut wurde). Die Bäckerei Beck wurde ursprünglich von Andrea Ries’ Opa Ludwig Getto 1926 begründet. Auf ihn folgte dann ihr Vater Hubert Beck, der seit 1956 für die Backstube verantwortlich zeichnete. Von 1998 an war ihr Bruder Ludwig Beck der Chef in der Bäckerei. Andrea Ries hatte schon als Kind immer wieder in die Backstube geschaut. Es roch immer so gut, und sie entschied sich nach dem Schulbesuch in Wörth auch für eine Berufsausbildung. Sie hatte sich in „Kuchen und Torten“ verliebt und lernte Konditorin. 1983 wechselte sie in die elterliche Backstube nach Schaidt.

"Mädchen für alles"

Dann aber kam ein Schicksalsschlag in die Familie: Ihr Bruder, Ludwig Beck, verstarb mit nur 46 Jahren. Nun wollte Andrea ihren Vater nicht im Stich lassen und sie unterstützte ihn im Familienbetrieb. Obwohl sie zwischenzeitlich verheiratet war und zwei Kinder hatte, griff sie beherzt zu und übernahm das Geschäft dann selbstständig nach dem Tod ihres Vaters ein Jahr später. Sie wurde, wie es hieß, zum „Mädchen für alles“ rund um das Geschäft, zu dem auch ein kleiner Lebensmittelladen gehört. Andrea Ries übernahm gerne auch Sonderaufträge für Familienfeiern: Ihre Kreationen erfreuten die Kunden, die zu Kindergeburtstagen, Taufen oder Hochzeiten spezielle Torten anfertigen ließen. Auch betrieb sie gerne das „Trauercafé“ im katholischen Pfarrheim. Ausfallen, so erzählt sie, durfte man natürlich nicht. Nur zweimal war sie so krank, dass sie vertreten werden musste.

Ärger über Mindestlohn und andere Vorschriften

Beim Verkauf im Laden wird sie von drei Frauen unterstützt, die auf 450-Euro-Basis eingestellt sind. Sie hat sie vor Wochen bereits informiert, dass das Geschäft schließt. Zwei von ihnen haben Stellen in Aussicht, eine Verkäuferin hört aus Altersgründen auf. Ärgerlich, so Ries, sei in diesem Zusammenhang die Sache mit dem Mindestlohn. Wenn man diesen schon erhöhe, dann sollten auch die Obergrenzen für diese Verträge angehoben werden, sonst bringe der Mindestlohn für die Betroffenen ja nichts. Und dann komme noch der Aufwand für die überbordende Bürokratie hinzu. Gerade die Kleinunternehmer würden in hohem Maße gegängelt, findet Andrea Ries. Verärgert ist sie auch über andere Behörden: Die machen uns Vorschriften, und wir müssen die Kosten erwirtschaften! „Wenn ich nur an die Allergenliste denke, die wir vor Jahren erstellen mussten“, klagt sie. Andrea Ries will weiterhin in der Backstube in Hatzenbühl arbeiten. Hier kann die 54-jährige Brötchen, Kuchen und Torten backen, muss sich aber um viele andere Dinge nicht mehr kümmern. Dass ihr Entschluss nicht bei allen auf Gegenliebe stößt, kann sie nachvollziehen. Ihre bisherigen treuen Kunden werden ihr auf jeden Fall fehlen, gesteht sie. Am Samstag, 29. Dezember, ist das Geschäft zum letzten Male geöffnet. Dann nimmt sie Bestellungen für Silvester entgegen und gibt die Ware am letzten Tag des Jahres aus. Was aus dem Ladengeschäft in der Hauptstraße 150 wird, stellt sich noch heraus. Schaidt jedenfalls wird um einen eingesessenen Familienbetrieb ärmer.

x