Kandel RHEINPFALZ Plus Artikel Schüler kommen dem Klimawandel auf die Spur

In Station 5 lernen die Schüler „Witterungsextreme“ kenne.
In Station 5 lernen die Schüler »Witterungsextreme« kenne.

Mit Klima- und Umweltschutz beschäftigen sich die Schüler der Realschule plus in Kandel nicht erst seit der Fridays-for-Future-Bewegung. Nachhaltigkeit wird im Unterricht und Klassenprojekten regelmäßig thematisiert. Jetzt macht die interaktive Ausstellung „Klimawandelweg“ an der Schule Halt.

Der Klimawandelweg ist nicht nur reine Theorie. „In unserem Fall haben die Schüler einen Nachrichtenbeitrag mit Warnschildern zum Thema Sturm angefertigt“, erklärt Joachim Dietz, Lehrer und Organisator der Ausstellung in Kandel. Ein brandaktuelles Thema, da das Wettertief Sabine ja diese Woche über die Region und das Land gezogen ist. Witterungsextreme, etwa Hitzeperioden im Sommer, hätten die Schüler selbst miterlebt und könnten zum Thema deswegen gut einen Bezug herstellen, meint Dietz.

Schüler leisten Beitrag zum Klimaschutz

Mit dem Klimawandelweg haben sich die Realschüler die ganze Woche beschäftigt. Schulen können die Materialien beim Kompetenzzentrum für Klimawandelfolgen des Landes Rheinland-Pfalz anfordern. Bisher haben etwa 30 Schulen daran teilgenommen. An neun Stationen behandeln die Schüler unter anderem die Entwicklung des Klimawandels und die Folgen für Wirtschaft und Gesundheit. „Das Material des Kompetenzzentrums umfasst nicht nur Arbeitsblätter, sondern auch Gerätschaften, beispielsweise Zeittafeln, mit denen die Schüler gut arbeiten können, nicht nur theoretisch“, erläutert Dietz.

Die Schule engagiert sich bereits stark für Klima- und Umweltschutz: Neben Solarfeldern auf dem Dach, die eigenen Strom produzieren, werde das Thema „Nachhaltigkeit“ regelmäßig in den 10. Klassen diskutiert, erzählt Sozialkunde-Lehrerin Stephanie Wagner. Ihre Klasse, die 9c, macht gerade einen Rundgang durch die Ausstellung. Die Schule beteilige sich zwar nicht als Gemeinschaft an den Fridays-for-Future-Demos, einzelne Jugendliche dürften aber selbstverständlich mit Einwilligung der Eltern und nach Abmeldung teilnehmen. Auch privat leisten Einige einen Beitrag zum Umweltschutz.

Pillen statt Zahnpasta

Fenja (14) verzichtet Zuhause so gut wie möglich auf Plastikprodukte. Wie? Anstelle von Shampoo benutzt sie Haarseife, Zahnpasta ersetzt Fenja mit plastikfreien Zahnputzpillen. Fast Fashion, Billigklamotten und Billigfleisch kommen nicht in die Tüte, stattdessen kaufe die Familie bei Händlern vor Ort ein. Lange Transportwege kämen so gar nicht erst zustande, erzählt die Jugendliche.

Die 9c hat ein Pfandflaschenprojekt gestartet. Die 14- bis 16-Jährigen sammeln Flaschen auf dem Schulgelände oder auf dem Weg dorthin in einem Schrank in ihrem Klassenzimmer. Das Pfandgeld kommt in die Klassenkasse. „Wir machen das nicht wegen des Geldes, sondern für die Umwelt“, betont Celine (15). Außerdem wird täglich in der zweiten Pause der Müll im Hof aufgesammelt. Dabei sind alle Schüler mal an der Reihe. „Andere Klassen und Schulen sollten ihren Müll auch aufsammeln oder am Klimawandelweg teilnehmen“, appelliert Celine. „Wenn es nur eine Schule macht, bringt das ja nichts.“ Marvin (14) fordert, dass jedes Haus mit Solarzellen ausgestattet sein und der Staat dafür noch mehr finanzielle Unterstützung leisten soll.

Einwurf: Es geht noch besser

Der Klimawandelweg kommt bei den Schülern gut an und sensibilisiert sie für Umweltschutz im Alltag. Auch die Lehrer loben die interaktive Ausstellung und deren Ziele. Die Materialien musste ein Lehrer allerdings persönlich mit dem Privatauto in Trippstadt abholen. Die Verantwortlichen des Landes Rheinland-Pfalz sollten sich hierfür eine bessere Lösung einfallen lassen. Denn mindestens zwei Stunden und mehr als 120 Kilometer Autofahrt sind nicht besonders klimafreundlich.

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