Kreis Germersheim RHEINPFALZ Plus Artikel Südpfalz: Fernmelder kehren in Kaserne zurück

Die Kameraden schauen in ihrer ehemalige Wirkungsstätte in Bad Bergzabern der Bundespolizei über die Schulter.
Die Kameraden schauen in ihrer ehemalige Wirkungsstätte in Bad Bergzabern der Bundespolizei über die Schulter. Foto: Norman P. Krauß

Wo sie im Dezember 1968 als Wehrpflichtige oder Zeitsoldaten entlassen worden waren, trafen sich gestern Angehörige des Bauzuges der Vierten Kompanie: in der ehemaligen Mackensen-Kaserne Bad Bergzabern, in die mittlerweile auch die Bundespolizei eingezogen ist. Die ehemaligen Fernmeldesoldaten treffen sich bereits seit 50 Jahren.

Sie sind sehr gespannt. Auch Reinhold Kaschytza, der aus Stuttgart angereist ist. Äußerlich habe sich nicht viel verändert, findet er. Die ehemalige Mackensen-Kaserne beherbergt noch immer etwa ein Dutzend Soldaten, mehrere Hundert Zivilangestellte und einige Hundertschaften der Bundespolizei. An seine Zeit in Bad Bergzabern hat Kaschytza nicht die besten Erinnerungen. Der Spieß habe ihn und einen weiteren Kameraden aus seiner Heimat immer „Schwäble“ genannt. Viel Gutes fällt ihm zu diesem Vorgesetzten nicht ein. Toll dagegen sei die Kameradschaft gewesen, weshalb das Treffen zu einem „Highlight“ in seinem Jahresablauf geworden sei.

Fritz Dietrich aus Hochstadt, nach seiner Bundeswehrzeit lange Jahre Lehrer, unter anderem in Bellheim, ist ebenfalls gern dabei. Seine Fahnenjunkerausbildung in Bergzabern sei eine harte Zeit gewesen, erzählt Dietrich. Vor allem auch wegen der häufigen Wachen, die geschoben werden mussten. In seiner Dienstzeit sei das Waffendepot in Lebach überfallen worden, was zu erhöhten Sicherheitsvorkehrungen führte. Friedhelm Haug aus Weil der Stadt hat jedes Jahr seinen Fotoapparat griffbereit. Die Bildern, die er macht, brennt er auf CD und bringt sie im nächsten Jahr den Kameraden mit.

Der Dienst in der Kaserne war nicht gerade einfach

Die erste Zusammenkunft hat 1969 Kurt Peter organisiert. 1970 traf man sich in Deidesheim bei Alwin Weitlauff. Damals schlief man noch, („wir waren ja alle Junggesellen“), im Mehrbettzimmer. Mittlerweile bringen einige auch ihre Ehefrauen mit. Niemand möchte seither die jährlichen Treffen missen – und fast jeder erinnert sich, dass der Dienst in der „Mackensen-Kaserne“ nicht gerade einfach war.

Bei dem diesjährigen Treffen bei der Bundespolizei werden die ehemaligen Soldaten von Oberkommissarin Tina Schmitt durch die Gebäude begleitet. Sie dürfen die Ausbildung in der Sporthalle und an einem Wasserwerfer der neuesten Generation beobachten. Der „Wasserwerfer 10000“ kommt unter anderem bei gewalttätigen Demonstrationen, bei der Brandbekämpfung zum Einsatz oder zur Versorgung mit Trinkwasser. Nass werden möchten die Besucher jedenfalls nicht, deshalb hält man sich schön an die Vorgaben der Polizisten und bleibt auf der Seite stehen. „Früher ging es trotz allem noch etwas geruhsamer zu“, ist hie und da zu hören.

Zur Sache

Ihrer Wirkungsstätte, der früheren „Mackensen-Kaserne“ in Bad Bergzabern, kehrten 1968 Wehrpflichtige und Zeitsoldaten des Mittleren Fernmeldebataillons 765 den Rücken. Ende Dezember war Entlasstag. Auch die Angehörigen des „Bauzuges der vierten Kompanie“ kehrten ins Zivilleben zurück – aber nicht, ohne sich vorzunehmen, sich weiterhin zu treffen.

Seit 1969 finden die Treffen im jährlichen Rhythmus statt. Immer an einem anderen Ort, an dem die ehemaligen Soldaten ihren Wohnsitz hatten, zwischen Stuttgart und der belgischen Grenze. So wurden die Bau-Zug-Treffen zu einer schönen Tradition. Der Bau-Trupp-Führer von damals, Kurt Peter, der in Büchelberg wohnt und hier lange Leiter der Grundschule war, ist Organisator der Jubiläumsveranstaltung, die noch bis zum heutigen Donnerstag dauert. Die gute Kameradschaft wirke bis in die Gegenwart fort, erzählt Peter.

Die Zeit des Kalten Krieges und die Krise beim „Prager Frühling“ habe 1968 eine erhöhte Alarmbereitschaft erforderlich gemacht. „Auch die Soldaten vom Fernmeldebataillon 765 in der Mackensen-Kaserne bekamen dies zu spüren, vor allem, wenn Übungen bataillonsintern oder im Nato-Rahmen durchgeführt wurden oder wenn die Fernmelder auf einem Truppenübungsplatz biwakierten“, berichtet Peter. Sein Bau-Zug, eingeteilt in Feldkabel- und Feldfernkabel-Trupps, sei zwischenzeitlich auch immer wieder mit dem feldmäßigen Leitungsbau beauftragt gewesen. Dazu gehörten das Sichern und Erweitern des Netzes, sowie Anschließen und Bedienen von Feldfernsprechern. „Handys gab es damals halt noch nicht“, so Peter. Körperlicher Einsatz und gemeinsame Anstrengung waren bei den Bau-Zug-Soldaten an der Tagesordnung, waren doch oft kilometerlange Kabelstrecken zu verlegen. Gegenseitige Hilfe und unbedingte Zuverlässigkeit waren unabdingbar.

1968 machten die Soldaten einen Ausflug zum Schauinsland im Schwarzwald.
1968 machten die Soldaten einen Ausflug zum Schauinsland im Schwarzwald. Foto: privat/frei
x