Ottersheim RHEINPFALZ Plus Artikel Rotstift mit Maß eingesetzt: Schulleiterin geht in Ruhestand

Die Schüler bereiteten Sigrid Schwab einen schönen Abschied mit Tänzen, Gesang und Gedichten.
Die Schüler bereiteten Sigrid Schwab einen schönen Abschied mit Tänzen, Gesang und Gedichten.

Sigrid Schwab führte die Grundschule vom Kreide- ins digitale Zeitalter. Am Freitag war nach 15 Jahren der letzte Schultag der Rektorin. Ihr größter Kummer: Die Stelle konnte bislang nicht wieder besetzt werden.

Seit 2008 war Sigrid Schwab Rektorin der Grundschule Ottersheim-Knittelsheim und hat so manches erlebt in der Zeit. Allerlei „Getier“ befand sich unter ihren Schützlingen, wie eine Klasse bei der Abschiedsveranstaltung feststellte: Bücherwürmer, Brillenschlangen, Schlaufüchse und manchmal auch Krawallbären. Bereits 2009 habe sie sich für die Sanierung der in die Jahre gekommenen Schule ausgesprochen. Das sollte dauern. 2015 wurde die Sporthalle neu gebaut. Jetzt ist seit geraumer Zeit das Schulgebäude an der Reihe. Die Fertigstellung wird Schwab nun aus der Ferne verfolgen. Sie geht in Ruhestand. Projekte und Ereignisse hat sie in einer Chronik mit Bildern und Zeitungsartikeln festgehalten. „Es ist nicht mehr vorgeschrieben, eine solche Chronik zu verfassen. Aber mir war das wichtig, ist sie doch ein wesentlicher Bestandteil der Ortsgeschichte“, sagt Schwab.

Nach dem Studium der Fächer Religion, Deutsch und Grundschulpädagogik folgte die Ausbildung in ihrem Heimatort Bellheim. Nach Stationen in Ludwigshafen, Hördt und nochmals Bellheim wurde sie Rektorin in Ottersheim. „An der Grundschule unterrichtet man eigentlich alles“, sagt Schwab. Sie hat auch Musik oder Sport unterrichtet, wenn es notwendig war. Und Englisch nicht zu vergessen, das ihr viel Freude gemacht hat und den Kindern wohl auch: „Es kam oft vor, dass die Schüler mich auf Englisch begrüßten, wenn wir uns in der Schule über den Weg liefen.“

Rotstift kann Frust auslösen

Einschneidend im Schulalltag sei die Umstellung von der Kreidetafel hin zu digitalen Medien gewesen, sagt Sigrid Schwab. Digitale Veränderung der letzten Jahre hatte Einfluss auf die Schüler: „Kinder sind noch stärker mediengeprägt, aber nicht durchs Fernsehen, sondern durchs Internet“, so Schwab. Eine Ursache für die mangelnde Rechtschreibfähigkeit, wie sie findet. Freies Schreiben solle sich entwickeln dürfen: „Man muss in der Schule einen Mittelweg finden. Wenn ich einem Kind, das ganz stolz seinen ersten eigenen Text geschrieben hat, alles rot anstreiche, kann dadurch auch Frust entstehen und das Kind verliert den Spaß am Schreiben“, sagt sie. „Natürlich müssen Fehler korrigiert werden, aber eben mit Maß.“

Veränderungen gab es auch beim Betreuungsbedarf. „Am Anfang waren etwa zehn Kinder in der Nachmittagsbetreuung. Inzwischen sind es um die 50 Prozent“, berichtet Schwab. Sie selbst hätte sich die rhythmisierte Ganztagsschule gewünscht, die Freizeitangebote und Hausaufgabenbetreuung mit einschließt. „Aber der Bedarf ist offensichtlich – zumindest in Ottersheim und Knittelsheim – nicht vorhanden, wie die letzte Umfrage zu diesem Thema 2018 ergab“, so Schwab. Wie bei der Bezahlung für die Grundschullehrer sei auch in diesem Bereich zu wenig Geld vorhanden, trotz zunehmender Belastung.

Kurztrips in Hauptstädte

Für die Schuleiterinnenstelle hatte Schwab die Hälfte ihres Deputat, also zwölf Wochenstunden, zur Verfügung. Das ist nicht viel, um eine Schule mit um die 120 Schüler zu organisieren. So kam es, dass trotz vielfacher Bemühungen, keine Nachfolge gefunden wurde. Kommissarisch übernimmt Manon Müller, Konrektorin der Grundschule Bellheim, nun mit fünf Wochenstunden die Stelle. „Einige Aufgaben habe ich auf das Kollegium verteilt. Das ist mein größter Kummer, dass die Stelle vakant ist“, sagt Schwab.

Mit ihrem Mann will Sigrid Schwab Kurzreisen in europäische Hauptstädte unternehmen. Daneben ist die vierfache Mutter und inzwischen auch Großmutter, in der katholischen Kirche engagiert, ist Vorsitzende des Kirchenchors St. Nikolaus, leitet Gottesdienste und ist überregional beim katholischen Frauenbund aktiv. Dort wird sie ab Februar als Redakteurin bei der Bundeszeitung „KDFB engagiert – Die Christliche Frau“ arbeiten. Zudem sind sie und ihr Mann in den Patnerschaftsvereinen aktiv, und sie will ihr Französisch aufbessern. „Zu viel Freizeit passt nicht zu mir“, sagt Schwab. Ihr unermüdlicher Einsatz, ihr Fleiß und Verantwortungsbewusstsein wird auch dem Kollegium und Sekretariat in guter Erinnerung bleiben.

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